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Am Wochenende war der Nürnberger Kabarettist erneut vor Ort. Auch diesmal wagte er sich auf ein schwieriges Terrain: Im aktuellen Programm „Alles eine Frage der Antwort“ begibt sich der Erfinder und Hausherr der Radio- „Metzgerei Boggnsagg“ auf Orientierungssuche.
Das Leben ist kompliziert geworden, nix ist mehr wie es war. Da gibt es die einen, die breit grinsend mit dem Zeitgeist auf der Erfolgswelle schwimmen. Und da gibt es die anderen, die den Anschluss verpasst haben und sich mürrisch durchs Leben granteln. Zu denen gehört Regenauer. Wo er hinschaut, ist die Welt aus den Fugen: „Kaputte Ehen, Patchwork, Burnout – das sind Kollateralschäden“. Das Glas ist immer halbleer. Regenauer findet nachts keine Ruhe, weil entweder die Frau schnarcht oder ihn die Angst, dass sie gleich zu schnarchen anfängt, wach hält.
Um ihn herum lauter Unsympathen: Der Kollege von der Zunft, der als „angepasstes Arschloch dem Publikum hinterher rennt“. Der Klaus Dieter, der sich Key-Diii nennt und via „twitter, facebook, online und digital“ ständig präsent sein will. Der bei der Geburt seiner Tochter per YouTube alle zusehen lässt und 150 Freunde auf Facebook hat.
Regenauer möchte am liebsten „sein Profil bearbeiten“ und ballt dabei die Faust. In seinem Rundumschlag trifft er SUV-Fahrer, „All-You-Can-Drink“-Urlauber, Alfons Schubeck samt „tonnenweise Ingwer“, Fitness-Protze und die Post und die Bahn sowieso. Wie bloß findet man da zu sich?
Fragen über Fragen und nirgendwo Antworten. Auch der sächselnde Verkäufer im Elektro-Großmarkt, der fünf Kunden gleichzeitig am Hals hat, kann keine Orientierung liefern. „Soll ich Töpfern, Segeln, Meerschweinchen zu Tode pflegen oder doch lieber Golf spielen?“
Sinnsucher Regenauer begibt sich stattdessen in die ländliche Idylle der Oberpfalz, wo selbst ein Suizid noch „was Stimmiges“ hat. Mit verklärtem Gesicht schwärmt der Wahl-Nürnberger - diesmal auf hochdeutsch – über den authentischen Landgasthof, wo es in den Toiletten noch streng riecht und auf dem Tisch die Reste vom Vorgänger kleben. Selbst hier ist man nicht sicher vor „den Jüngern des Dow Jones“, die „keine Antworten, sondern Statements“ liefern.
Zum Schluss gibt’s Bob Dylans „Blowin´ In The Wind“, von dem E-Piano spielenden Regenauer umgetextet. Auch er bleibt die Antwort schuldig und setzt seiner Vorstellung ein abruptes Ende: Exakt an der Textstelle „the answer, my friend…“ schaltet er Licht und Ton ab. Noch Fragen?
