Freitag, 16.11.2018

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Röttenbach: Bürgerversammlung mit Tour durch Gemeinde

Ludwig Wahl besichtigt mit Bürgern Vorhaben - auch umstrittenes Wohnprojekt an der Kirche - 15.07.2018 17:29 Uhr

Die Bürgerversammlung in Form einer Rundtour durch den Ort mit Bürgermeister Ludwig Wahl (Mitte r.) führte auch zum umstrittenen Wohnkomplex vor der Kirche. © Foto: Nikolaus Spörlein


Die anvisierten Ziele waren am Samstag früh ab 9 Uhr die "Neue Mitte", also die große Baustelle mitten in Röttenbach, vor dem Rathaus, die Wohnanlage vor der Sankt-Mauritius-Kirche, die Stützmauer an der Engstelle vor der Bäckerei Bräun, der Friedhof, das Alte Rathaus und schließlich die Schulturnhalle. Dort wurde der "offiziellen Teil" der Bürgerversammlung beendet.

Im September 2014 schon habe der Gemeinderat beschlossen, den Rathausplatz auf Vordermann zu bringen, denn dafür sollte es bei Gesamtkosten in Höhe von 4,2 Millionen Euro satte 2,2 Millionen Euro Subventionen geben. Das Büro Rühl wurde laut Wahl mit den Planungen beauftragt, und war beim Spaziergang am Samstag auch vertreten, um das (alte) neue Biotop gegenüber dem Rathaus den Bürgern näher zu bringen.

Aktuell, so der Bürgermeister, beschäftige man sich mit der Trennung der Kanäle (Regenwasser, Schmutzwasser). Es wird also noch einige Zeit dauern, bis die Baustelle im "Herzen" Röttenbachs Geschichte ist, so Matthias Rühl. Man rechnet, dass die Maßnahme noch bis in den Herbst 2019 dauern könnte.

An der Ringstraße wird es demnächst zu einer Umleitung kommen. Denn die Gemeinde will laut Wahl die Engstelle durch die Mauer vor der Bäckerei Bräun beseitigen. Das soll vor allem der Sicherheit der Schulkinder dienen, die dort die Hauptstraße hin zur Schule überqueren. Man werde wohl auch während der Baumaßnahmen um eine Art "provisorischer Asphaltdecke" nicht umher kommen.

Dann ging es zur neuen Wohnanlage vor der Sankt-Mauritius-Kirche. "Ja wo ist denn die Kirche jetzt auf einmal", entrüstete sich einer der Bürger, weil von der Ringstraße her das Gotteshaus nun nicht mehr gesehen werde. Ein anderer Bürger, er wollte auch nicht namentlich genannt werden, sprach angesichts des massiven Baukörpers in einer ziemlich engen Gasse (hin zum Friedhof) gar von einem "Hai in der Konservendose". Mindestens ein Drittel kleiner hätte diese neue Wohnanlage sein müssen, "und unbedingt an einer anderen Stellen". Ludwig Wahl besänftigte die Gemüter.

Schließlich habe zu diesem Vorhaben sogar eine Bürgerbeteiligung stattgefunden. Im Mittelpunkt stand dabei das "seniorengerechte, betreute und barrierefreie Wohnen" im Zentrum.

Ganz bewusst nicht abseits, womit auch Planer Harald Fuchs vertraut gemacht wurde. Man habe im Vorfeld auch einige ähnliche Wohnanlagen in Erlangen und in Möhrendorf besichtigt. 60 Prozent aus der seinerzeit rückläufigen Bürgerbefragung plädierten für einen Standort in "zentraler Lage". Zwölf Wohnungen, so Wahl, sind indessen im Rohbau fertig.

Der Investor namens "Investor-Grundprojekt Wenzke" habe einen Großteil der Wohnungen indessen an die Caritas verkauft, die sich natürlich um die — wenn nötig — pflegerische Versorgung der Bewohner kümmern werde. Es sei aber auch geplant, dass grundpflegerische Leistungen angeboten werden: ambulante Leistungen, ebenso Tagespflege für ambulante Besucher. Darüber hinaus entstehe in diesem Wohnblock ein Beratungsangebot für soziale Fragen, eine soziopsychiatrische Beratungsstelle. Senioren, so Wahl weiter, könnten bei dieser Wohnform möglichst lange selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben und müssten nicht fernab ihrer Heimat in ein Pflegeheim.

Dass man die Kirche nicht mehr richtig sehe, ließ Wahl auch nicht gelten, schließlich war diese früher vom Gasthof Mehl und der Alten Schule weit mehr verdeckt. Man habe den gesamten Komplex sogar weiter Richtung Osten versetzt, um einen besseren Blick auf die Kirche zu haben. Nun, und das spreche für sich, seien aktuell alle zwölf Wohneinheiten bereits verkauft, erklärte Wahl.

Der Friedhof ist gleich ein paar Schritte von diesem neuen Wohnkomplex entfernt. Dieser wurde in den vergangenen Monaten und Jahren bekanntlich auch erweitert und neu angelegt. Über eine halbe Million Euro, betonte Wahl bei seiner "Bürgermeister-Bilanz", habe die Gemeinde hier investiert. Die Aussegnungshalle wurde saniert, neue Gräberreihen angelegt und Wege dazu befestigt. Sitzgelegenheiten wurden installiert und Urnenkreise geschaffen.

Beim Urnengrab kostet die Nutzungsdauer von zehn Jahren 500 Euro, beim Einzelgrab beispielsweise die Nutzungsdauer von 20 Jahren kostet 800 Euro.

Im Schulhaus ging es dann um die Einwohnerentwicklung (Juli 2018: 4824), um Statistiken hinsichtlich Geburten und Sterbefälle, um die Bevölkerungsentwicklung, das Krippenplatz-Angebot. Schließlich informierte Ludwig Wahl noch über die neue Nutzungsformen im Alten Rathaus, wo man jetzt die Bereiche Familie, Bildung und Soziales abdecken könne. Umbau und die Sanierung der Schulturnhalle kosten die Kommune rund 3,20 Millionen Euro, wobei auch diese Investitionskosten mit 1,20 Millionen Euro gefördert werden.

Wie es zu einem "Spaziergang durch die Gemeinde" passt, wurden nach dem offiziellen Teil diverse Getränke gereicht; eine Brotzeit gab es aber nicht. "Wir arbeiten dran", kündigte Wahl an. 

NIKO SPÖRLEIN

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