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Mittwoch, 19.09.2018

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Landfrauentag Lauf: Bauernfamilien gestalten Heimat

"Heimat ist dort, wo Freunde und Familie wohnen" - 13.03.2018 20:17 Uhr

Statt langatmiger Grußworte gab es eine lockere Talkrunde zum Auftakt des Landfrauentags in der gut gefüllten Aula der Laufer Bertleinschule. © Märtl


„Heimat ist nicht nur ein Ort, nicht nur eine Landschaft, nicht allein die Gemeinschaft all jener, die sie zu Hause nennen, sondern alles zusammen“, sagte Göller in ihrem Vortrag. "Heimat ist dort, wo Freunde und Familie wohnen, wo man sich geborgen und sicher fühlt, wo man sich auf den anderen verlassen kann, wo es einen starken Zusammenhalt gibt und man sich versteht." Heimat sei der Fels in der Brandung einer sich stetig ändernden Welt, ein sicherer Ort, an dem man sich zurückziehen könne, wenn man sich verloren fühlt. "Sie ist der Tank, aus dem man den eigenen Kraftspeicher wieder füllen kann, und damit auch ein wichtiger Teil von uns allen."

Tradition und Veränderung

Das eine Idealbild von Heimat gebe es aber nicht. Was Heimat ist, sei immer auch abhängig von individuellen Vorstellungen und Besonderheiten. Die Vielfalt, die dadurch entstehe, gelte es zu hegen und nicht dem Globalisierungswahn zu opfern. "Jeder Mensch ist Teil der Heimat und dafür verantwortlich. Unser aller Aufgabe ist es, das, was uns derart viel gibt, auch für die Nachwelt zu erhalten, indem wir es pflegen. Egal ob wir uns mit Bräuchen und Traditionen befassen oder ob wir durch die Landwirtschaft einen elementaren Beitrag zur Gestaltung beitragen. Wir alle pflegen einen Teil Heimat und was sie für uns ausmacht."

Göller machte aber auch deutlich, dass Heimat nur durch Veränderung wächst: "Sie kann und darf nicht abgeschottet in einer Vitrine zur Schau gestellt werden, sondern muss täglich gelebt und zelebriert werden." Deswegen brauche Heimat nicht Schutz, sondern Pflege.

Die Landwirtschaft übernehme diese Aufgabe seit Jahrhunderten und habe Heimat auf diese Weise geformt und zu dem gemacht, was sie heute ist, betonte Göller. In ihrer täglichen Arbeit gestalteten die bäuerlichen Familien die bayerische Kulturlandschaft und gäben dem Land ein Gesicht. ",Landwirtschaft schafft Heimat‘ ist deshalb nicht nur ein Slogan, sondern Ausdruck der Realität, dass Bäuerinnen und Bauern ein ganz wesentlicher Teil der Heimat sind."

Kreisbäuerin Marion Fischer (li.) und ihre Stellvertreterin Gerda Maußner (re.) dankten der Referentin des Landfrauentags, Landesbäuerin Anneliese Göller, mit einem Spezialitätenkorb aus dem Nürnberger Land. © Märtl


Bauernfamilien engagierten sich zudem besonders intensiv für das Dorfleben. Die Liebe zum eigenen Hof und die Verwurzelung im Dorf sorgten hier für einen besonders engen Bezug. Die Bauernfamilien seien deshalb eine große Stärke des ländlichen Raums und verlässliche Partner im Dorf. Die Verwurzelung der bäuerlichen Betriebe in der Heimat sei ein Juwel, das man nicht hoch genug schätzen könne.

Kreisbäuerin Marion Fischer zeigte sich in ihrer Ansprache erfreut über den guten Besuch der Landfrauen-Veranstaltung zu der sie eine ganze Reihe an Ehrengästen aus Kirche, Politik, Verwaltung, Behörden, Banken und Fachgremien willkommen heißen konnte. Viel Beifall von den Gästen in der proppenvollen Bertleinaula gab es für die Darbietungen des Landfrauenchors unter der professionellen Leitung von Susanne Wittekind.

Talkrunde statt Grußworte

Statt langer Grußworte gab es in diesem Jahr eine kurze Talkrunde mit Landrat Armin Kroder, BBV-Vizepräsident Günther Felßner, Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer, Laufs Bürgermeister Benedikt Bis­ping, Landtagsabgeordnetem Norbert Dünkel, Pfarrer Gerhard Metzger und Vorstandsvorsitzendem Manfred Göhring von der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht (die Raiffeisenbanken des Landkreises waren in diesem Jahr die Kuchenspender). Sie alle betonten ihre Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft im Allgemeinen und der Arbeit der Landfrauen im Besonderen. Gleichzeitig definierten sie ihr ganz persönliches Heimatgefühl.

Blick zurück

Dem Jubiläum "70 Jahre Landfrauenarbeit" war zum Abschluss eine besondere Gesprächsrunde gewidmet. Moderiert von der stellvertretenden Kreisbäuerin Gerda Maußner und Vorstandsmitglied Elke Fleischmann ließen die Urgesteine Erna Schlenk, Ingrid Kroder und Marilies Büchel an ihren Erinnerungen an aktive Zeiten teilhaben. Der allgemeine Tenor: "Uns hat es immer Spaß gemacht und wir möchten diese Zeiten nicht missen." Übereinstimmend stellten sie fest: "Wir sind mit der Arbeit gewachsen und haben Selbstvertrauen gewonnen."

Besonders stolz sind sie auf die vielfältige Bildungsarbeit der in ganz Bayern einmaligen Landfrauenzirkel aus dem Nürnberger Land. Verena Gottschalk, mit 31 Jahren die Jüngste in der Runde, war von so viel Freude an der Landfrauenarbeit sehr angetan und appellierte an die jungen Frauen vom Land "ob mit oder ohne Kuh" sich angesprochen zu fühlen und mitzumachen.

Mit Blumen dankten Fischer und Maußner den Teilnehmerinnen der Gesprächsrunde. BBV-Geschäftsführer Helmut Wolf, dem mit Irene Renner von der Geschäftsstelle ein ganz besonderer Dank für die Vorbereitung der Veranstaltung galt, brachte zum Ausdruck, dass ihm die Arbeit der Landfrauen immer sehr wichtig gewesen sei.

Landesbäuerin Anneliese Göller durfte sich abschließend über eine respektable Summe aus der Saalspende freuen, die für das Montags­telefon, "einer ganz wichtigen Einrichtung" in der Landfrauenarbeit, Verwendung findet. 

Lorenz Märtl

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