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„Mir gefällt der Begriff ,Tierpsychologin‘ eigentlich nicht so gut. Ich spreche lieber von ,Tiercoaching‘“, sagt Barbara Reed. Die 51-Jährige wird nämlich immer dann zu Hilfe gerufen, wenn ein Hunde- oder Pferdehalter Probleme mit seinem Tier hat. „Und dann vermittle ich quasi zwischen Mensch und Tier, deshalb passt ,Coaching‘ einfach besser.“ Offiziell jedoch hat Reed ein Fernstudium zur Tierpsychologin absolviert.
Aufgewachsen ist Barbara Reed in Herzogenaurach, 1972 zog sie mit ihren Pflegeeltern nach Falkendorf. Nach der Realschule hat sie ein Jahr Hauswirtschaft gelernt. „Aber ich wollte schon immer lieber was mit Tieren machen“, erzählt sie. Deshalb absolvierte sie die Ausbildung zur Tierwirtin auf einem Hof in Münchaurach, setzte später auch noch den Meister drauf und kann sich heute Tierwirtschaftsmeisterin nennen. Bis 1990 arbeitete Reed auf diesem Hof, doch als sich dort ein Umschwung abzeichnete, die Nachfolge nicht wirklich geklärt war, kam ihr wieder ihre Hauswirtschaft zugute: Barbara Reed fand eine Anstellung in der Gastronomie, leitete dann die Caféteria in der Autobahn-Raststätte Aurach-Süd.
Ein persönlicher Umbruch im Jahr 2009 änderte dann noch einmal alles. Barbara Reed wollte zurück zu ihren „Wurzeln“, also wieder ihren Traum leben, mit Tieren zu arbeiten. Im Fernstudium an der schweizerischen „Akademie für Tiernaturheilkunde“ komplettierte sie ihr schon vorhandenes Wissen und legte die Prüfungen zur Tierpsychologin für Hund und Pferd erfolgreich ab. Fortbildungen im „Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer“ gehören für sie auch künftig dazu. „Forschung und Wissen entwickeln sich ständig weiter, da darf man selbst nicht stehen bleiben.“
Wenn sich heute Kunden an Barbara Reed wenden, besucht sie diese zu Hause. Denn mit dem Tier sollte man vor Ort, in dessen gewohnter Umgebung arbeiten, so Reed. Zuerst überlege man, wo die Ursache für unerwünschtes Verhalten liege, dann könne man etwas dagegen tun.
Ein Problem beim Hund kann zum Beispiel die Rangordnung sein: Ein Hund, der das Herrchen als Rudelführer anerkennt, nimmt von der Frau oder den Kindern keine Befehle an. „Das darf nicht sein, der Hund muss einsehen, dass er ganz hinten steht“, sagt Reed. Wie aber solle er das lernen, wenn der Mann beim Heimkommen zuerst den Hund freudig begrüße und erst danach seine Ehefrau? „Das lässt sich aber mit Ausdauer und Konsequenz lösen, dann kapiert der Hund schnell, wo sein Platz ist.“
Ähnlich ist es bei Problemfällen wie beispielsweise: Der Hund knurrt, wenn man ihm den Futternapf wegnimmt; oder er bellt, wenn es an der Haustür klingelt, und lässt sich, wenn dann Besuch hereinkommt, nur schwer wieder beruhigen. „Letzteres ist Aufmerksamkeit forderndes Verhalten, aber natürlich auch unerwünschtes Verhalten. Das lässt sich beheben — je eher desto besser. Wenn es erst zur Manie geworden ist, könnte es zu spät sein“, sagt die Tierpsychologin. Und: „Natürlich muss der Halter auch mitarbeiten und die Ratschläge konsequent umsetzen.“ Hundehalter neigten oft dazu, ihren Hund zu vermenschlichen, aber „es ist und bleibt ein Tier“. Also: kurze, klare Befehle, es nützt nichts, dem Hund etwas „erklären“ zu wollen. Dennoch habe aber natürlich jeder Hund eine eigene Persönlichkeit. „Ich muss mit einem Pinscher ganz anders arbeiten als mit einem Golden Retriever.“ Gleiches gilt übrigens bei den Pferden.
„Verhaltensauffälligkeiten bei Tieren haben immer einen Hintergrund“, ist sich Barbara Reed sicher. Die liegen aber beileibe nicht nur am Verhalten des Menschen. „Ein Pferd zum Beispiel kann auch bocken, wenn die Ausrüstung nicht passt, also vielleicht der Sattel drückt.“ Oder aber es stecke eine Krankheit hinter dem Fehlverhalten. Das müsse dann ein Tierarzt klären. „Ich stelle keine Diagnosen, ich gebe nur Anregungen“, betont die Tierpsychologin.
Die Nachfrage ist zwar da, trotzdem würde sich Barbara Reed noch mehr Kunden wünschen. „Ich glaube, viele haben noch Berührungsängste, da ist eine Hemmschwelle, einen ,Tierpsychologe‘ zu konsultieren“, meint sie. Dabei erhöhe es die Lebensqualität ungemein, wenn das Miteinander von Mensch und Tier reibungslos funktioniere. „Und wenn nach meiner Beratung alles wieder glatt läuft, dann ist das für mich auch sehr erfüllend“, so Reed. „Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich habe genau die richtige Entscheidung getroffen, auch wenn es ein Wagnis war, mit 50 noch einmal neu anzufangen.“
Wer Kontakt mit Barbara Reed aufnehmen möchte: Tel. (09132) 63598 oder (0178) 6049363; www.tier-coaching.de
