Montag, 25.03.2019

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Wichtiger Baustein für die Geschichte Höchstadts

Bei Grabungsarbeiten im Zuge der Hauptstraßensanierung kommen Fundamente des inneren Bamberger Tors ans Licht - 07.09.2016 06:00 Uhr

Hinter den quer zur Straße verlaufenden Resten der einstigen Stadtmauern sind in Fahrtrichtung zwei Steinblöcke mit glatter Kante zu sehen – es ist die Innenseite des einstigen Bamberger Tores. © Michael Müller


Dass bei den Sanierungsarbeiten in der Hauptstraße geschichtliche Funde zutage treten würden, ist für Karl Heinz Feuerlein keine Überraschung. Der Fachmann für Bodendenkmalpflege im Heimatverein Höchstadt hat als kleiner Bub im Jahr 1964 an dieser Stelle schon einmal auf historische Mauerreste geblickt. Damals maß er ihnen noch wenig Bedeutung bei – und auch die Tiefbauer vor 52 Jahren machten nicht viel Aufhebens um die alten Sandsteine und schütteten sie nach Verlegen des Kanals wieder zu.

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Grabungen in Höchstadt: Bamberger Tor taucht auf

Bei der Sanierung der Hauptstraße in Höchstadt wurde ein Teil der alten Stadtmauer freigelegt. Dabei stieß man auf das innere Bamberger Tor, dessen Lage sich jetzt erstmals genau bestimmen lässt.


Heute geht man akribischer vor, denn man ist sich der Tatsache wohl bewusst, mit der Altstadt ein einziges großes Bodendenkmal unter den Füßen zu haben. Das gibt nun Meter für Meter seine Schätze frei. Die Grabungsfirma ASF aus Hiltpoltstein kümmert sich im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege um die Auswertung der Funde.

Dreifach wird dokumentiert, was bisher ans Licht gekommen ist: Die alte Straßenpflasterung aus mächtigen Sandsteinblöcken wird genauestens vermessen und beschrieben, außerdem fotografiert und mit dokumentenechten Stiften skizziert, um die Farbnuancen der Steine und Erdschichten wiederzugeben. So könnte später exakt wieder nachgebildet werden, was jetzt nach erfolgter Auswertung der neuen Wasserleitung weichen muss.

Einem Moment hat Karl Heinz Feuerlein bereits entgegengefiebert: Im Straßenstück zwischen dem Biergarten des „Töpfla“ und „Optik Buchmann“ stießen die Grabungstechniker auf die Fundamente des inneren Bamberger Tors. Dass es ein solches Tor im zweiten Stadtmauerring geben musste, ist belegt. „1348 wird das Bamberger Tor erwähnt“, sagt Feuerlein. Doch dabei habe es sich mit Sicherheit noch nicht um das steinerne Bauwerk gehandelt, auf dessen Überreste die Fachleute jetzt gestoßen sind, sondern um einen älteren, vermutlich hölzernen Vorläufer.

Vom steinernen Bamberger Tor wusste man dagegen bis vor wenigen Tagen so gut wie nichts. Deshalb ist der Fund für Feuerlein ein echter Glücksfall. „Wir haben jetzt einen enormen Erkenntnisgewinn“, schwärmt er. Beispielsweise kann man nun mit Sicherheit sagen, dass das steinerne Bamberger Tor der Stadtmauer vorgelagert war. Auch seine Breite kennt man jetzt. Die lichte Weite zwischen den beiden glatt behauenen Innenseiten beträgt etwa fünf Meter — Platz genug also, um zwei Fuhrwerke nebeneinander passieren zu lassen. Nun wartet Karl Heinz Feuerlein gespannt auf den zweiten Bauabschnitt. Denn dort, wo der Platz Am Graben auf die Hauptstraße trifft, müsste seiner Ansicht nach die Frontmauer des Tores zutage kommen — und davor vielleicht sogar Elemente der Brücke, die den Graben einst überspannt haben muss.

Wann das steinerne Bamberger Tor erbaut wurde, können die Grabungstechniker derzeit allerdings nur grob schätzen. Die Schichtanbindung fehle, da der historische Untergrund der Hauptstraße nicht großflächig freigelegt werde, sondern nur der schmale Streifen, der für die Verlegung der Leitungen notwendig sei. Wichtige Indizien, die auf ein bestimmtes Baujahr hindeuten können, bleiben somit aus. Jedoch fanden Grabungstechniker eine Ofenkachel, einen Schleifstein und ein Hufeisen.

Die Lage des historischen Pflasters sagt allerdings schon viel aus: Es liegt rund zwei Meter unter dem heutigen Straßenniveau. Der Hauseingang des im Jahre 1723 erbauten „Töpfla“ ist schon wesentlich höher. Fazit: Der Bamberger Turm muss älter sein. Etwa 15. bis 16. Jahrhundert, wagt der Grabungstechniker der Firma ASF eine grobe Schätzung.

Dafür sprächen auch die geschichtlichen Grundlagen, pflichtet Karl Heinz Feuerlein bei. Ein massives steinernes Tor, für damalige Zeiten enorm teuer und aufwändig zu bauen, sei sicher erst nach der Ernennung des Bürgerrats im Jahr 1382 in Auftrag gegeben worden, schätzt er.

Die einmalige Gelegenheit, auf die historischen Mauern zu blicken, wird bald schon wieder vorbei sein. Die Bauarbeiten in der Hauptstraße sollen sich durch die Grabungs- und Dokumentationsarbeiten nämlich nicht verzögern. Bisher, so Feuerlein, klappe die Zusammenarbeit zwischen Baufirma, Grabungsunternehmen und dem Landesamt für Denkmalpflege hervorragend. Letzteres hat zur Auflage gemacht, auf welche Weise die alten Mauern wieder in den Dornröschenschlaf sinken dürfen: Zunächst werden sie mit einem speziellen Geovlies abgedeckt und anschließend unter einer Sand- und Schotterschicht konserviert, bevor die neuen Pflastersteine für die Hauptstraße aufgelegt werden.

Das innere Bamberger Tor soll im Stadtbild künftig lebendig bleiben, wünscht sich der Heimatverein. Glasplatten im Stil eines Schneewittchensargs kämen als Fahrbahnbelag jedoch zu teuer. Der Verein will nun kurzfristig Vorschläge für einen optischen Akzent im neuen Straßenpflaster ausarbeiten und dem Stadtrat präsentieren. Schließlich soll dieser wichtige Baustein in der Geschichte Höchstadts angemessen präsentiert werden. 

Silvia Schulte

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