Donnerstag, 15.11.2018

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Hüttenbach: 110 Jahre alte Schule wird zur Kita

Umbach der Schule an der Hauptstraße kommt Platzbedarf nach - 23.03.2017 21:33 Uhr

Die 110 Jahre alte Schule an der Hauptstraße wird nun zur modernen Kindertagesstätte umgebaut. © Braun


Es herrscht Trubel auf der Baustelle mitten in Hüttenbach. Im und um das historische Gebäude mit der gelben Fassade sind die Handwerker und Bauarbeiter eifrig am Werk, entfernen Schutt, verlegen Kabel, verputzen die ersten Innenwände. Es ist staubig und ziemlich laut, wenn Betonmischer und Bohrer ihr Duett anstimmen.

Noch ist es nicht so einfach, sich vorzustellen, wie das Gebäude nach dem Umbau aussehen soll. Bürgermeister Perry Gumann erklärt beim Rundgang, welche Visionen der Gemeinderat für die Alte Schule hat. Umgesetzt werden diese von Architekt Walter Reidinger von Architekturbüro „Atelier 13“ in Hersbruck.

In dem kleineren Anbau an der Rückseite des Gebäudes, der aus den 1980er Jahren stammt, wird eine Krippengruppe untergebracht, samt direktem Zugang zu einem eigenen kleinen Garten.

Im Alten Schulhaus selbst entstehen im Erdgeschoss ein Raum für die Kleinkindgruppe sowie eine Küche, eine Garderobe und Sanitäranlagen. Diese werden gemeinsam mit den Kindergartenkindern genutzt, für die der große Saal im Erdgeschoss in zwei Räume unterteilt wird. Auch hier gibt es über den ehemaligen Haupteingang einen direkten Zugang zum Garten in Richtung Straße.

Raum zum Turnen und Feiern

Direkt darüber im ersten Stock wird ein rund 70 Quadratmeter großer Saal zum Turn- und Veranstaltungsraum umgebaut. Eine Wandheizung wird hier für Wärme sorgen. Die Leitungen winden sich bereits entlang der freigelegten, massiven Backsteinwände, die später wieder verputzt werden. Auf dieser Etage werden auch das Büro der stellvertretenden Kita-Leiterin Stephanie Gmelch, ein Lager und Personalräume untergebracht. Einrichtungsleiterin Sandra Eichler bleibt im Hauptgebäude des katholischen Kindergartens, das erst 2011 nur einen Steinwurf entfernt gebaut wurde.

Das Dachgeschoss ist für die Hortkinder vorgesehen, die in zwei Gruppenräumen unter anderem ihre Hausaufgaben machen können. Der Dachboden steht, ebenso wie der Keller, als Lagerraum zur Verfügung.

Im Treppenhaus liegen derzeit noch die Kabel lose auf dem Boden, die Backsteinwände sind freigelegt. Die Treppe links ist aus massivem Granitstein, rechts ist der ehemalige Haupteingang mit seiner markanten Holztür zu sehen. © Braun


828 000 Euro Zuschüsse

Knapp 1,4 Millionen Euro sind für die Arbeiten vorgesehen. Dabei darf sich die Gemeinde über Zuschüsse von insgesamt 828 000 Euro von Freistaat und Bund freuen. Und so bekommen die Hüttenbacher für etwas über eine halbe Million eine zweite Kita. „So günstig und vor allem so schnell hätten wir das mit einem Neubau nie hinbekommen“, sagt Gumann, der sich vor allem freut, dass der Betreuungsbedarf bald gedeckt werden kann. Denn die von der katholischen Kirchengemeinde betriebene Einrichtung platzt aktuell aus allen Nähten. So musste beispielsweise die Turnhalle in dem Neubau für die Kleinkindgruppe umfunktioniert werden.

Dass die Kinderzahlen in Simmelsdorf in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert sind, hat die Gemeinde ziemlich überrascht (wir berichteten). Statt der ursprünglich angedachten 92 Betreuungsplätze, hatte das Landratsamt plötzlich einen Bedarf von 170 errechnet. Ein Grund dafür ist das neue Baugebiet in Unterwindsberg, in das viele junge Familien gezogen sind. Aber auch eine künftige Bebauung des noch brach liegenden Albflor-Areals ist darin bereits eingerechnet.

Sobald das ehemalige Schulhaus fertig ist – das soll noch vor Beginn des neuen Schul- und Kindergartenjahrs sein – werden die Kinder auf beide Häuser verteilt. Weil nicht alle Räume in dem alten Haus barrierefrei zugänglich sind, werden Kinder mit Behinderung künftig vor allem im Neubau betreut. In jedem Haus wird es dann eine Krippengruppe für etwa 13 Kinder, eine Kleinkindgruppe für 20 sowie eine Kindergarten- und eine Hortgruppe für je 25 Kinder geben. Insgesamt also fast 170 Betreuungsplätze – aktuell werden in der Einrichtung bereits rund 125 Kinder betreut.

Für Perry Gumann war es fast schon eine glückliche Fügung, das die Löw‘schen Einrichtungen, die die Alte Schule seit Mitte der 1970er Jahre genutzt hatten, im Dezember 2016 ausziehen konnten. Sie haben inzwischen im Gewerbegebiet am Bartäcker in Simmelsdorf eine neue Heimat für ihre Werkstätten und ein Betreutenwohnheim gefunden.

Dieser Saal im Erdgeschoss wird in zwei Räume für die Kindergartenkinder unterteilt. © Braun


Sofort nach dem Auszug konnten die Umbauarbeiten an dem Gebäude aus den Jahren 1906/07 beginnen. Die positive Überraschung für die Gemeinderäte, die das Gebäude vor Kurzem ebenfalls bei einem Rundgang begutachtet hatten: Die Substanz des massiven Backsteinbaus ist ebenso gut wie seine Aufteilung. Denn es gibt eine zweite, separate Steintreppe, die im Fall eines Brandes als Notausgang genutzt werden kann. Das spart der Gemeinde bares Geld für Brandschutzmaßnahmen.

Die alten Rohre und Leitungen sowie der Ölkessel im Keller mussten zwar erneuert werden, dafür sind die Treppen aus Granit in einem hervorragenden Zustand. Dank der vielen Fenster sind alle Räume hell und freundlich und bieten vor allem in den oberen Etagen einen schönen Blick auf die Umgebung.

Stephanie Gmelch freut sich schon auf den Umzug: „Die Alte Schule ist für uns eine perfekte Lösung. Die Gemeinde hat uns hier wirklich gut unterstützt.“ 

Tina Braun

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