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Freitag, 21.09.2018

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Trauer um «Karl den Kleinen»

Künstler Karl Rösing starb 93-jährig am Donnerstag in Herzogenaurach - 19.08.2008

Karl Rösing war bis ins hohe Alter künstlerisch tätig. Noch mit 91 arbeitete er regelmäßig in seinem Atelier in Reuth. © Rainer Groh


«Das ganze Leben ist doch Humor», war ein Wahlspruch des Malers, Zeichners und Plastikers, der sich selbst - selbstbewusst wie selbstironisch - «Karl der Kleine» nannte. Das Lachen ist ihm nie vergangen, auch in den letzten Jahren nicht, als es still um ihn geworden war und kaum noch jemand seine Kunstwerke kaufen mochte.

Noch mit über 90 Jahren hat Rösing in seinem Atelier im Kellergeschoss des von ihm selbst geplanten Hauses im Weisendorfer Ortsteil Reuth gearbeitet, versucht, mit Zeichnungen wieder auf den Kunstmarkt zu kommen.

In früheren Jahren hatte er mit seinen Werken durchaus für Aufsehen gesorgt. Man denke nur an all die Florians-Bilder an zahlreichen Feuerwehrhäusern von Kairlindach über Hesselberg bis Buch. Er verewigte jeweils bekannte Persönlichkeiten des Dorfs als Feuerwehr-Patron.

Und so kam es, dass mit dem Portrait des einstigen Weisendorfer Bürgermeisters Michael «Ossi» Trescher der wohl einzige brillentragende Florian an einem Feuerwehrhaus für teils heftige Reaktionen sorgte.

Auseinandersetzungen über Kunst und Gestaltung ist Rösing nie ausgewichen, hat sich in öffentliche Diskussionen eingemischt - mit 60 Jahren Schaffens-Erfahrung aber nie ohne Heiterkeit.

Den heiteren Zugang zu den Dingen und eine ausgesprochen hoheitskritische Einstellung hat sich «Karl der Kleine» bis in die letzte Lebensphase bewahrt. Der in Westfalen geborene Sohn einer Herzogenauracher Mutter und eines Mecklenburger Vaters hat in Berlin die Künstler-Laufbahn begonnen - als «wilder Schmierer», wie er einmal selbst über seine später abgelehnte abstrakte Phase bemerkte.

Jahrelang machte er in Zusammenarbeit mit einem hiesigen Architekten Kunst am Bau. Rösing-Werke sind an der Lonnerstadter wie an der Eltersdorfer Schule zu sehen.

Quasi als «Hauskünstler» arbeitete er für die Firma Puma, als sie noch Rudolf Dasslers Familienunternehmen war. Im Herzogenauracher «Mäuseturm» war jahrzehntelang Rösings Atelier und Ausstellungsraum.

Der einstige Boxer («15 öffentliche Kämpfe im Fliegen- und im Bantamgewicht damals in Berlin») hat nach mehreren schmerzerfüllten Wochen den Kampf gegen den Krebs aufgeben müssen - einen Tag vor dem 51. Hochzeitstag. Feiern mochte er nie, sagt Hilde Rösing, seine Witwe. 

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