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Unsägliche Verkleidungswut und aufgezwungene gute Laune törnen ab. Wer braucht schon Fasching als Mitglied unserer Spaßgesellschaft, in der man sich bis in die Morgenstunden an jedem beliebigen Wochenende austoben kann? Partys, Halloween und Public Viewing geben genügend Raum zum Feiern in knappen Kostümen oder Horror-Masken. Man braucht also wahrlich keinen Fasching, um Spaß zu haben.
Ein großes Ärgernis ist die aufgesetzte gute Stimmung. Nicht nur der Staat wird immer mehr zum Fürsorger und Bevormunder: Rauchverbot, Öko-Benzin und bürokratische Hürden in allen Lebenslagen fallen einem spontan ein. Die Faschingsgesellschaften verhalten sich ähnlich, die „Zwangsverpflichtung“ zur guten Laune nervt und ist entmündigend. Wer schon einmal aus Versehen auf einer Faschingsveranstaltung gelandet ist, weiß wie "bedrohlich" der Abend werden kann - harmlos ist hier noch der Polonaise-Zwang. Fast jeder wird zur Faschingszeit in irgendeiner Form „belästigt“, sei es durch die Invasion roter Nasen, die man sich (widerwillig) überzieht, um die Faschingsmeute zu besänftigen.Oder die stumpfsinnige Spaßmusik, die den Konfettireigen untermalt. Oder während der Weiberfastnacht, wenn wildgewordene Faschingsnärrinnen wahllos Krawatten abschneiden.
Selbst beim großen Nürnberger Faschingsumzug nahmen 2012 "nur" ungefähr 50000 Menschen teil, also nicht mehr als zehn Prozent der in Nürnberg lebenden Menschen. Insofern ist jedes Heimspiel des 1. FC Nürnberg fast genauso gut besucht, wie der Umzug durch die Innenstadt. Seit Jahren gibt es rückläufige Teilnehmerzahlen in den Zügen, oft sind die Aufbauten nicht satirisch und beißend, sondern blutleer und einfallslos.
Faschingsumzüge stehen in diesem Jahr zudem in der Kritik: Zu teuer, zu viele Auflagen und Vorschriften und hunderte unbezahlter Arbeitsstunden der ehrenamtlichen Helfer. Selbst eingefleischte Faschingsveteranen haben irgendwann keine Lust mehr, wenn Polizei und Ordnungsämter den Amtsschimmel wüten lassen.
Übrigens, für die Polizei sind nächtliche Kontrollen nach Faschingsveranstaltungen ärgerliche Routine. Jährlich kassiert sie hunderte Führerscheine wegen übermäßigem Alkoholkonsum ein, und verhindert oft Schlimmeres. Weniger Fasching bedeutet nicht unbedingt sichere Straßen, doch einige Führerscheine wären ohne das närrische Treiben weiter im Besitz der Autofahrer.
Ein Leben ohne Fasching ist schwer vorstellbar, doch wer das "Abenteuer" nicht wagt, der nicht gewinnt. Ein bisschen weniger Fasching würde viele Menschen glücklich machen. Es geht nicht darum, die Faschingsfeiern vollständig zu verbannen, aber ein Sabbat-Jahr ohne Umzüge, Prunksitzungen und Auftritten von Politikern, wie vor kurzem beim Fasching in Franken in Veitshöchheim gesehen, wäre in jedem Fall erholsam.
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