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Weltklasse wechselt von Herzogenaurach nach Paris

Der adidas-Konzern sucht für sein Leichtathletik-Meeting die internationale Bühne — Wehmut beim LAC Quelle Fürth - 23.12.2016 14:30 Uhr

Auf Wiedersehen, Herzogenaurach! Yohan Blake, der zweitschnellste Mann der Welt, klatscht hier die Fans am Adi-Dassler-Sportplatz ab.

Auf Wiedersehen, Herzogenaurach! Yohan Blake, der zweitschnellste Mann der Welt, klatscht hier die Fans am Adi-Dassler-Sportplatz ab. © Foto: Wolfgang Zink


„Wir hätten das sehr gerne weitergemacht“, gesteht Werner Kaminski, der Vorsitzende des Leichtathletik-Centrums in der Kleeblattstadt. „Die Veranstaltung ist von beiden Seiten bestens beurteilt worden, aber bei adidas hatte man offenbar andere Ziele.“

Dazu passt auch die offizielle Stellungnahme von adidas-Sprecher Oliver Brüggen: „Gemeinsam mit unserem Partner LAC Quelle Fürth blicken wir auf eine sehr erfolgreiche Veranstaltung zurück. Als internationale Marke werden wir das Meeting im nächsten Jahr voraussichtlich in Paris wiederholen. Das Konzept wird aktuell erarbeitet. Die gesammelten Erfahrungen der Premiere in Herzogenaurach sind hierbei sehr hilfreich."

„Nur das Istaf war besser“

Drei Weltjahresbestleistungen waren die Highlights bei der Premiere der reinen Laufsportveranstaltung auf der konzerneigenen Sportanlage (mit einer Stabhochsprung-Einlage vor dem adidas Outlet), und Kaminski gerät noch immer ins Schwärmen: „Außer dem Istaf in Berlin gab es in Deutschland 2016 kein Meeting, das von der Besetzung her besser war.“

Der Aufwand für den Verein am Pfingstwochenende war allerdings groß, wie der LAC-Chef zugibt, er sei aber auch vom Auftraggeber ordentlich vergütet worden. „Und wenn wir als LAC so eine Veranstaltung machen, bringen wir natürlich viel Expertenwissen ein und wollen da etwas auf die Beine stellen, das Hand und Fuß hat.“

In die gleiche Kerbe schlägt Sport-Beirat Bertram Böhm, der im Verein organisatorisch für das Event zuständig war: „Wir hatten nicht nur an den drei Wettkampftagen 120 ehrenamtliche Helfer im Einsatz, sondern haben auch ein Sportfest auf die Beine gestellt, das es so in Deutschland noch nicht gegeben hat.“ Denn adidas habe sich zwar um die internationalen Stars wie den zweitschnellsten Sprinter der Welt, Yohan Blake, gekümmert, das LAC habe aber viele eigene Ideen eingebracht.

So mussten die Teilnehmer – das ist sonst unvorstellbar – nicht nur kein Startgeld zahlen, sondern bekamen ab drei Startern pro Verein sogar Fahrtkosten bezahlt. Prämien gab es nicht nur für die Profis, sondern auch für Sieger der B-, C- und D-Läufe. „Keine großen Summen, aber es war ein schöner Anreiz, der bei fast allen Teilnehmern hervorragend angekommen ist“, so Böhm, dem die Mischung aus Weltklasse und Jedermann-Sportfest mit riesigen Starterfeldern beim Boost Athletics Meeting am besten gefallen hatte.

Die Zuschauerzahl sei durchaus noch „steigerungsfähig“ gewesen, da sind sich Kaminski und Böhm einig, doch für eine nicht allzu groß beworbene Premiere sei das durchaus ordentlich gewesen. Und international habe das Meeting durch einen Livestream mit englischem Text weltweit große Resonanz erfahren – dank Weltklasseleistungen in einer vorher eher unbekannten „Arena“.

Für eine zweite Auflage hätte man noch Neuerungen in petto gehabt – beispielsweise einen Straßenlauf aus der Herzogenauracher Innenstadt zum Adi-Dassler-Sportplatz.

Dazu kommt es – zumindest vorerst – nicht mehr. Bertram Böhm hat auch eine Vermutung, weshalb. Der letztjährige Initiator von Firmenseite, Mike McManus, habe adidas inzwischen verlassen, sein Nachfolger bei adidas Running sei Franzose. Da liege es nahe, dass dieser andere Schwerpunkte setze. Den neuen Standort Paris sieht Böhm kritisch: „Da gibt es ja schon ein großes Meeting. Wenn adidas in dieser Weltstadt auffallen will, müsste man da schon etwas Spektakuläres aufziehen.“

Würde der Konzern für eine Veranstaltung wie die Herzogenauracher eine Agentur beauftragen, würde das wohl 150 000 Euro kosten, schätzt Böhm, der auch durchgerechnet hat, was so ein Event seinen Verein kosten würde: Ohne die internationalen Asse rund 50 000 Euro. Das könne das LAC ohne einen Sponsor niemals leisten.

Dennoch ist er dankbar für die Erfahrung im Mai 2016: „Diese Veranstaltung hat uns als Verein gut getan. Wir haben zusammen etwas Großes angepackt und das miteinander auch gut gestemmt.“  

HOLGER PETER

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