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Wirbel schon vor Beginn der Ortskernsanierung

In Weisendorf: Ärger, Ängste und Verweigerung wegen mangelnder Vorabgespräche zu Abrissobjekten - 10.02. 16:19 Uhr

WEISENDORF  - Als die Marktgemeinde so schnell in die Städtebauförderung kam, war die Freude groß. Heute ist sie es nicht mehr – zumindest nicht bei etlichen von der Sanierung Betroffenen. Sie alle hätten vorab von den teils rigorosen Plänen zur Umgestaltung ihrer Immobilie informiert werden wollen, und zwar bevor Sanierungsziele und -vorschläge von Stadtplaner Thomas Rosemann von „Topos team“ öffentlich wurden; und nun in der Gemeinderatssitzung am kommenden Montag per Sanierungssatzung beschlossen werden sollen.

Die Ortskernsanierung in Weisendorf stößt nicht nur auf Zustimmung. Betroffene bemängeln fehlende Vorabgespräche.
Die Ortskernsanierung in Weisendorf stößt nicht nur auf Zustimmung. Betroffene bemängeln fehlende Vorabgespräche.
Foto: De Geare
Die Ortskernsanierung in Weisendorf stößt nicht nur auf Zustimmung. Betroffene bemängeln fehlende Vorabgespräche.
Die Ortskernsanierung in Weisendorf stößt nicht nur auf Zustimmung. Betroffene bemängeln fehlende Vorabgespräche.
Foto: De Geare

Wenn man es eher gewusst hätte, dass „die was Großes vorhaben“, so war aus der Metzgerei Gimberlein zu hören, hätte man eher einen Bauantrag eingebracht. Kürzlich war dazu eine Voranfrage auf Eis gelegt worden. Dabei habe die Gemeinde aber korrekt gehandelt, hatte das Landratsamt Familie Gimberlein später mitgeteilt, weil der Beschluss über die vorbereitenden Untersuchungen vorher bereits im Amtsblatt veröffentlicht war. Aufgrund dieser Rechtslage „könne die Gemeinde ein Baugesuch im Sanierungsgebiet zurückstellen“. „Den Bauwerber blockieren“, drückt es Karin Gimberlein etwas drastischer aus. Sie führte — wie etliche Betroffene der Hauptstraße — mit den NN ein Gespräch.

Einziger Bewerber



Ende 2006 hatte ihr Mann Norbert das nur ungeteilt zum Verkauf stehende 1400 Quadratmeter-Grundstück im Zwickel zwischen Kirchen- und Neustädter Straße von der Gemeinde erworben — für fast 280000 Euro, als einziger Bewerber. Frei in der Gestaltung sei er, hatte man ihm zugesichert, weil dort kein Bebauungsplan existiert. Im Kaufvertrag festgelegt war nur, dass der Käufer das dort noch stehende alte Rathaus mit Gewölbekeller abtragen lassen und das Abbruchmaterial entsorgen muss. Dazu steuerte die Gemeinde 25000 Euro bei.

Norbert Gimberlein nahm erneut viel Geld in die Hand und ließ auf dem Areal gegenüber seinem Metzgereiladen für 150000 Euro einen befestigten Parkplatz anlegen, für die Angestellten des Metzgerbetriebs, für auswärtige Kunden und jene, die schlecht zu Fuß sind. Auch benachbarte Gewerbetreibende haben bei ihm Stellplätze gemietet.

Jetzt jedoch sieht der Sanierungsplan verdichtete Gewerbe/Wohnnutzung vor, sogar eine Tiefgarage für wegfallende Parkplätze. Norbert Gimberlein aber verschließt sich den Plänen. Ihm gefällt die momentan locker gestaltete Freifläche, in die er so viel Geld investiert hat. Mit dem Stadtplaner jetzt noch reden? Das will er nicht mehr. Er hat den Antrag gestellt, sein Eigentum aus der Planung herauszunehmen.

