Mittwoch, 14.11.2018

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Wetter verzögert Ernte im Landkreis ERH

Bauernverband rechnet mit durchschnittlichen Erträgen — Getreide soll nach Regen auf Feldern abtrocknen - 06.08.2016 11:00 Uhr

Landwirt Rudolf Groß. © F.: fh


Eine Handvoll goldgelber Roggenähren hat der 55-jährige Rudolf Groß vor sich ausgebreitet. „Die habe ich erst heute früh geerntet.“ Mit seinen kräftigen Händen zerreibt der erfahrene Landwirt die Ähren, ein trockenes Rascheln ertönt. „Ich will nur die Körner, nicht die Sied.“ Er meint den Strohanteil, und pustet diesen weg.

Dann steckt er sich ein paar Roggenkörner in den Mund. „Zuerst der Bisstest.“ Danach kommt die Technik: Rudolf Groß füllt die nur wenige Millimeter langen Roggenkörner in eine Art metallene Handmühle. Durch das Gegeneinanderschieben der beiden Gefäßhälften werden die Körner zermahlen.

Groß testet beim solcherart entstandenen Roggenpulver mit seinem elektronischen Messkästchen den Feuchtigkeitsgehalt: Sekunden später zeigt das graue Display 17,6 Prozent an. „Nicht druschfähig“, ist der wenig überraschte Kommentar des Landwirtes. Die Feuchte dürfe nicht über 15 Prozent liegen.

Sein Sohn, Junglandwirt Stefan, lässt sich dazu nur ein lakonisches, leicht gedehntes „Naja“ entlocken. Ein derart feuchter Roggen müsste noch getrocknet werden, und das lohne sich dann überhaupt nicht mehr. Die Preisentwicklung sei ohnehin miserabel.

Jungbauer Stefan Groß sitzt bei der Ernte normalerweise am Steuer des Mähdreschers. An diesem Tag bleibt die Maschine aber in der Scheune.

Wenn es geregnet hat, müsse man in der Regel einen Tag warten, bis der Roggen auf den Feldern abgetrocknet sei. Auch dann dürfe nicht schon früh um 7 Uhr gemäht werden. Rudolf Groß weiß: Dann ist noch der Nachttau als Feuchtigkeitsschicht drauf.

Los geht es an Tagen wie diesen frühestens um 11 Uhr, oft aber auch erst nach dem Mittagessen um 13 Uhr. Der Sohn oben auf dem grünen Mähdrescher, der Vater bringt die Kipper mit Erntegut zur 25 Kilometer entfernten Mühle oder zur Zwischenlagerung auf den eigenen Hof.

Qualitätsmerkmal beim Roggen sei die sogenannte Fallzahl. Diese starte bei etwa 400, könne aber innerhalb von nur acht Tagen um die Hälfte fallen.

Ganz ungünstig sei bei erntereifem Getreide auch der ständige Wechsel von Regen und Sonnenschein. Rudolf Groß: „Das Getreide wird dann in der Keimruhe gestört und verliert seinen Nähstoffanteil.“

Dieses Gerät misst den Feuchtigkeitsgehalt von frisch geerntetem Roggen.


Im Gegensatz zu manchen Sonnenanbetern ist der nunmehr einzige Milchviehhalter aus dem Raum Weisendorf nicht vom durchwachsenen Sommer 2016 überrascht. Er verweist auf die alte Bauernregel: „Schaltjahr ist Kaltjahr.“

Im super-heißen Sommer des Vorjahres sei man um diese Zeit schon mit der kompletten Ernte fertig gewesen, nicht nur beim Roggen. Allerdings hätten sich die fehlenden Niederschläge auch auf die Erntequalität ausgewirkt.

Nachts auf den Acker

Heuer werde wahrscheinlich „alles auf einmal kommen“, dann müsse sogar nachts geerntet werden. Dafür bittet Groß die Bevölkerung um Verständnis.

In diesem Jahr hat es „zuviel Wasser im Juni gegeben“, erinnert sich der Kreisobmann des Bauernverbandes, Robert Ort. Zum Teil sei das Regenwasser sogar aus den Feldern herausgelaufen. Einen Pilzbefall der Ackerpflanzen gab es aber nicht. Dazu war die Niederschlagsmenge dann doch viel zu gering, sagt Ort, der ebenfalls ein passionierter Landwirt ist.

Für die Verkaufserlöse der Landwirte aus dem Landkreis seien längst ganz andere Faktoren entscheidend. Ort: „Wir haben globale Preise.“ Da falle sogar ins Gewicht, wie erfolgreich die Ernten in Nordamerika oder Russland ausgefallen seien. Russland habe zum Beispiel seine Exportsteuer für Weizen abgeschafft, um überschüssigen Weizen besser im Ausland verkaufen zu können.

Darüber macht sich Rudolf Groß nicht allzu viele Gedanken. Er erwartet für heuer eher durchschnittliche Ernteerträge. Und vertraut im übrigen auch auf den 100-jährigen Kalender: „Wir haben heuer ein Futterjahr.“ Das heißt nicht, dass jeder viel futtern soll. Vielmehr wachse das als Tierfutter bestens geeignete Grünzeug wie Klee, Gras oder Silomais besonders gut.

Von Ernte-Panik ist der Kairlindacher Bauer meilenweit entfernt. „Wir sind noch voll in der Zeit.“ Denn, und das ist seine allerletzte

Bauernregel: Nach einem eher durchwachsenen Sommer gebe es spätestens bei der Kirchweih am dritten Augustsonntag einen Wetterwechsel hin zu Schönwetter. 

FRANK HEIDLER

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