Freitag, 16.11.2018

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Senioren: Leichter in den Bus einsteigen

Training in Weisendorf soll Angst vor dem Bus nehmen - 08.05.2018 18:11 Uhr

Die neuen Bushaltestellen – wie hier in der Lindenstraße – sind mit Bodenindikatoren für Blinde ausgestattet. Nur die Busse müssen dann auch genau dort halten.


Margot Schütz nimmt mit ihrem Rollator beherzt Schwung und versucht über die Rampe in den Bus zu kommen. Die Seniorin ist oft mit dem Bus unterwegs, verrät sie beim Training vor dem Rathaus. Doch oft sei es nicht einfach. So wie gerade eben, als sie in den modernen Niederflurbus einsteigen will. Die Bordsteinkante ist hier zu niedrig, sodass die Rampe relativ steil zum Fahrraum hinaufgeht. Mit ein bisschen Hilfe klappt das Einsteigen dann.

Dank Niederflurbus und höher gelegter Bordsteinkante kommt Jürgen Teibach mit seinem E-Rollstuhl in der Lindenstraße gut in den Bus. © Fotos: Tsimplostefanaki


Im Alltag gebe es aber so eine Hilfe eher selten, gesteht Busunternehmer Werner Vogel, als bei der Diskussion zu Beginn der Infoveranstaltung eine ältere Dame ihn fragt: "Werden Busfahrer geschult, dass sie Alten und Behinderten beim Einsteigen helfen?" Geschult ja, aber die Fahrer seien wegen des Fahrplans unter Zeitdruck.

Bis 2023 soll Bayern barrierefrei sein. "Wir in Weisendorf arbeiten daran", sagt Bürgermeister Heinrich Süß im Rathaus vor den rund 20 Senioren. Dazu muss der öffentliche Personennahverkehr so gestaltet werden, dass Ältere und Behinderte ihn gut nutzen können. Bis 2019 sollen alle Busse mit Niederflurtechnik ausgestattet sein, sagt Landrat Alexander Tritthart. Auch die Haltestellen werden nach und nach umgebaut. In Weisendorf, Lindenstraße, gibt es schon so einen barrierefreien Halt. Dort wird später das Buseinsteigen praktisch geübt.

Mit ein wenig Hilfe kommt die ältere Dame mir Rollator gut in den Bus, doch im Alltag ist sie in der Regel auf sich allein gestellt.


Zuvor aber löchern die Senioren Süß, Tritthart und Vogel mit Fragen. Ein Senior möchte, dass die Durchsagen lauter gemacht werden, "dann verstehen wir sie auch". Eine Seniorin appelliert an Vogel, dass die Fahrer doch warten sollten, "bis die Leute alle sitzen". Dieter Göbel vom Seniorenbeirat klagt: "Manche Fahrer können nicht richtig Deutsch sprechen und geben keine Auskunft über Busverbindungen." Vogel gibt zu, dass es Verständigungsprobleme gebe. "Die Fahrer müssen aber Deutschkurse machen." Auskunft sollten sie natürlich geben, "aber manchmal ist es halt schwierig wegen der Hektik und des Zeitdrucks."

Jürgen Teibach aus Großenseebach ist oft mit seinem Elektro-Rollstuhl unterwegs. "Mit dem Bus fahre ich selten", sagt der 80-Jährige. "Man weiß ja nie, ob der Bus so ausgestattet ist, dass ich mit dem Rollstuhl reinkomme", schildert er. Ein Ärgernis seien Fahrzeuge, die auf dem Gehweg stehen. "Da komm ich nicht vorbei, kann aber auch nicht die hohe Bordsteinkante runterfahren." Beim Training an der neuen Haltestelle in der Lindenstraße zeigt sich, dass die höher gelegte Bordsteinkante und der abgesenkte Niederflurbus das Einsteigen in den Bus klar erleichtert. "Das müsste überall so sein", wünscht sich Teibach. Dann könnte auch er den Bus nutzen. 

MARIA DÄUMLER

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