Mittwoch, 12.12.2018

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Spaß und viel Adrenalin beim Herzoman

Debütantin Maria Paulig und Titelverteidiger Lasse Ibert triumphieren beim 33. "Kult-Triathlon" - 29.07.2018 17:35 Uhr

Beim Zieleinlauf auf dem TSH-Gelände war er dann doch wieder einsam, der erfolgreiche Titelverteidiger Lasse Ibert, nachdem er auf der Radstrecke sein Gefährt am liebsten schon ins Gebüsch gefeuert hätte. © Fotos: Ulrich Schuster


Wo sonst passiert es, dass die Gewinnerin von 2017, Sofia Warter Rubio (TV 48 Erlangen), sich selbst starke Konkurrentinnen einlädt, die sich dann selbst den begehrten Titel schnappen? Denn Maria Paulig vom Bundesligateam des MRRC München war durch den Tipp der Rivalin auf den "Klassiker" der TS Herzogenaurach aufmerksam geworden und durfte sich über einen schönen Triumph freuen – auch wenn Sofia Warter Rubio nicht dabei war: Sie hatte sich nach einer Blessur abgemeldet und ist dann in Urlaub in die spanische Heimat geflogen.

Den Sieg der Münchnerin hatten nicht alle erwartet. TSH-Abteilungsleiterin Petra Sticker hatte nach Warter Rubios Absage einen klaren Erfolg von Julia Schübel (Team twenty.six Roth) vorhergesagt. Doch als diese schon beim Wechsel von der Rad- auf die finale Laufstrecke mit reichlich Rückstand auf die ersten Drei ankam, war klar, dass Stickers Prophezeiung nicht in Erfüllung gehen würde.

Stattdessen lief Maria Paulig, die in Erlangen studiert, vorneweg – "getragen von den tollen Zuschauern, die eigentlich auf allen Teilstrecken zahlreich vertreten waren". Denn anfangs habe sie sich durchaus etwas schlapp gefühlt, dann jedoch ihren Rhythmus gefunden. Nach 1:03,22 Stunden war sie im Ziel, ihr kamen Astrid Werner (TSV Altenfurt) in 1:03,59 und Julia Schübel (1:06,18) am nächsten. Sie lobte auch die perfekte und liebevolle Organisation: "Das hat mir alles sehr gut gefallen, nur auf der Radstrecke war es recht windig – aber das traf ja alle Starter."

Auf der Radstrecke fluchte auch ihr männliches Pendant Lasse Ibert (Team twenty.six Roth). Jedoch nicht wegen des Windes. Die Schaltung seines Rades wollte anfangs nicht funktionieren. Der Vorjahressieger musste dann die Ansbacher Straße im kleinsten Gang hinauf strampeln und war schon während dem normalen Rennverlauf von einigen anderen Sportlern überholt worden.

Da hielt er an, zog alle Kabel der elektronischen Gangschaltung raus und steckte sie erneut rein – und plötzlich funktionierte es. "Da war das Adrenalin ganz oben", schilderte Lasse Ibert seine Emotionen in diesem Moment. Er startete eine wilde Jagd und hatte den Führenden Tobias Heining (ProLeit AG) schon am Ende der ersten Radrunde wieder eingeholt.

Dann waren die beiden lange Zeit bergauf, doch beim Laufen im Dohnwald griff Ibert an – auch weil er wusste, dass Heining (Herzoman-Sieger von 2016) nach einer Fußverletzung eigentlich nicht in Topform sein konnte. Der Plan ging auf, der Gegner rief ihm schon bei der ersten Attacke den Glückwunsch zum Sieg hinterher. Mit 57:36 Minuten hatte Ibert am Ende respektable 43 Sekunden Vorsprung auf Heining. Jannik Hoffmann vom TV 48 Erlangen wurde Dritter in 59:46 Minuten.

Ibert, der früher bei Schaeffler arbeitete und heute als Selbstständiger in Nürnberg lebt, hat heuer noch Großes vor: Erstmals hat er sich für die Triathlon-Weltmeisterschaft, den Ironman Hawaii, qualifiziert. um dort topfit zu sein, startet er zuvor noch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika über die halbe Ironman-Distanz.

Noch früher im Ziel als Ibert und Heining war aus ihrer Startgruppe der Topathleten Josef Trojan vom Puma Athlete Team. Doch der verkniff sich jede Siegerpose, er wusste, er musste irgendwie "abgekürzt" haben. Auf Englisch sagte er, dass er dass keinesfalls absichtlich gemacht habe. Er sei den Sportlern vor ihm einfach gefolgt – doch die waren vermutlich aus einer früheren Startgruppe und durften schon zum Ziel am TSH-Platz abbiegen.

Alles richtig gemacht haben hingegen die 15 Schützlinge von Ironman Swen Sundberg, die dieser auf ihren ersten Herzoman vorbereitet hatte. Natürlich sei es nicht so leicht, den ersten Triathlon bei dieser Hitze zu absolvieren. "Aber die Mädels und Jungs haben alle den richtigen Spirit und Ehrgeiz mitgebracht. Das sind alles Talente, die sich im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten alle im Trainingsprogramm enorm gesteigert haben", lobt Sundberg die Debütanten.

In der Sportszene Herzogenaurachs durchaus nicht unbekannt ist Klaus Wiedorn, allerdings in anderen Disziplinen: Er ist ein Urgestein des Jedermann-Zehnkampfs, der heuer zum 20. Mal stattfindet. Und weil der 49-Jährige sonst zwar in den Wurfdisziplinen glänzte, aber bei den längeren Laufstrecken eher eine lahme Ente war, will er das heuer ändern. Sechs Kilogramm sind schon runter, der Herzoman überstanden – nur ist ihm zu wünschen, dass die fehlenden Pfunde ihm beim Kugelstoßen nicht zu sehr fehlen und er mehr Punkte verliert als er beim Laufen hinzugewinnt.

Noch eine Premiere beim herzoman 2018: Erstmals starten alle Sportler mit Transpondern am Fußgelenk an, die per Funk arbeiten. Bisher mussten sie immer in den Wechselzonen den am Handgelenk befestigten Transponder manuell über ein Erfassungsgerät ziehen. Petra Sticker. "Das ist ein Riesenfortschritt." Und geklappt hat die neue Technik auch.

  

HOLGER PETER

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