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Ottensoos: Historisches Kurhaus weicht Wohnanlage

Abriss des 114 Jahre alten Gebäudes ist beschlossene Sache - 17.02.2017 14:39 Uhr

Von außen schmückt es den Ort noch immer, der Zustand im Inneren sei "eine Katastrophe", sagt Bürgermeister Klaus Falk über das ehemalige Kurhaus. © Kirchmayer


Das entschied der Gemeinderat bereits im vergangenen Herbst. Leicht fiel die Entscheidung nicht, hatte Ottensoos doch jahrelang versucht, das historische Gebäude, das noch bis etwa 2010 bewohnt war, zu erhalten. "Es ist ein Ortsbild prägendes Gebäude. Wir sind sehr traurig, wenn es verschwindet", sagt der geschäftsleitende Beamte Jochen Häberlein. "Schade" findet es Bürgermeister Klaus Falk, dass das historische Kurhaus bald Geschichte ist, aber: "Wir haben uns als Gemeinde nichts vorzuwerfen, wir haben jahrelang alles versucht." 2009 wollte Ottensoos gar erwirken, dass das Kurhaus unter Denkmalschutz gestellt wird. Doch das Landesamt für Denkmalpflege lehnte ab - zur Überraschung und zum Bedauern Falks.

Wasserschaden und Hausschwamm verhinderten Sanierung

Danach suchte die Gemeinde einen Investor für eine Sanierung. Zwar fand sich ein Interessent, aber in der Zwischenzeit hatte ein Wasserschaden und ein darauf folgender Schaden am Gebälk durch den Befall von Hausschwämmen eine Sanierung nahezu unmöglich gemacht. "Von außen schaut es harmlos aus, innen ist es eine Katastrophe", versichert Falk. Die Kosten wären weit über jenen eines Abrisses und Neubaus gewesen, ergänzt der Bürgermeister. Deshalb scheiterte auch eine Sanierung seitens der Gemeinde selbst: Die hohen Kosten standen auch einer Maßnahme der Städtebauförderung im Weg. Letztlich gab es also einen Konsens im Gemeinderat, dass das marode Kurhaus, so ansehnlich es von außen nach wie vor sein mag, abgerissen werden muss.

Das Gebäude kurz nach seiner Erbauung auf einer Postkarte aus dem Jahr 1906.


1903 südlich der Bahnlinie erbaut und im Frühling 1904 eröffnet, bot das "Kurhaus Waldeck", wie es eigentlich heißt, Ausflüglern die Möglichkeit zur Rast samt Stärkung und Übernachtung. "Die Nähe zum Bahnhof und die Lage am Waldrand zwischen dem Ort und dem Felsenkeller war für Feriengäste ideal. Die nach der Eigenwerbung des Hauses "neuzeitliche" Einrichtung genügte den damals modernsten Ansprüchen", schrieb der Historiker Martin Schieber in seiner 2003 erschienenen Ortschronik "Ottensoos".

Neuer Wohnraum auf drei Ebenen

Das neue Gebäude, das anstelle des Kurhauses entstehen soll, ist allerdings nicht unumstritten. Neun Eigentumswohnungen und ein Stadthaus mit zusammen 1100 Quadratmetern Wohnfläche sind geplant. Bauherr ist eine Immobilienfirma aus Lauf. Zwar sind sich alle im Gemeinderat einig, dass Ottensoos dringend neuen Wohnraum braucht. Falk spricht von ständigen Nachfragen nach Wohnungen und Häusern in der Kommune. "Wir sind froh, dass dort wieder Wohnraum entsteht", so der Bürgermeister. Doch der Entwurf für ein dreistöckiges Gebäude mit Flachdach gefiel nicht allen. Mit neun zu fünf Stimmen wurde das Vorhaben letztlich durchgewunken.

"Es war auch mein Ziel, das Objekt zu erhalten und einen modernen Anbau zu machen", so Micha Apolczer, Geschäftsführer der zuständigen Laufer Wohnungsbaugesellschaft. Doch das Gebäude sei baufällig. Mehrere Architekten hätten ihm versichert, dass nur ein Abriss in Frage komme.

Jetzt liegt das Baugenehmigungsverfahren beim Landratsamt. Die neue Kreisbaumeisterin Alexandra Reinhart muss noch ihr Placet geben. Die Genehmigung für den Abriss des Kurhauses hat die Gemeinde bereits erteilt. Dass das 113 Jahre alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wird, ist also nur noch eine Frage der Zeit. 

Andreas Kirchmayer

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