Freitag, 16.11.2018

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Staugeplagte auf der A3 kommen zu Wort

Mit viel Geduld und Zeitreserven durch den Pfingstverkehr - 01.06.2017 18:31 Uhr

Um Stunden verzögert hat sich die Ankunft der Wiesbadener Heidi und Kurt Etz im oberbayrischen Oberaudorf. © Foto: Edgar Pfrogner


Weil sich auf der Fahrbahn Brummi an Brummi reihte, gab es auch für das Wohnwagen-Gespann von Ellen und Michael Gebert kein Vorankommen mehr. "Wir waren gerade an der Ausfahrt vorbei, als der Stau kam", sagt die Fahrerin und lacht leicht verzweifelt. Das war bereits um 8.10 Uhr. Inzwischen war es Mittag.

Trotz Superstaus auf der A 3 hat Werner Penke aus Essen keinen Zeitdruck. Auf ihn warten Erholungstage in Sterzing. © Foto: Edgar Pfrogner


Die Fahrerin weiß schon jetzt: "Wir werden heute Nacht durchfahren müssen." Deshalb hat sich auch ihr Ehemann "hinten im Caravan" Schlafen gelegt. Am Freitagmittag müssen sie die rund 900 Kilometer entfernte Autofähre im italienischen Ancona erreichen. "Die Fähre fährt am Freitag mit und ohne uns." Dann geht es weiter nach Griechenland, auf die südliche Halbinsel Peleponnes. Ihr beliebtes Urlaubsziel seit 36 Jahren.

Es ist nicht der erste Stau im Leben des Rentner-Paares. "Letztes Jahr sind wir von zehn Kühen acht Stunden lang aufgehalten worden, heuer von fünf Lkw." Das Ende war da noch nicht absehbar. Das Vorjahr sei aber schlimmer gewesen, "da hatten wir unseren sechsjährigen Enkel dabei". Und der musste ständig im Auto "bespaßt" werden.

Bereits seit früh um 4 war Ellen Gebert mit dem Gespann unterwegs. Und stand jetzt doch auf der Autobahn A 3 nahe der Raststätte Steigerwald im Stau. Dennoch hat sie ihre halbwegs gute Laune behalten. © Foto: Edgar Pfrogner


Ebenfalls im Mittagsstau stand das Ehepaar Heidi und Kurt Etz. Sie wollen von ihrer Heimatstadt Wiesbaden ins oberbayrische Oberaudorf. "Wir sind um 6 Uhr gestartet und wollten eigentlich um Eins dort sein", so der Fahrer. Doch daraus wurde nichts. Jetzt erst mal Zwangspause mit ihrem gepflegten silbernen Opel Mokka auf dem Parkplatz der Rastanlage Steigerwald.

Erleichterung bei Heidi Etz: "Ich hatte Angst zwischen den Lastwagen auf der Autobahn." Vom Parkplatz aus konnten beide beobachten, wie ein Ehepaar direkt von der Autobahn aus zur Toilette auf der Rastanlage eilte und das Auto derweil auf der A3 im Stau stehen ließ.

Reichlich gelassen registrierte Gespannfahrer Werner Penke aus Essen mit seinem "Weltenbummler" den Stau. "Ich bin schon so viel gefahren, aber so etwas wie hier habe ich noch nie mitgemacht." Genussvoll verzehrt er ein Stück Käse und etwas Brot von seinem Reiseproviant aus dem Korb am Beifahrersitz. "Zum Glück bin ich nicht unter Zeitdruck."

Nächste Station sind ein paar Tage Erholungsurlaub in Sterzing. Bevor er — ebenfalls von Ancona aus — mit der Fähre nach Griechenland will, zu Bekannten. Reisebegleitung? Fehlanzeige. "Meine Ehefrau ist leider schon gestorben." Auf der langen Fahrt in den Urlaub hört er "nur die Stimme meines Navis, das ist langweilig".

Keinesfalls wiederholen möchte Penke die Anfahrt über Venedig. "Ich war dort schon drei Mal in Venedig, jedes mal ein anderer Anfahrthafen". Wenn einer eine Reise tut . . .

Auf dem Parkplatz daneben steht Orestis Paraskevopoulos. Als der Trucker-Fahrer das Reiseziel seines Nebenmannes hört, ruft der Grieche spontan aus: "Nehmen Sie mich mit, ich lasse meinen Truck hier stehen." Aber schließlich siegt dann doch die Pflicht. Erst wenn die Containerfracht von Frankfurt nach Nürnberg transportiert und abgeliefert wurde, endet der Arbeitstag für ihn.

In der Raststätte selbst herrscht an diesem Vormittag tote Hose. Weit und breit fast kaum ein Gast, weil alle im Stau stehen. Üblicherweise drängeln sich hier Fernfahrer und Touristen um die Mittagszeit.

Wenig Mut machen kann auch der stellvertretende Leiter der Erlanger Verkehrspolizei Robert Meier für den Pfingstreiseverkehr: "Staus haben wir immer, es gibt zu viel Verkehr auf zuwenig Straße." Besonders dramatisch sei die Lage zwischen den Anschlussstellen Höchstadt-Ost und Erlangen-West. "Sie können das nicht umfahren." Kleiner Hoffnungsschimmer: das Lkw-Verbot an Samstagen im Juli und August. 

FRANK HEIDLER

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