Montag, 12.11.2018

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TSV Schlüsselfeld: Die Rückkehr des Fußball-Rentners

Unter Aushilfstrainer Rene Finnemann bleibt der TSV Kreisligist - 22.05.2018 06:57 Uhr

Zur Belohnung ein Bier: Mit vier Siegen in vier Spielen und einer Torbilanz von 13:1 haben die Fußballer des TSV Schlüsselfeld sich den Klassenerhalt zum Saisonende gesichert. © Foto: Edgar Pfrogner


Es ist ein paar Wochen her, da stand plötzlich der Vorstand des TSV Schlüsselfeld im Hof von Rene Finnemann. Finnemann, muss man wissen, ist seit seinem Karriereende 2006 eigentlich ein Fußball-Rentner, wenn auch mit 33 Jahren ein vergleichsweise junger. Aber Jürgen Hofmann, der Abteilungsleiter des TSV, hatte ein dringendes Anliegen. Es stehe schlecht um den Verein, erzählte er ihm, der Abstieg aus der Kreisliga drohe. Ob er sich nicht vorstellen könne, als Trainer auszuhelfen?

Rene Finnemann besitzt zwar keinen Schäferhund namens "Cando" wie Jupp Heynckes, der in dieser Saison wieder aktivierte Bayern-Trainer. Aber er hat kleine Kinder und will die Zeit mit ihnen eigentlich genießen.

Doch weil Finnemann ein alter Schlüsselfelder ist, kann er auch nicht Nein sagen. Drei Wochen später sieht die Lage so aus: Unter dem Aushilfstrainer hat der TSV alle drei Partien gewonnen, es genügt am letzten Spieltag ein Sieg zuhause gegen die SpVgg Rattelsdorf für den Klassenerhalt.

Trotzdem traut Jürgen Hofmann dem Braten noch nicht so ganz. Der Abteilungsleiter sitzt am Samstagnachmittag vor dem Vereinsheim und sagt: "Hoffen wir mal, dass wir nach dem Spiel feiern können." Der Sportplatz liegt idyllisch am Ortsrand. Wenn die Spieler von ihren Kabinen zum Rasen laufen, überqueren sie auf einem kleinen Steg am Bratwurststand vorbei die Reiche Ebrach, die mitten durchs Vereinsgelände fließt.

Nicht wie ein Abstiegskandidat

Zuletzt waren das nicht immer alle Spieler. Wie viele Kreisligisten kämpft der TSV Schlüsselfeld mit der Trainingsbeteiligung, mit Urlauben und Krankheiten, die einen Verein mit kleinem Kader hart treffen. Doch in den vergangenen Wochen hat Rene Finnemann alle gesunden Spieler um sich versammeln können.

Auch gegen Rattelsdorf läuft der TSV fast in Bestbesetzung auf. Und spielt nicht wie ein Abstiegskandidat. Schon nach zwei Minuten staubt der einzige Stürmer Marcus Finnemann einen abgewehrten Ball zum 1:0 ab. Fünf Minuten später verschießt TSV-Kapitän Christopher Enk einen Foulelfmeter, nach 14 Minuten steht es trotzdem 2:0, wieder Flanke Hofmann und wieder Tor Marcus Finnemann.

Rattelsdorf kommt nicht ins Spiel, der Torwart schimpft: "Wir sind alle zu langsam, wir schlafen bei jedem Ball." Immer wieder schaffen es vor allem die beiden defensiven Mittelfeldspieler des TSV, Florian Kraus und Marcel Finnemann, die Linien der SpVgg mit schönen Pässen zu überspielen. Das 3:0 erzielt Kraus mit einem Schlenzer selbst (30.), zehn Minuten später bleibt Alexander Hofmann vor dem Torwart cool und überlupft ihn zum 4:0 (40.).

Nach so einer spektakulären Halbzeit gönnen sich beide Teams nach der Pause etwas Sommerfußball. "Wir haben keine Bewegung, Leute", bemängelt Rene Finnemann an der Seitenlinie. Doch es bleibt beim 4:0. Wie wichtig das ist, zeigen die anderen Ergebnisse. Tabellenführer Buttenheim verliert gegen Tütschengereuth, im Fall einer Niederlage wäre Schlüsselfeld in die Relegation gerutscht.

Der Trainer macht es vor: TSV-Coach Rene Finnemann. © Foto: Edgar Pfrogner


In der kommenden Saison wird sich einiges ändern beim TSV: Rene Finnemann wird seinen Aushilfsjob wieder an den Nagel hängen. "Jetzt ist es rum. Definitiv rum", sagt er: "In ein paar Jahren ist es sicherlich mein Anspruch, Trainer zu sein, aber erst mal nicht."

Mit den Spielertrainern Heiko Pfeiffer und Florian Gräf hat der TSV hochkarätigen Ersatz aus der Bezirksliga vom SC Adelsdorf verpflichtet. Sie werden nicht mehr den TSV allein, sondern eine Spielgemeinschaft trainieren.

Die SG kommt

Denn vor einigen Wochen hat man sowohl beim TSV Schlüsselfeld als auch beim benachbarten TSV Aschbach entschieden, dass es so nicht weitergehen kann. Es fehlt an Spielern, auch nach dieser Saison werden einige aufhören. "Wir müssen versuchen, das Niveau zu halten, dass keiner von den Guten abwandert, sagt Jürgen Hofmann. Also werden die einstigen Rivalen in der kommenden Saison eine Spielgemeinschaft bilden. Die erste Mannschaft soll in der Kreisliga spielen, die zweite in der Kreisklasse. Der FV Elsendorf hat ebenfalls Interesse angemeldet, dazuzustoßen.

"Vielleicht wäre es noch ein, zwei Jahre gut gegangen. Aber mir ist es lieber, wir machen es jetzt, als wenn es zu spät ist", sagt Jürgen Hofmann. Zu einem eigenen Verein fusionieren werden die Fußballabteilungen vorläufig aber nicht. Allerdings hätte eine Spielgemeinschaft kein Aufstiegsrecht in die Bezirksliga. Möglich also, dass so ein Schritt noch kommt. Erst einmal abwarten, ob man einen guten Kader zusammenbekommt, sagt Hofmann. Und falls er doch noch einmal einen Retter brauchen sollte, weiß er ja jetzt, wo er einen findet.

 

TSV: Leisgang; P. Hofmann, Rzedkowski, Enk, Lechner – Kraus, Marcel Finnemann – Messingschlager (54. Brodmerkel), Gerber (71. Zink), A. Hofmann – Marcus Finnemann (83. Gerber). 

Alexander Pfaehler E-Mail

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