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Was ist das Besondere an Orten, wo Fasching, Fastnacht oder Karneval gefeiert wird? An diesen Orten herrscht Anarchie. An diesen Orten wird gefeiert, gelacht, geflirtet, die Gesetze des Alltags sind außer Kraft. Symbolisch übergibt der Bürgermeister den Stadtschlüssel an die Narren, die Frauen schneiden den Männern die Krawatte ab, und das Faschingsvolk besetzt die Straße.
Wer Fasching feiert, der entflieht der Rolle, die er täglich spielen muss. Er schlüpft in Kostüm und Maske - er darf ein anderer sein und kann sich wie ein Hofnarr daneben benehmen. Und das Beste: Er darf diejenigen verspotten, die ihm das ganze Jahr auf den Wecker gehen, wie etwa Politiker, Prominente oder den Chef.
Narren werden nicht bestraft
Niemand bestraft in der Faschingszeit einen Narren, der spottet. Ganz im Gegenteil: Je derber der Narr spottet, desto besser. Mal ehrlich: Wer verspürt keine Lust, all die Quälgeister zu verhöhnen, die einen das ganze Jahr über plagen? Wer lacht sich nicht gerne mal so richtig dreckig den Frust von der Seele?
Anarchie ist das jahrhundertealte Grundprinzip des Faschings, der Fastnacht und des Karnevals. Fasching befreit. Fasching schafft Luft in der Seele. Fasching baut Frust ab. Der Spaß, die Tollheit und das Aufbegehren gegen Welt und Obrigkeit machen die Faschingszeit wertvoll.
Auf die Faschingszeit folgt knallhart die Disziplin: Die Fastenzeit setzt dem Fasching ein Ende, Ordnung und Gehorsam kehren zurück. In manchen Gegenden wird die Fastnacht sogar symbolisch verbrannt.
In Franken ist der Fasching anders
Die fränkische Fastnacht sehe ich als gebürtiger Alemanne etwas zwiegespalten. Die alemannische Fastnacht im südlichen Baden-Württemberg hat sehr alte Wurzeln. Sie gehört dort zum kulturellen Erbe und ist tief in der Gesellschaft verankert.
Nahezu jedes Dorf feiert die „Fasnet“ mit einem eigenen Umzug und in den Tagen zwischen dem Schmutzigen Donnerstag und dem Aschermittwoch pulsiert in den Städten fröhliche Anarchie. Auch im Rheinland herrscht in der Karnevalszeit der Ausnahmezustand.
In Franken ist der Fasching weit weniger tief in der Gesellschaft verankert. Er findet hier vorwiegend auf den Bühnen von Faschingsgesellschaften statt. Inspiriert vom rheinländischen Karneval tagen Elferräte und Tanzmariechen schlagen eifrig Räder.
Leider hält sich der fränkischen Fasching mit Spott und Anarchie zurück. Noch viel schlimmer: Er bietet übereifrigen Politikern die Möglichkeit, sich als gut gelaunte Jecken zu inszenieren und Wahlkampf zu führen - leider auch bei der beliebten Sitzung in Veitshöchsheim.
Diese Inszenierung der Mächtigen in lächerlichen Kostümen hat meines Erachtens mit dem ursprünglichen Fastnachtsgedanken wenig zu tun und ist mir zutiefst zuwider. Da ist mir der bissige Humor der Fürther Dullnraamer eindeutig lieber – von deren Bissigkeit gegenüber der Obrigkeit könnte sich so manche Faschingsgesellschaft eine Scheibe abschneiden!
Auf keinen Fall möchte ich aber den fränkischen Fasching schlecht machen – auch wenn er nicht immer meinem Geschmack entspricht. Denn ich sehe das Herzblut, den Spaß und die gute Laune, die in den Veranstaltungen stecken – und das ist für mich Grund genug zu sagen: Fasching ist toll - macht weiter, Ihr Narren!
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