Die Bäckerei schräg gegenüber soll nach den Idealvorstellungen von Thomas Rosemann abgerissen und versetzt neu aufgebaut werden. Inhaber Bernd Reuthlingshöfer langt sich an den Kopf. Einfach in Privateigentum eingreifen wollen? Ein Vorabgespräch von Planer oder Bürgermeister mit den Anliegern hätte er sich gewünscht, um deren Meinungen/Vorstellungen zu erfahren. Jetzt erst Kontakt zum Stadtplaner? „Nein, wozu?“

Von Vorgesprächen hält Eberhard Pickel von der Regierung von Mittelfranken wenig, weil die Betroffenen meist gegen Veränderungen seien. Der zuständige Referent für den Landkreis Erlangen-Höchstadt beim Thema Städtebauförderung widerspricht aufkeimender Angst. „Jeder Eigentümer bleibt Herr über seinen Besitz“. Allerdings könnten „gewisse Rechte eingeschränkt werden“. Darüber müsse die Gemeinde informieren, eine Sanierungssatzung vorlegen und Sanierungsvermerke bei betroffenen Grundstücken ins Grundbuch eintragen lassen. Das Baugesetzbuch führt dazu das „Vorkaufsrecht“ der Gemeinde an, auch den kommunalen Zugriff auf ein Grundstück wegen „öffentlichen Interesses“. Dieses Interesse fasst Referent Pickel sehr eng. Die im Sanierungsplan vorgesehene Gewerbe/Wohnnutzung des Gimberlein-Parkplatzes sei kein solches Interesse. Sollte dort ein kleiner, jedermann zugänglicher Erholungspark entstehen, dann wäre dies aber sehr wohl „im öffentlichen Interesse“.

Anders einzustufen ist das öffentliche Interesse am Parken auf dem Marktplatz. Ihn haben die Bürger bei einer Befragung zwar als hässlich bezeichnet, schätzen aber gleichzeitig seine Funktion. Deshalb auch will Stadtplaner Rosemann Platz schaffen und hat kurzerhand im Sanierungsplan den Geschäftssitz der Kreissparkasse am Rand des Platzes zum Abriss vorgesehen. Er plant deren Neubau einige Meter weiter auf dem sogenannten „Wormser“-Grundstück an der Kreuzung, obwohl dort bereits ein anderes Objekt nicht nur geplant, sondern bereits angelaufen ist, das „Brothaus“ (wir berichteten).

Eigentümer der Immobilie, in der die Kreissparkasse schon seit langem sitzt, ist Hans Paul, ein Weisendorfer. Vom geplanten Abriss hat er aus der Zeitung erfahren und ist seitdem stark verunsichert. Der aktuelle Mietvertrag laufe zwar noch über einige Jahre. Dennoch: Bleibt der Standort erhalten oder will die Sparkasse neu bauen? Investieren in eine Sanierung will Paul deshalb nicht, „alles soll so bleiben“.

Offen für gemeinsame Lösung

Die NN haben bei Herbert Fiederling, dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Höchstadt, nachgefragt. Offiziell sei noch niemand auf die Bank zugekommen, so seine Feststellung. Käme aber jemand und würde sagen, ihr seid der Sanierung in Weisendorf im Weg, so wären wir „jederzeit offen für eine gemeinsame und gute Lösung“. Vor langer Zeit habe der Bürgermeister wohl einen Gesprächswunsch geäußert. „Gemeldet hat er sich bisher nicht“.

Auch Kathrin Schorr wartet seit einem halben Jahr auf eine Antwort von Stadtplaner Rosemann hinsichtlich ihrer Anfrage. Kathrin Schorr vertritt die Interessen ihrer Mutter, die Eigentümerin zweier Gebäude im Sanierungsgebiet ist. Das eine steht leer, seitdem ein Schreibwarengeschäft geschlossen hat, das andere am Marktplatz beherbergt die „Marktschänke“ und ein italienisches Speiselokal. Das Haus am Marktplatz habe man erst vor einigen Jahren renoviert, nun sei es ebenfalls zum Abriss vorgesehen. Weshalb Eigentum vernichten?

Darüber reden will Kathrin Schorr weder mit dem Planer noch mit der Verwaltung. Zu viel Enttäuschung steht dem entgegen. Offizieller Wunsch sei zwar, den Marktplatz zu beleben. Ihr Antrag für einen Biergarten wurde aber abgelehnt, selbst wenige Tische direkt an der Hausmauer mussten entfernt werden, sogar Strafe wurde angedroht. Begründet war das Verbot damit, dass dort der Leichenwagen zum Friedhof fahren müsse. Ihr Fazit: Zum Verschönern sei nun die Kommune dran.

Positives war nur vom Käufer des maroden Gebäudes Hauptstraße 16 zu hören. Er, Trockenbauspezialist und Schreiner, will das historische kleine Gebäude, erstmals 1686 urkundlich erwähnt, mit viel Liebe sanieren.

www.weisendorf.de/Ortskernsanierung 



VON INGRID JUNGFER

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