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Schuften im Reiferaum des Heinershofs

Im Schulbauernhof Stolzenroth entsteht nun auch eine Brot- und Käseschule - 19.04.2018 14:05 Uhr

Karl Volland legt im künftigen Reiferaum der Käseschule Hand an. In der Käserei soll zunächst Frischkäse, später auch Hartkäse hergestellt werden. © Fotos: Horst Linke


Im Hof basteln einige Kinder gerade ein Insektenhotel, es wird fleißig gesägt, gehämmert und geschraubt. Gleich daneben streicheln zwei Mädchen zwei kleine Schweine. In der Küche schnippeln etliche Mädchen und Jungs Gemüse für das Mittagessen. "Unser Ziel ist es, den Kindern zu vermitteln, woher unsere Lebensmittel kommen", erläutert Tina Sickmüller. Daher dürfen die Kinder überall selbst anpacken – beim Gemüseanbau und der Ernte, beim Kochen und beim Brotbacken. "Wir backen mit jeder Klasse, die hier eine Woche verbringt, am Tag vor der Abreise Brot, damit sie dann einen kleinen Laib mitnehmen können."

Bisher durften die Kinder den Brotteig in der gemeinschaftlichen Küche kneten. Doch dort sei es sehr eng, schildert Sickmüller. Daher will der gemeinnützige Verein nun einen Seitentrakt des alten Bauernhofs zu einer Brot- und Käseschule umbauen. Dort steht bereits der alte Holzbackofen, in dem schon bisher das Brot gebacken wird. Direkt daneben im ehemaligen Schweinestall soll nun die neue Backstube eingerichtet werden, in der ein riesiger Backtrog aus Holz stehen wird. "Hier können dann immer drei bis vier Kinder gleichzeitig den Teig kneten", so Sickmüller. Das sei durchaus anstrengend.

Der Heinershof beherbergt einen Kinderhort, einen Schulbauernhof und eine Umweltstation. Die Kinder sollen hier lernen, woher die Lebensmittel kommen.


Schon jetzt kommt Georg Paulus, ein pensionierter Bäcker aus Sambach, auf den Hof und backt einmal pro Woche mit den Kindern Brot. Vom Mehl abwiegen – mit einer alten Waage mit Gewichten, über Teig kneten, Holz in den Backofen schlichten bis hin zum Einschieben der 40 Brote in den Ofen – alles dürfen die Kinder selbst machen. Es dauert fast einen Tag, bis die Brote fertig sind. "Auf diese Weise sehen die Kinder, wie viel Arbeit in so einem Brot steckt und wie lange es dauert, bis es fertig ist." Künftig werde dann für die Brotbackaktion in der neuen Backstube viel mehr Platz sein, freut sich Sickmüller.

Gleich nebenan – in der ehemaligen Werkstatt – entsteht die neue Käserei. "Wir starten mit Frischkäse, weil der schneller fertig wird und die Kinder dann noch während ihres Aufenthaltes ihren eigenen Käse essen können", erläutert die Leiterin des Hofes, der einst ihrem Onkel Heiner – daher der Hofname – gehört hat. Langfristig will sich das Team aber auch an Hartkäse wagen, der dann im angrenzenden fast zehn Meter langen und kühlen Felsenkeller reifen kann.

Doch bis das Bauprojekt, das mit rund 330 000 Euro veranschlagt ist, fertig ist, wird noch etwas Zeit vergehen. "Wir machen ganz viel in Eigenleistung, sonst wäre das nicht finanzierbar", erläutert die Hofleiterin. Vor allem ihr Vater Georg Sickmüller, 74 Jahre jung, etliche seiner Freunde im ähnlichen Alter sowie freiwillige Helfer über die Ehrenamtsbörse erledigen die Vorarbeiten. Auf diese Weise sollen bereits 120 000 Euro der Gesamtkosten eingespart werden. Die Senioren haben beispielsweise schon die Wände vorbereitet, Holzbalken ersetzt sowie den Boden in der Käserei für die aufwendige Installation per Hand ausgeschachtet.

"Ü 70-Trupp" packt mit an

Der fleißige "Ü 70-Trupp" helfe nicht nur bei den Bauarbeiten, sondern arbeite auch viel auf dem Schulbauernhof mit. Es seien Senioren, die einfach was Sinnvolles machen wollen. "Die Atmosphäre ist immer nett, sie arbeiten gern zusammen, essen zusammen – da macht es den Helfern einfach Spaß, mal ein paar Stunden mit anzupacken", erzählt Sickmüller, die nicht nur die Arbeitskraft, sondern vor allem das enorme Fachwissen der Senioren hoch schätzt.

"Die Elektro- und Installationsarbeiten erledigen dann aber Firmen, wegen der Gewährleistung und wegen der Zuschüsse." Das Projekt wird zum Teil über Zuschüsse finanziert. Die zwei größten Finanzspritzen kommen vom EU-Leader-Projekt mit 60 000 Euro sowie 50 000 Euro von der Oberfrankenstiftung. Der Rest müsse über Eigenmittel, Darlehen und Spenden finanziert werden, erläutert Sickmüller.

Dazu hilft ein weiterer Plan des Vereins: "Wir wollen künftig die Brotbackkurse und die Käseschule auch für Erwachsene und für Großeltern mit Kindern anbieten", sagt Sickmüller. "Wir hatten schon ganz viel Nachfragen nach solchen Kursen, deswegen wollen wir das nun anbieten." Denn viele Großeltern stehen vor dem Problem, was schenkt man Kindern, die eh schon alles haben? Künftig können Oma oder Opa ihren Enkeln dann sinnvoll genutzte Zeit schenken: Im Heinershof können sie Brot backen, Käse machen, Marmelade einkochen oder Ähnliches. Und hinter all diesen Aktionen steht immer das eine große Ziel des gemeinnützigen Vereines: "Wir wollen so dazu beitragen, dass die Kinder handwerklich produzierte Lebensmittel wertschätzen lernen."

Wer den Heinershof in Stolzenroth bei Pommersfelden kennenlernen möchte, der ist zum "Heinershofer Löwenzahnfest" am Sonntag, 6. Mai, eingeladen. Von 10 bis 19 Uhr gestalten der Schulbauernhof, die Umweltstation und der Kinderhort ein Familienfest mit Frühlingswerkstatt, Mitmachangeboten, Hofführungen und Spaziergängen mit vierbeinigen Vereinsmitgliedern. Dazu gibt es Musik von Heywood, frisches Brot und Pizza aus dem Holzbackofen, Gulaschsuppe sowie Kaffee und Kuchen. Das Fest findet bei jedem Wetter statt. 

Maria Däumler NN-Springerredaktion E-Mail

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