Wenn der Traumjob durch die Hintertür kommt

14.11.2014, 17:07 Uhr
Wenn der Traumjob durch die Hintertür kommt

© Berny Meyer

Judith Kropfeld stammt aus Röttenbach im Landkreis Erlangen-Höchstadt und „baute“ in Erlangen ihr Abitur „im letzten G 9-Jahrgang“, erzählt sie lächelnd.

Wie viele junge Menschen ihres Alters war Judith vor dem Abitur eine Weile unentschlossen, wie es weiter gehen sollte. Die „Familientradition“ der Arbeit im Dentalbereich wollte sie nicht unbedingt fortführen.

Nachdem sie allerdings den Betrieb eines Zahnlabors „von innen“ kennengelernt hatte, änderte sie ihre Meinung. „So detailreiches Getüftel und Bastelei, halt das Handwerkliche, hat mir schon früher großen Spaß gemacht“, verrät Judith Kropfeld, die vor Weihnachten nicht nur Strohsterne für den Baum herstellt, sondern sich die Infrastruktur des Zahnlabors zunutze macht und hier auch Schmuck für ihre Lieben produziert, „sofern ich dafür Zeit habe.“

An der nötigen Muße könnte es allerdings tatsächlich mangeln, denn Judith Kropfelds Terminkalender erscheint ausgesprochen gut gefüllt: Drei Tage in der Woche arbeitet sie in Forchheim für „Dietzel und Rösch“ und hat sich hier den guten Ruf einer „ausgesprochen fleißigen und selbstständig denkenden jungen Frau“ erworben, wie ihr Chef Karl Rösch lobt. Zwei Tage wöchentlich schnuppert sie bei ihrer Mutter, die eine Zahnarztpraxis in Röttenbach hat, in das Tätigkeitsfeld einer Zahnarzt-Helferin hinein. „Dabei zu sein, wenn die Zahnprothesen, die man selbst gemacht hat, eingepasst werden, ist nicht das Schlechteste“, meint Judith.

Anfang des Jahres hat die junge Frau die Gesellenprüfung abgelegt — und wollte danach „mal was anderes machen“. Aus dem Plan wurde ein kleines Abenteuer, denn Judith Kropfeld verbrachte per Vermittlung der „Ärzte ohne Grenzen“ fünf Wochen in der Clínica Misional „Nuestra Señora de Guadalupe“ (Ecuador) und stellte dort Zahnersatz her. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, da wieder hinzugehen“, resümiert sie rückblickend. „Wie eine große Familie“ sei das Team in Südamerika gewesen, die Einheimischen „meganett“. Gerade weil das Krankenhaus „weitab vom Schuss“ war, habe sie sich nie unsicher gefühlt. „Man passt auf die eigenen Sachen besser auf, das reicht.“

Weil sie sich schon vor der Prüfung für den „Praktischen Leistungswettbewerb“ beworben hatte, kam Judith Kropfelds praktisches Gesellenstück auf den Prüfstand der Handwerkskammer. Am Wettbewerb auf Landesebene nahmen nur noch die Kammerbesten teil — und Judith wurde Landessiegerin. Auch im Bundeswettbewerb konnte sie punkten und wurde Anfang dieser Woche Siebte von 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Dass ich so weit komme, hätte ich selbst nicht gedacht“, kommentiert sie ihren Erfolg hörbar verblüfft.

„Sie gehören zur Elite“

Kürzlich wurde Judith von Oberfrankens Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer und Kreishandwerksmeister Werner Oppel an ihrem Arbeitsplatz in Forchheim besucht. Zimmer gratuliert nach eigenen Worten seit einigen Jahren allen Landessiegern persönlich. „Sie gehören zur Elite des oberfränkischen Handwerks“, schrieb er Judith Kropfeld fast euphorisch ins Stammbuch. Werner Oppel hatte einen Blumenstrauß dabei, in den vier (echte) 50-Euro-Scheine als „Blüten“ geflochten waren: eine Spende der Ludwig-Therese-Betz-Stiftung.

Damit sollen junge, talentierte Handwerker unterstützt werden. Auf Judith Kropfeld trifft dies wohl zu.

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