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Seit 70 Jahren ein Ehepaar

Christa und Dennis Woolford feiern ihre Gnadenhochzeit - 09.08.2017 06:00 Uhr

Auf ein langes gemeinsames Leben können Christa und Dennis Woolford zurückblicken. Seit Ende der 1960er Jahre wohnen sie in einem Häuschen mit hübschem Garten in Wachenroth. © Maria Däumler


Christa Woolford hat schon alles vorbereitet. Im Wohnzimmer im alten Häuschen an der Reumannswinder Straße hat sie für den Gesprächstermin Kaffee, Wasser und etwas zum Knabbern bereitgestellt. Die 86-Jährige mit flotter Kurzhaarfrisur, adretter rosa Bluse und Perlenkette braucht keinen Spickzettel, um sich an die vielen Ereignisse in ihrem Leben zu erinnern — alles ist in ihrem Kopf gespeichert. Nur als es um die Frage geht, wie viele Enkel und Urenkel inzwischen zur Familie gehören, muss ihr Ehemann kurz mit nachdenken. Beide zählen dann zusammen: "Wir haben vier Kinder, sechs Enkel und sieben Urenkel — bis jetzt", sagt Dennis Woolford verschmitzt.

Das junge Paar wurde am 9. August 1947 in Hildesheim getraut. © privat


Doch zunächst blenden beide weit zurück — bis ins Jahr 1946. Der Krieg war zu Ende und Christa hatte gerade in ihrer Heimatstadt Hildesheim, in der die englische Armee stationiert war, die Mittelschule beendet. "Englisch war mein Lieblingsfach." Sofort nach der Schule wurde die damals 16-Jährige als Dolmetscherin eingesetzt. "Die waren froh, dass jemand so gut Englisch sprach", erzählt sie jetzt am Wohnzimmertisch.

Über eine Freundin habe sie Dennis Woolford kennengelernt. Der 20-Jährige stammte aus Reading in der Grafschaft Berkshire, südlich von London, und diente beim englischen Militär. War es Liebe auf den ersten Blick? Christa Woolford überlegt kurz: "Von meiner Seite nicht. Ich habe damals erst gedacht, was redet der für einen Blödsinn", gesteht sie heute. Später habe es doch gefunkt.

1947 sollte Dennis von Hildesheim abgezogen werden und ohne Heirat wäre die Freundschaft beendet gewesen. Also stellte Christa den englischen Freund ihrer Mutter vor, ihr Vater lebte nicht mehr. Angesichts der schwierigen Lage in Deutschland und der Aussicht, dass die Tochter dann nach England ziehen könne, wo die Verhältnisse deutlich besser waren, gab sie ihre Einwilligung zur Hochzeit. So heirateten die beiden am 9. August 1947 nach englisch-militärischen Regeln. "Wir waren eines der ersten Paare, die deutsch/englisch geheiratet haben", weiß Christa Woolford. Dann wurde der junge Ehemann nach Hamburg versetzt und Christa zog mit. Dort haben die beiden nochmals vor dem deutschen Standesamt geheiratet, "weil meine Mutter darauf bestanden hat", erzählt sie. Eine kirchliche Trauung gab es aber nicht: "Ich bin evangelisch, mein Mann gehört der Church of England an, da ging das nicht."

Ende 1947 war Dennis Woolfords Armeezeit um, das junge Paar zog nach England und lebte im Haus seiner Mutter, die in Reading eine kleine Pension führte, bei der Schwiegertochter Christa dann mitarbeitete. "Unsere ersten drei Kinder — drei Mädchen — wurden dort geboren: 1949, 1951 und 1953." In England kam die Rezession und Dennis, der Maler und Dachdecker war, wurde arbeitslos.

Hotel in Würzburg geführt

"Meine Schwester bekam mit, dass es uns nicht so gut ging", erinnert Christa sich. Ihre jüngere Schwester, Dorothea Römmel, hatte mit ihrem Mann eine Tankstelle an der A 3 und damit gut verdient. Die beiden bauten dann noch ein Hotel in Würzburg. "Dorle bot uns an, dieses Hotel zu führen." 1968 zog die Familie von England nach Würzburg. "Mir hat die Arbeit im Hotel wahnsinnig Spaß gemacht, doch für meinen Mann war das nichts", so Christa Woolford. Sie habe ihre Schwester gebeten, ob sie nicht eine andere Arbeit für sie hätte.

Und so kamen die Woolfords schließlich nach Wachenroth, wo es ihnen gut gefiel. "Mein Mann arbeitete als Tankwart an der Autobahntankstelle und ich habe die Buchführung gemacht." Noch heute leben sie in dem kleinen Häuschen an der Reumannswinder Straße, versorgen sich selbst und pflegen auch ihr Gärtchen. 1963 kam mit Sohn Anthony noch ein Nachzügler zur Welt. Er ist heute Informatiker und wohnt mit Familie in Höchstadt. Die drei Töchter leben mit ihren Familien in Amerika, in England und in Spanien. "Wir sind schon überall auf Besuch gewesen, sogar auf Hawaii, wo der Mann unserer Tochter Janet einmal stationiert war", erzählen beide. Sie seien viel gereist, doch heute sei das nicht mehr möglich, bedauern sie. Früher hätten sie zwei Dackel gehabt und waren viel spazieren im Wald, doch auch das gehe nicht mehr. Christa Woolford hat nämlich nach einem kleinen Unfall vor einem Jahr ihren Führerschein — freiwillig — abgegeben. "Da hat meine Versicherung nach 46 Jahren das erste Mal was zahlen müssen." Ein freundlicher Brief eines Staatsanwaltes habe sie aber zu dem Schritt bewegt, der ihr dennoch sehr schwer gefallen ist.

Ohne Auto eingeschränkt

"Ohne Auto sind wir sehr eingeschränkt und können nicht mal mehr in den Wald zum Spazieren gehen." Ihr Mann könne nicht mehr so weit den Berg hinauflaufen, weil er an einer Lungenkrankheit leide und nur schwer Luft bekomme, erläutert sie. Für jeden Arztbesuch oder Einkauf müssten sie jetzt jemanden um Hilfe bitten. Das sei nicht so einfach.

"Aber ansonsten geht es uns gut", beteuern beide. "Wir sind mit gesunden und guten Kindern gesegnet, haben schöne Reisen gemacht und wir mögen unseren Garten und die Arbeit darin. Herz, was begehrst du mehr", zieht Christa Woolford eine Bilanz. Und wie schafft man es, 70 Jahre mit dem Partner zusammen zu sein? Christa und Dennis Woolford überlegen etwas, schließlich sagt die 86-Jährige: "Ich würde da keine Ratschläge geben. Es macht sowieso jeder, was er will."

Man müsse auch schlechtere Zeiten gemeinsam überstehen. "Da muss man dann halt durch", finden sie. Mehr Tipps für eine lange Beziehung hätten sie da nicht. Wie steht es mit Hobbys? Früher seien die Hunde und lange Waldspaziergänge ihr Hobby gewesen, jetzt spielen beide gern Karten. "Mit Skip-Bo verbringen wir so manche Stunde miteinander", verraten sie. Außerdem mache sie gern Kreuzworträtsel und beide lesen gern.

Das ungewöhnliche Ehejubiläum feiern die beiden nicht groß. "Wir trinken keinen Alkohol und mehr essen als sonst kann man in unserem Alter auch nicht", sagen sie, was solle man da feiern.

"Die Obrigkeit hat sich aber angekündigt, der zweite Bürgermeister und der Landrat kommen. Ansonsten gehen wir mal mit den Kindern an einem Sonntag schön essen." 

Maria Däumler

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