Sonntag, 18.11.2018

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Kunst aus bunten Scherben an Laufer Mittelschule

Fürther Mosaik-Künstlerin gestaltet Säulen an der Kunigundenschule - 22.06.2018 15:18 Uhr

Die Mosaikkünstlerin Iris Rauh mit einer von ihr gestalteten Säule an der Kunigundenmittelschule in Lauf. © Cichon


"Professionelles Fliesenzerdep­pern" nennt die 50-Jährige ihre Kunst scherzhaft. Denn natürlich muss erst einmal etwas kaputt gehen, damit man es neu zu einem bunten Kunstwerk zusammensetzen kann. So sind auch die goldenen Sterne der Europaflagge, der Frankenrechen oder das Wappen des Nürnberger Lands auf den Säulen am Pausenhof der Kunigundenmittelschule entstanden. Alles zusammengesetzt aus unterschiedlich großen, farbigen Fliesenstücken, ergänzt mit Kronkorken, Spiegelstücken oder Geschirrteilen. "Für die bayerische Säule musste sogar meine Lieblingstasse dran glauben", sagt Rauh und lacht.

Das Motto lautete: "Wir in Europa - Heimat Bayern". Denn das Bundesland feiert dieses Jahr 100 Jahre Freistaat und 200 Jahre Verfassung. Deshalb widmete die Künstlerin Bayern eine Säule, eine weitere ziert ein fränkisches Motiv und eine dritte ist zum Thema Europa gestaltet. Zusammen mit Schülern der Klasse Ü7 gestaltete sie außerdem eine Säule mit Fahnen europäischer Länder.

Wie entsteht ein Mosaik überhaupt? "Ich möchte kahlen Wänden eine Seele einhauchen", erklärt Rauh. Oft sitze sie mehrere Stunden davor und lässt sie erst einmal auf sich wirken. "Manchmal fühlt es sich so an, dass die Wände mit mir kommunizieren." Ihre Kunstwerke erzählen immer eine Geschichte, fährt sie fort. Das Thema und die Gestaltung des Mo­saiks müsse zum Ort passen, wo es später entsteht. Dabei spielt auch der Zweck des Gebäudes, das Umfeld und die Zielgruppe eine Rolle. Aber politisch wertfrei seien ihre Mosaike immer.

Zu Hause recherchiert die 50-Jährige Farben oder Schriften die zum Thema oder der jeweiligen Zeit passen. Am Computer entsteht dann ein Entwurf des Werks. Material findet sie entweder im eigenen Lager oder sie bekommt Sonderausführungen bei Fliesenhändlern. Aber auch ganze Geschirrbestände kommen zum Einsatz. Die Fliesen bearbeitet sie mit dem Hammer, feilt die Teile zurecht, bringt sie an der Wand an und dann wird verfugt.

Hundertwasser als Vorbild

Ihre Vorbilder sind Künstler wie Friedensreich Hundertwasser und Antoni Gaudí. Daran erinnern die Säulen vor der Kunigundengrundschule, die Rauh 2016 mit Schülern, Eltern und Schulleiterin Monika de Jesus-Hauber passend zum Laufer Karlsjahr gestaltet hat. Die Karlskrone etwa ist bunt und detailreich mit Fliesenteilen, Glassteinen oder Spiegelstücken versehen.

Mit dem Mosaik zur Bahngeschichte am Nürnberger Hauptbahnhof hat Iris Rauh den Durchbruch geschafft und sich auch international etwa bis nach Dubai einen Namen gemacht. Ihre großflächigen Werke, wie ein Brunnen im Freizeitbad "Fürthermare" oder ein durch die Wand brechender Linienbus am Fürther Hauptbahnhof, entstehen oft während des laufenden Betriebs in der Einrichtung. So kann man ihren Werken beim Entstehen und der Künstlerin bei ihrer Arbeit zusehen. Beobachter versetzt das immer wieder ins Staunen, erklärt sie. Sie vermutet, weil diese Technik heute nur wenige Künstler ausüben - und noch dazu kaum Frauen. Denn ihre Arbeit ist körperlich anstrengend: "Ich schufte wie ein Mann."

Warum nimmt man das dann überhaupt auf sich? "Ich lebe bei der Arbeit richtig auf", sagt Rauh. Außerdem gebe es ständig neue Herausforderungen, denn jedes Projekt ist einzigartig. Routine kehrt nie ein, so die Künstlerin. Eine Besonderheit ihrer Arbeit sind 3D-Effekte. Dazu klebt sie Teile des Mosaiks auf Hartschaummatten auf, so auch bei den goldenen Sternen der Europaflagge an einer der Säulen.

Spiegel sind wichtiges Element

Mit Spiegeln arbeitete sie bereits in ihrer Jugend, als sie kleine Mosaike auf LPs aufklebte. Dadurch bekämen ihre Werke Tiefe und der Betrachter wird ein Teil davon. Neben ihrer Arbeit im Gartenbau veranstaltete sie für ein Touristikunternehmen viele Jahre lang Mosaikworkshops in ganz Europa. Nachdem sie den Innovationspreis der Deutschen Bahn für das Mosaik im Hauptbahnhof bekommen hatte, trudelten immer mehr Aufträge ein und sie hängte ihren Job endgültig an den Nagel. "Ich wollte Künstlerin werden und frei werden." 

Anne Cichon

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