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Mittwoch, 19.09.2018

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Einbrüche, Brandstiftung und mehr: Kripo klärt auf

Besuch beim Erkennungsdienst der Kripo Schwabach - 26.04.2018 09:11 Uhr

Jürgen Kolb vom Erkennungsdienst der Kripo Schwabach sichert Fingerabdrücke an einem Fensterrahmen. © Kirchmayer


Es dauert nicht lange, bis Jürgen Kolb fündig wird. Mit einem speziellen Pinsel bringt er ein Pulver aus Metallspänen und Ruß auf dem Fensterrahmen auf. Deutlich lassen sich nun dank des sogenannten Adhä­sionsmittels Fingerabdrücke etwas unterhalb des Fenstergriffs erkennen. Hier ist der Einbrecher also in die Wohnung gelangt. Kolb klebt die Fingerabdrücke mit einem durchsichtigen Klebestreifen ab, misst sie mit einem Millimeterband nach, macht ein Foto und hält auch den Abstand der Fingerabdrücke vom Fußboden fest.

Ein Schaden ist diesmal nicht entstanden, auch gestohlen wurde nichts. Die Fingerabdrücke stammen von Kolb selbst. Der Kriminalhauptkommissar vom Erkennungsdienst der Kriminalpolizei Schwabach demonstriert der Pegnitz-Zeitung auf der Dienststelle, wie an Tatorten Spuren gesichert werden.

Zeitaufwändige Spurensuche

Einbrecher brauchen oft nur wenige Minuten, um ein Fenster aufzubrechen, in ein Haus oder eine Wohnung zu gelangen, Räume zu durchwühlen und mit der Beute zu fliehen. Die Männer und Frauen vom Erkennungsdienst müssen mehr Zeit investieren. Zwischen 45 Minuten und drei Stunden dauert es bei einem Wohnungseinbruch, bis die Spezialisten mit der Spurensicherung fertig sind. Musste ein Täter mehrere Türen aufbrechen, hat er mehr Spuren hinterlassen und es gibt auch für die Polizei mehr zu tun.

Zu über 200 Außeneinsätzen rückte der Erkennungsdienst im Jahr 2017 in seinem Zuständigkeitsbereich, also den Landkreisen Nürnberger Land und Roth sowie der Stadt Schwabach, aus. Zuständig sind die Beamten nicht nur für Einbrüche, sondern unter anderem auch für Vergewaltigungen, Brandstiftung und Tötungsdelikte.

Wie ging der Täter vor?

Vor Ort versuchen die Experten, sich in den Täter hineinzuversetzen, nachzuvollziehen, was sich abgespielt hat. "Wir nehmen den Weg, den der Täter am Tatort auch genommen hat", sagt Kolb. "Das perfekte Verbrechen gibt es nicht. Es werden immer Spuren da sein. Das Problem ist, die Spuren zu finden." Das gilt vor allem für latente, also für das bloße Auge zunächst nicht sichtbare Spuren wie einen Fingerabdruck.

Neben Fingerabdrücken gehören zu den Spuren auch Fasern von Kleidungsstücken, Aufbruch­spuren durch Werkzeuge oder DNA, etwa durch winzige Hautpartikel. Eine Erkenntnis der Kriminologie: Versucht ein Täter, seine Spuren zu verwischen, hinterlässt er dabei oft neue.

Die Beamten des Erkennungsdiensts tragen spezielle Handschuhe, um selbst keine DNA am Tatort zu hinterlassen und um sich vor Infektionen zu schützen. Die weißen Ganzkörperanzüge, die man aus Krimis kennt, kommen nur bei schwereren Verbrechen wie Mord zum Einsatz. Pro Tatort sind immer mindestens zwei Mitarbeiter des Erkennungsdienstes vor Ort, bei Kapitalverbrechen sind es mehr.

Jeder Fingerabdruck ist anders

Den Fingerabdruck vom fingierten Tatort auf der Dienststelle, der sich jetzt auf dem Klebestreifen befindet, klebt Kolb auf ein weißes Blatt Papier. Mittels einer Lupe kann der 56-Jährige nun feinste Details genau erkennen. "Jeder Fingerabdruck ist anders", sagt Kolb. Selbst eineiige Zwillinge lassen sich unterscheiden.

Würde es sich um einen Fingerabdruck eines Verdächtigen handeln, würde er jetzt in der Datenbank landen. Vergleichsfingerabdrücke zum Beispiel von Bewohnern eines Hauses, in das eingebrochen wurde, werden mit den Spuren am Tatort abgeglichen. Sie müssen aus Datenschutzgründen daraufhin wieder gelöscht werden. Das heißt, falls im Abstand von drei Monaten mehrfach Zigarettenautomaten aufgebrochen werden, müssen die Fingerabdrücke des Mitarbeiters, der diese bestückt, jedes Mal aufs Neue genommen werden. Auf der Wache gibt es dafür einen besonderen Scanner. 

