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"Tacet" für Fiskus

Männerchöre kein Revier für Finanzbehörden - 10.09.2017 08:57 Uhr

Haben eher Nachwuchs- als Gender-Probleme: Die Sänger des Münchauracher Fidelia-Chors bei einem ihrer Auftritte. © Foto: Margot Jansen


"Ännchen von Tharau ist‘s, die mir gefällt. Sie ist mein Reichtum, mein Gut und mein Geld..." Wenn der Männergesangverein "Liederkranz Frohsinn" in Pommersfelden-Limbach das alte Volkslied anstimmt, dann ehren die Herrschaften meistens ein Mitglied zum runden Geburtstag oder sie treten zum Jubiläum eines Nachbarvereins an. An das besungene Monetäre wird kein Gedanke verschwendet.

Wie auch, bei 18 aktiven Mitgliedern und fünf Passiven, die zwei Euro Beitrag im Monat bezahlen. Da bleibt nichts am Jahresende, wenn der Betrag an den Sängerbund abgeführt, Notenmaterial und Dirigent bezahlt sind.

"Zum Glück dürfen wir das Sportlerheim vom SV Pommersfelden umsonst für die Proben nutzen", ist Vorstand und Dirigent Thomas Becher vom "Liederkranz" froh. Mit 47 Jahren ist der Architekt, der die Musik als Hobby betreibt, mit Abstand der Jüngste im "Liederkranz". Seine Sänger sind um die 60 im Durchschnitt, der älteste aktive Herr ist 84 Jahre alt. "In ländlichen Gesangvereinen geht es um den Erhalt der Gemeinschaft", sagen auch Thomas Bechers Kollegen von Singgemeinschaften aus benachbarten Dörfern.

Nichts zu versteuern

"Der Finanzhof blickt auf die Möglichkeit der Besteuerung", sagt Manfred Hahn, Vorstand vom "Männergesangverein Zentbechhofen". Auch diese Sänger machen einzig ehrenamtlich den Mund auf: "Zu versteuern ist bei 12 Euro Jahresbeitrag nichts", so Hahn. "Wenn die Miete für den Probenraum bezahlt ist, das Geld an Fränkischen Sängerbund und an den Chorleiter überwiesen ist, sind alle froh, wenn die roten Zahlen umschifft sind". Hahn wirbt immerzu um neue Mitglieder, um aus den Sorgen herauszukommen, denn "Singen ist Balsam für die Seele", hat er erfahren.

Das sieht auch Rainer Dippold, Vorsitzender vom "Liederkranz Sambach" (OT Pommersfelden) so. Für 8 Euro Jahresbeitrag mühen sich etwa 50 aktive Mitglieder ums Repertoire.

"Herr, Du schufst das Frankenland", eine fränkische Liedermesse von Erhard Nowak wurde dort am 13. August angestimmt, verstärkt von den Bläsern des Collegium Musicums. Das sind Brocken, die der "Liederkranz" erst einmal zu verkraften habe. Und selbstverständlich habe der "Liederkranz" auch 14 Damen in seiner Gemeinschaft, die singen im gemischten Chor mit.

Dabei kämpfen sie alle und überall aus Gründen der Überalterung ums Überleben ihrer Gemeinschaften. "Viele machen aus der Not eine Tugend und schließen sich zusammen", beobachteten sowohl Rainer Dippold als auch Thomas Becher. So ging zum Beispiel der Frauenchor "Mirjam" Pommersfelden aus Mangel an Nachwuchs in den Frauenchor "Antonia" in Sambach ein.

Die "Fidelia" Münchaurach, ein Männergesangverein, der sein Repertoire längst um Gospelsongs erweitert hat, machte mit rund 80 Mitgliedern, die im Schnitt auch schon längst über 60 Jahre sind, die Erfahrung, dass alte Satzungen dringend der Modernisierung bedürfen. "Unsere Satzung besagt, dass Mitglieder über 65 zu beitragsfreien Ehrenmitgliedern zu ernennen sind", erzählt Vorstand Manfred Bock. Damit wird es finanziell eng und die "Fidelia" ist mehr und mehr auf Spenden angewiesen.

Den Frohsinn hat der Pommersfeldener Männergesangverein im Namen. Ob des Nachwuchses im Chor vergeht dem Verein freilich derselbe. Dass der Bundesfinanzhof mit höheren Steuern droht, ist da egal. Man hat nichts zu versteuern. © F.: privat


Größte Sorge von Rainer Dippold, dem Sambacher Vorstand, der im Brotberuf in Sachen Biogas- und Solarkraftwerke in der Firma Niersberger in Erlangen arbeitet, ist der mundfaule Nachwuchs. "Die jungen Leute wollen vom Singen nichts mehr wissen, die ziehen doch jede Fußballübertragung der Singprobe vor", beklagt Dippold das Desinteresse am traditionellen Kulturgut.

Chöre mit großen Ansprüchen, in denen vom Blatt gesungen wird, haben mehr Zulauf. Thomas Becher bestätigt, dass der Unichor in Erlangen keine Probleme hat, neue Mitglieder zu werben. "Studenten waren oft schon in ihren Heimatstädten im Chor aktiv, dann gehen sie hier natürlich wieder singen", hat Becher erfahren. Außerdem hätten die Erlanger ein modernes Repertoire, das zieht einfach mehr, als "Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn". 

URSULA PERSAK

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