Mittwoch, 26.09.2018

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Kahlschlag am Bahnhof entsetzt Rückersdorfer

Deutsche Bahn: Sicherheit der Züge geht vor Baumschutz - 10.11.2017 13:43 Uhr

Gestern noch reckten sich die kahlen Baumstämme am Bahndamm in der Nähe des Rückersdorfer Bahnhofs in den Himmel. © Anne Cichon


Wie meterhohe Säulen ragen die ast­losen und entkronten Baumstämme entlang der Bahnstrecke anklagend in den Himmel. Was es damit auf sich habe, fragten sich zahlreiche Anwohner und informierten auch die Pegnitz-Zeitung. Bereits am frühen Samstagmorgen gegen vier Uhr seien die Arbeiter angerückt, berichtet Johannes Hetzner, der seit 20 Jahren direkt an der Bahnstrecke wohnt. Bis zum frühen Nachmittag wurden die Bäume dort bearbeitet, dann rückten die Arbeiter ab und hinterließen auf einer Strecke von knapp 500 Metern – vom Beginn der Frankenstraße bis hinter zum Blindeninstitut – eine Gespensterkulisse.

Ganz schön erschrocken sei er, als er die „verstümmelten“ Bäume gesehen habe, so Hetzner. Zunächst dachte er an Baumfrevel und rief daraufhin die Polizei. Diese versicherte ihm, dass es sich dabei um Verkehrssicherungsmaßnahmen der Deutschen Bahn handelt. „Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Das waren doch große, gesunde Bäume“, sagt Hetzner verständnislos. Sorgen mache sich der Anwohner aber auch wegen Lärmbelästigung. Man könne jetzt schon hören, dass allein der normale Zugbetrieb lauter ist, meint er.

„Vegetationsarbeiten“ an den Gleisen

Auf Nachfrage der Pegnitz Zeitung bei der Deutschen Bahn bestätigt ein Sprecher des Unternehmens in einer E-Mail lediglich, dass es sich um „Vegetationsarbeiten“ handelt. „Für die Sicherheit der Zugfahrten und damit der Reisenden muss die DB nicht nur ihre Züge regelmäßig warten, sondern auch Gleise und Gleisanlagen. Dazu gehört vor allem auch, regelmäßig Pflanzen zu entfernen, damit diese mit ihren Wurzeln nicht den Schotterunterbau beeinträchtigen, ins Gleis fallen oder die Sicht auf Signale und Bahnübergänge versperren,“ schreibt die Bahn.

Im Gespräch mit der PZ erklärte Rückersdorfs zweite Bürgermeisterin Heidi Sponsel, dass die Gemeinde nichts von den Maßnahmen gewusst habe. Sie selbst habe erst von Anwohnern von den Arbeiten erfahren und sich daraufhin dazu erkundigt. Sie sei sehr erschrocken gewesen, als sie den Kahlschlag am Bahngelände sah, so Sponsel. „Das sieht ganz schlimm aus.“ Sie befürchte nun, dass auch die Bäume auf der anderen Seite zur B 14 hin daran glauben müssen.

Ärger über radikales Vorgehen

„Das ist einfach grausam“, findet auch Christa Alt, die Vorsitzende der Ortsgruppe Rückersdorf des Bund Naturschutzes. Bei ihr haben sich über 20 Rückersdorfer gemeldet, denen die Schnittarbeiten Sorgen machte. Sie hätte sich gewünscht, dass auch die Bevölkerung und der Bund Naturschutz vorab von der Deutschen Bahn informiert worden wären. Außerdem ärgere sie das radikale Vorgehen der Arbeiter. Man solle genauer prüfen, welche Bäume erhaltenswert sind, fordert sie. Viele Bäume dienen etwa Elstern oder Eichelhähern als Nistplätze, so Alt.

Jonas Raab von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises hat sich zusammen mit der Deutschen Bahn schon vorher ein Bild vor Ort gemacht. Es habe seiner Meinung nach nichts gegen die Maßnahme gesprochen. Bei dem Gelände handelt es sich nicht um ein Schutzgebiet, es stehen dort keine schützenswerten Bäume und es sind noch genügend Nistmöglichkeiten für Vögel vorhanden, erklärt er.

Auch gegen den Zeitpunkt spreche nichts, denn von Oktober bis einschließlich Februar dürfen Schnittmaßnahmen vorgenommen werden, da dieser Zeitraum außerhalb der Brutzeit der Vögel liege. Trotzdem habe er dem Unternehmen empfohlen, dass Bäume stehen gelassen werden sollten, zum Beispiel solche mit Spechtlöchern.

Dennoch bedauert Raab die Situation am Rückersdorfer Bahnhof. „Persönlich finde ich das gar nicht schön. Wenn ich eine Möglichkeit gehabt hätte, an der Situation etwa zu verändern, hätte ich das getan. Aber die Deutsche Bahn ist der Grundstückseigentümer und kann im Rahmen der Gestze dort machen, was sie will“, so Raab. 

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