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Kein Herz für Vögel: Küken sorgen für Zoff in Wildenfels

Vogelliebhaber hat im Garten Nistkästen - und genau das stört die Nachbarn - 09.06.2017 09:06 Uhr

Die Vögel haben derzeit Brut-Hochsaison. © dpa


Heinz Distler kann es nicht fassen. Vor elf Jahren ist der 78-Jährige nach einem Schicksalsschlag zusammen mit seiner Frau nach Wildenfels gezogen und hat auf seinem Wochenendgrundstück ein kleines Haus für die Rente gebaut. Ruhe und Erholung nach vielen Jahren harter Arbeit wünschte sich das Ehepaar, vor allem aber die Nähe zum Wald und zum Grün. "Ich bin halt so ein wenig ein Naturmensch", sagt der ehemalige technische Angestellte bescheiden. Schon als Kind hatte er gelernt, die Vögel im Wald zu unterscheiden, klar, dass er für seinen Garten Nistkästen bauen würde, damit Stare, Meisen und Dompfaffen dort in Ruhe brüten können: "Die Vögel werden doch sowieso immer weniger", sagt Heinz Distler, "ich beobachte das seit Jahren. Früher gab es noch so viele Rotkehlchen hier. Heute sieht man vielleicht mal eines."

Nachbarn fühlen sich gestört

Deshalb hängen am Carport, an der Hütte und am Pavillon, überall da im distlerschen Garten, wo die Vögel einen guten Zugang haben und vor Räubern wie Katzen geschützt sind, kleine Holzverschläge zum Brüten. Gut ein Dutzend sind es etwa, und sie werden seit Jahren fleißig genutzt, vor allem von Staren und Meisen: "Die kommen immer wieder, die wollen ihr festes Quartier", sagt Distler. "Ich habe mal einen Kasten versetzt. Was glauben Sie, was das für ein Stress für den Vogel war." Im Übri­gen sei er nicht der Einzige in Wildenfels, der den Vögeln Nisthilfen biete und sie das Jahr über füttere, "das machen andere auch".

Heinz Distler vor einem der Nistkästen in seinem Garten, in denen Stare, Meisen und Dompfaffen brüten. © Isabel Krieger


Doch nun fühlen sich Nachbarn von den Vögeln gestört. Im vergangenen Sommer forderten sie Heinz Distler auf, er solle einen Großteil seiner Nistkästen entfernen, da die Vögel stets über das Grundstück fliegen und dabei Wege, Terrasse und den Spielbereich der Kinder mit ihrem Kot verschmutzen würden. Distler reagierte erst einmal nicht, "es ist doch Unsinn, dass die Vögel immer die gleiche Strecke fliegen. Die kommen doch von überall her, das kann man jederzeit beobachten", sagt er. Auch an eine übermäßige Verschmutzung des benachbarten Anwesens durch die Vögel kann er nicht glauben und deutet auf seinen eigenen Garten: "Hier ist doch auch nichts verschmutzt. Und wenn mal unter einem Nistkasten Dreck ist, dann mache ich ihn halt weg."

Nachbarn schalten Rechtsanwalt ein

Doch nun schoben die Nachbarn nach: Vor vier Wochen erhielt Distler plötzlich ein Schreiben eines Laufer Rechtsanwaltes, in dem dieser ihn nicht nur aufforderte, einen Teil der Nistkästen aus seinem Garten zu entfernen, sondern wegen Verzuges, weil Distler der Aufforderung der Mandanten nicht nachgekommen sei, gleich noch eine saftige Rechnung über 413 Euro präsentierte. "Das kann und werde ich nicht zahlen", sagt Heinz Distler entsetzt.

In seiner Not wandte sich der 78-Jährige an die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes, die dem Vogelliebhaber umgehend recht gab: Nistkästen für Stare und Meisen zu entfernen, ist nach dem Naturschutzgesetz sogar verboten und kann mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro belegt werden. Das gilt auch außerhalb der Brutzeit.

Das Schreiben der Naturschutzbehörde hat Heinz Distler nun an den Rechtsanwalt weitergeleitet. "Ich hoffe, das geht gut aus. Wenn wir die Vögel nicht mehr füttern und sie nicht mehr nisten können, sterben sie doch irgendwann aus." 

Isabel Krieger

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