Nach der Arbeit am Tatort geht es für Kolb und Co. auf der Dienststelle weiter. Die Spuren werden dort ausgewertet und ein Bericht verfasst. Nach einem Einbruch fallen dafür noch mindestens eineinhalb Stunden an, sagt Kolb, manchmal auch das doppelte, etwa, wenn mitgebrachte Gegenstände mit Spuren untersucht werden müssen.

Mit diesem Scanner können auf der Dienststelle in Schwabach Fingerabdrücke von Verdächtigen genommen werden. © Kirchmayer


16 Mitarbeiter arbeiten im Kommissariat K 7, Erkennungsdienst und Prävention, bei der Kriminalpolizei in Schwabach. Jeder davon hat eine ganz normale Ausbildung bei der Polizei gemacht und ging dann zur Kripo. Jürgen Kolb etwa war im Bereich K1 Todesermittlungen tätig, ehe er zum Erkennungsdienst wechselte.

Nicht alle seiner Kollegen aus dem Kommissariat K 7 sichern Spuren am Tatort. Manche sind spezialisiert, etwa auf Daktyloskopie, die Lehre von den Fingerabdrücken. Und ein Kollege berät Bürger, wie Einbrüche vermieden werden können. Auch die Landkreisbewohner können sich an ihn wenden, um überprüfen zu lassen, ob ihr Haus oder ihre Wohnung einbruchssicher ist.

DNA von Speichel oder Blut

Jörg Eberlein ist für den Sachbereich DNA zuständig. Durch Hautpartikel oder Körperflüssigkeiten wie Speichel, Blut oder Sperma lassen sich Täter identifizieren. Manchmal kann man auch nachvollziehen, wie sich ein Verbrechen abgespielt hat. Oft unsichtbare Sekret­spuren am Tatort, die erst durch den Einsatz von speziellen Lampen erkennbar werden, werden vor Ort gesichert und von Eberlein auf der Dienststelle im Labor untersucht. Zur DNA-Analyse arbeitet die Schwabacher Kripo mit dem Kölner Institut für Blutgruppenforschung, der Rechtsmedizin in Erlangen und dem Landeskriminalamt in München zusammen.

Eberlein kann auf eine Datenbank zurückgreifen, in die Kollegen aus ganz Deutschland und Teilen Europas ihre Ergebnisse einspeisen. Kann etwa in Spanien einem Täter DNA zugeordnet werden, die auch an einem Tatort in Speikern gefunden wurde, bekommt Eberlein eine Benachrichtigung durch das System. Einbrüche werden dadurch manchmal Monate später aufgeklärt.

Auch Fotos von "dringend Tatverdächtigen", wie es bei der Polizei heißt, werden in der Inspektion gemacht. Fotografiert wird von vorn und von der Seite. Besondere körperliche Merkmale und Tätowierungen werden ebenfalls abgelichtet.

Ihr ganzes Wissen geben die Spezialisten des Erkennungsdiensts natürlich nicht preis. Bei einigen Fragen verweisen sie auf Polizeitaktiken oder -techniken, über die (künftige) Kriminelle nicht Bescheid wissen sollen.

Auch zu laufenden Ermittlungen, wie etwa den Mordfall Placzek aus Schnaittach, äußern sich die Beamten nicht. Klar ist: Kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, sagt der Hauptsachbearbeiter, wie es bei Kapitalverbrechen üblich ist, auch vor Gericht aus.

Belastende Arbeit

Ob die Arbeit auch emotional belastend ist? "Immer", sagt Kolb ernst und ohne zu zögern. Bei einem Einbruch etwa ist manchmal mehr als nur Spurensichern gefragt. Kolb und seine Kollegen sind oft die ersten, die sich länger am Tatort aufhalten, und kommen dann auch mit Geschädigten ins Gespräch. Für ein älteres Ehepaar "bricht die Welt zusammen", wenn es Opfer von Einbrechern geworden ist, sagt der erfahrene Polizist. "Da ist man auch Sozialarbeiter."

Seltener, dafür aber umso belastender, sind andere Fälle. Der Anblick eines getöteten Kindes etwa. Um das Erlebte zu verarbeiten, sprechen die Beamten im Kollegenkreis über ihre Einsätze. Falls nötig, kann auch der Psychologische Dienst der Polizei in Anspruch genommen werden. Manches, was man am Tatort gesehen hat, lässt einen nie wieder los. "Im Lauf der Jahre bleiben Spuren zurück", sagt Jürgen Kolb.

Kriminalhauptkommissar Peter Herbst von der Kripo Schwabach berät Bürger, wie sie sich besser vor Einbrüchen schützen können. Einen Termin kann man telefonisch unter 09122/9270 ausmachen. 

Andreas Kirchmayer

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