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Judenhetze auf dem Hesselberg

Ausstellung über NS-Kultstätte im Nürnberger Künstlerhaus - 26.09.2010 11:37 Uhr

Blick auf das Titelblatt der "Fränkischen Tageszeitung" aus dem Jahre 1933 im Kunsthaus in Nürnberg. Auf dem Hesselberg in Mittelfranken versammelten sich von 1933 bis 1939 jährlich rund 100 000 Menschen zum "Frankentag". Die Ausstellung "Der Hesselberg - Ein "heiliger" Ort der Täter" widmet sich diesem Kapitel der NS-Vergangenheit in Franken und dauert bis zum 7. November. © dpa


Sie lauschten den antisemitischen Hetzparolen des Hitler-Vertrauten Julius Streicher und vergnügten sich bei Kultur und Sport. Rund 100.000 Menschen sind von 1933 bis 1939 jedes Jahr auf den mittelfränkischen Hesselberg zum „Frankentag“ gepilgert. Doch dieses Kapitel der NS-Vergangenheit in Franken ist nach Ansicht des Historikers Thomas Greif nach dem Krieg schnell in Vergessenheit geraten. Eine Ausstellung, die nun im Nürnberger Künstlerhaus vorgestellt wurde, soll das ändern.

„Man kann nicht so tun, als wäre da nichts gewesen“, sagte Greif, der mit seinen Forschungen zur NS-Kultstätte Hesselberg die wissenschaftliche Grundlage für die Schau gelegt hat. So wird nun nachgezeichnet, warum gerade der Hesselberg die Nazis so faszinierte und wie sie dort ihre Massenveranstaltungen inszenierten.

Resonanz war verhalten

Wer heute den knapp 700 Meter hohen Hesselberg im Landkreis Ansbach besuche, „kann nicht einmal erahnen, was damals passiert ist“, sagte Greif. „Darum sollten wir kämpfen, dass es dauerhaft eine didaktisch-pädagogische Auseinandersetzung mit dem Thema gibt.“ Die Schau, die mit zahlreichen Bild-, Text- und Tondokumenten bis zum 7.November zu sehen ist, ist deshalb als Wanderausstellung konzipiert worden, sie könnte auch in anderen Städten gezeigt werden. Rund 25 Institutionen in Mittelfranken habe man angeschrieben, doch die Resonanz sei verhalten, berichtete Kurator Matthias Dachwald.

Für Greif ist das ein Indiz, dass der Umgang mit den „Täterorten“ der Nationalsozialisten oft problematisch ist. Nicht immer funktioniere die Aufarbeitung so vorbildlich wie in Nürnberg mit dem Dokumentationszentrum zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände.

Inszenierung wie ein Prediger

Schon vor der Machtübernahme der NSDAP lud Streicher zu Propagandaveranstaltungen auf den Hesselberg, der höchsten Erhebung Mittelfrankens. Auf dem Plateau hetzte er bereits 1928 vor rund 3000 Anhängern gegen die Juden. Er sprach aus dem offenen Wagen zu seinen Zuhörern – und inszenierte sich wie ein Prediger. Zwei Jahre später war dann Adolf Hitler zu Gast, es war der einzige Besuch des Diktators auf dem Hesselberg.

Der selbst ernannte „Frankenführer“ Streicher veranstaltete von 1933 an alljährlich eine große Feier auf dem Berg: Flaggen mit Hakenkreuzen und dem Frankenrechen wurden gehisst, es gab eine große Sonnwendfeier, Sport- und Kulturveranstaltungen – und eine Rede Streichers, in der er seine Hassparolen verkündete. Es sei eine bewusst inszenierte Massenveranstaltung gewesen, sagte Dachwald.

Ende mit Kriegsbeginn

Und die Menschen in ganz Franken seien bereitwillig zur NS- Kultstätte gekommen. „Naja, es war ja nichts los bei uns“, habe ein Zeitzeuge einmal als Rechtfertigung gesagt, berichtete Greif. Zudem habe der Hesselberg in der Region schon seit jeher eine große Faszination ausgeübt: „Das war emotional und identitätsstiftend.“ Mit Kriegsbeginn endete dann auch das Festprogramm auf dem Hesselberg, auch aus den hochfliegenden Plänen Streichers, dort eine Adolf-Hitler-Schule und für sich ein Mausoleum zu errichten, wurde nichts. Slowenische Zwangsaussiedler wurden stattdessen dort untergebracht. 

Kathrin Zeilmann, dpa

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