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Dienstag, 18.09.2018

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Weisendorf: Stolz auf erste Inklusionsklasse des Kreises

"Lohnendes Wagnis für beide Schulen": Behinderte und nichtbehinderte Kinder aus Herzogenaurach und Weisendorf lernten ein Jahr zusammen - 27.07.2018 16:13 Uhr

Um das gelungene Inklusionsprojekt der Klasse 2 c in der Grundschule G 1 in Weisendorf zu feiern wurde in Anwesenheit von Schülern, Lehrern, Mandatsträgern und Firmenvertretern eine Süßkirsche in den Schulgarten gepflanzt. Schulleiterin Petra Pausch (r.), Landrat Alexander Tritthart (Mitte l.) und Karl-Heinz Hertlein, 2. Bürgermeister von Weisendorf (Mitte r.) lobten den Mut von Lehrkräften, Betreuern und Eltern. © Fotos: Edith Kern-Miereisz (2)


"Wie dürfen wir schimpfen?" fragten sich die Lehrkräfte am Anfang. Durften sie die sechs geistig behinderten Kinder der Wilhelm-Pfeffer-Schule genauso ermahnen wie andere Kinder?

"Das hat sich dann aber ganz schnell geändert", blickte Kaya Leipold, eine der Lehrerinnen, zurück: "Alle wurden gleich behandelt."

Lehr- und Fachkräfte, die die inklusive neue Form des Lernens in einer Partnerklasse ein Jahr lang ausprobierten und erlebten, waren gekommen.

Die sechs Förderschüler der Wilhelm-Pfeffer-Schule, die 20 Kinder der 2 c der Grundschule 1, die mit ihnen gemeinsam ein Jahr gelernt haben, waren da.

Schulleiterin Petra Pausch, der stellvertretende Schulleiter der Wilhelm-Pfeffer-Schule, Dominik Reicherzer, die Klassenlehrerin Nathalie Voran für die Inklusionskinder und Regina Lehninger für die Grundschulkinder sowie weitere am Projekt Beteiligte wie auch die Pflegekraft Doris Wirth.

Außerdem waren die Elternklassensprecher Simone Morina und Meike Roberts zugegen, Landrat Alexander Tritthart, Weisendorfs 2. Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein, Vertreter des Obst- und Gartenbauvereins, die Firmenvertreter von Messebau Rehorst in Weisendorf und Christian Brehm von der Firma Peter Brehm Medizintechnik, die Kuverts dabei hatten.

Sie alle unterstrichen durch ihre Anwesenheit, wie besonders dieses Schuljahr in der 2 c gewesen war.

Eine lange Suche hatte sich an die Projektidee angeschlossen – wer würde ein solch komplexes Vorhaben schultern wollen? Immerhin sollten Zweitklässler zusammen mit Förderschülern, die geistig behindert sind, gemeinsam lernen. "Es war ein Wagnis für beide Schulen", blickte Dominik Reicherzer zurück.

Neue Formen des Lernens wurden gefunden, um voneinander zu profitieren. In Fächern wie Heimat/Sachunterricht, Kunst und Sport, Werken/Gestalten, Religion, Musik, absolvierte die Lerngruppe zwölf gemeinsame Unterrichtsstunden.

In Mathematik und Deutsch gab es eine kleine Lerngruppe mit sechs Förderschülern, in der Bilder, Gebärden oder ein Sprachausgabegerät "Talker" eingesetzt wurde. Kinder der kleinen Lerngruppe können teils nicht richtig sprechen oder lesen. In einer großen Lerngruppe waren die anderen Grundschüler zusammen. Im gemeinsamen Klassenzimmer hat jeder Förderschüler einen festen Sitzpartner, der im Unterricht hilft.

Die Partnerklasse zeigte, dass die Förderschüler oftmals den anderen nacheiferten. Die Regelschüler bewältigten hingegen oft soziale Hemmnisse, als sie sahen, wie einfach es manchmal ist, jemanden zu trösten, indem er gestreichelt oder getätschelt wird.

Im Wortsinn wurden Berührungsängste abgebaut, Toleranz aufgebaut. Bei der Ausstattung half auch die Regierung von Mittelfranken mit Kooperationsmitteln. Nathalie Voran, die mit ihrer dann 3. Klasse die Vorreiterrolle übernommen hatte, bleibt auch im kommenden Schuljahr. Eine weitere Lehrerin, Eva Barnikel wird die neue Klasse betreuen. Die Lehrerinnen, die das Experiment der Integrationsklasse gewagt hatten, schauten glücklich auf die bestandene Herausforderung.

Schulleiterin Petra Pausch stellte fest: "Es wurden hier Grundlagen geschaffen" und mit Blick auf den Kirschbaum, der schließlich gemeinsam gesetzt wurde: "Eine Frucht gesetzt." Landrat Alexander Tritthart bekundete als ehemaliger Weisendorfer Bürgermeister seine hohe Anerkennung, dass dieses Pilotprojekt, das mit "viel Zeit verbunden ist", gemeistert wurde. "Für ein Eis" hatte er "Geldscheine dabei." Er sei "unwahrscheinlich stolz auf die Eltern, die den Mut hatten, dieses Projekt mitzumachen", fasste der stellvertretende Schulleiter der Wilhelm-Pfeffer-Schule zusammen. Als Zeichen des "allergrößten Respekts und Dank" überreichte Dominik Reicherzer der Klassenlehrerin Regina Lehninger einen Rosenbusch. Auch die Firmenvertreter äußerten großen Respekt vor der Leistung und sprachen die Hoffnung aus, dass künftig weitere Inklusionsprojekte folgen mögen. Schließlich halfen die Schüler Nina und Julius als Erste, die Kirsche einzuschaufeln. Am Ende wollten alle Kinder mitmachen, dem Baum ein neues Umfeld zu geben. Ein starkes Symbol. 

EDITH KERN-MIEREISZ

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