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Die Pegelstände der Flüsse stiegen wegen des heftigen Regens in Rekordgeschwindigkeit. Die Mitarbeiter des Laufer Bauhofs waren vorbereitet. Weil der Wetterbericht überfrierende Nässe angekündigt hatte, rückten sie schon am Mittwochabend aus und streuten die Straßen im Stadtgebiet. Zum Einsatz kam dabei ausschließlich Salz, „vorsichtshalber“, wie Wolfgang Brübach von der Straßenverkehrsbehörde sagt. Und tatsächlich: Es wurde spiegelglatt, vor allem auf den Nebenstraßen, auf denen nicht viele Autos unterwegs sind.
Laut Polizeipräsidium ereigneten sich alleine im östlichen Mittelfranken über vierzig Unfälle, die auf die Witterung zurückzuführen sind. Auf der Straße zwischen Hormersdorf und Menschhof geriet der Fahrer eines Opel Omega am Hang ins Rutschen und stieß mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Er wurde leicht verletzt. Zwei Leichtverletzte gab es auch bei einer Kollision auf der Straße zwischen Schönberg und der sogenannten Himmelgartenkreuzung, zu der die Polizei gestern noch keine Details mitteilen konnte. Bei Veldershof kam ein BMW-Fahrer wegen der Glätte ins Schleudern. Er rutschte von der Fahrbahn in den Wald. Dabei entstand lediglich Sachschaden.
Verkehrschaos auch auf der A 9: Ein 21-jähriger Kraftfahrer aus Hessen hatte in der Nacht zu spät erkannt, dass kurz vor dem Parkplatz Wolfshöhe in Richtung Berlin mehrere Sattelzüge wegen der Witterungsverhältnisse nur mit verminderter Geschwindigkeit rollten. Er rammte das Fahrzeug eines 35-Jährigen und zog sich durch den Zusammenprall einen Knöchelbruch und Prellungen zu. Die Feuerwehr musste den Hessen aus seinem Führerhaus befreien. Die Bergung der beiden Lastwagen zog sich bis 8.30 Uhr hin, zwei Spuren der A 9 blieben gesperrt. Dementsprechend lang war der Stau im Berufsverkehr.
Mit Tagesbeginn verwandelte sich das Eis nach und nach in Matsch; der Regen hielt unverändert an. Weil der Boden vielerorts aber noch gefroren war, führte dies zu Überschwemmungen. In Lauf stand zunächst nur die Fußgängerunterführung am Bahnhof rechts der Pegnitz wegen eines verstopften Abflusses unter Wasser, aber in Hedersdorf musste am Abend eine Spur der Ortsdurchfahrt gesperrt werden. Dort lief der Osternoher Bach über seine Ufer. Etwa 30 Zentimeter war bei Redaktionsschluss das Wasser auf der Uhu-Straße hoch. Das Technische Hilfswerk lieferte Sandsäcke, die Feuerwehr stapelte diese an den Grundstücksgrenzen.
In Hedersdorf ist das Hochwasser vor genau einem Jahr noch gut in Erinnerung – damals war der Dorfplatz komplett überflutet. „So schlimm ist es noch nicht“, lautete die Einschätzung von Norbert Schlicht, Kommandant der Schnaittacher Feuerwehr, am Donnerstag gegen 17 Uhr. Aber viel Arbeit hatte er dennoch: Die Ehrenamtlichen mussten nach Osternohe ausrücken, wo ein Keller vollgelaufen war, und in den Rabenshofer und Kersbacher Weg nach Schnaittach. Dort ergossen sich viele kleine Sturzbäche vom Rothenberg.
Ähnlich die Lage in Freiröttenbach. Auch aus anderen Orten meldeten die Feuerwehren Einsätze: In Hersbruck stand der Plärrer unter Wasser, am Altensittenbacher Kreisel wurde die B 14 mit Sandsäcken vor einer Überflutung geschützt. Die Schwabach bei Büg überschritt gegen 15 Uhr die Meldestufe 4 und damit die höchste Warnmarke. Die Schnaittach blieb gerade noch in ihrem Bett. Wegen des heftigen Regens schwoll die Pegnitz bei Lauf in Rekordzeit an. Der Pegel stieg binnen fünf Stunden um fast 1,20 Meter, kurz vor 16 Uhr war Meldestufe 1 erreicht. 4,47 Meter lautete der Stand gegen 17 Uhr. Auswirkungen waren noch nicht zu spüren, die Karlstraße etwa blieb befahrbar. Die Schwarzach bei Rasch dagegen hatte eine Wasserhöhe von 3,32 Metern – normal im Winter sind hier etwa 1,90 Meter.
Das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg warnte am Nachmittag ausdrücklich vor Überschwemmungen auch in bebauten Gebieten. Regnet es heute weiter, dürfte sich die Situation vor allem im Schnaittacher Bereich zuspitzen. Die Vorbereitungen für den Kampf gegen das Wasser liefen am Donnerstag jedenfalls schon, auch wenn Kommandant Schlicht noch hoffte: „Vielleicht taut der Boden ja auf.“ Er wird den Wetterbericht in nächster Zeit genauso aufmerksam verfolgen wie die Mitarbeiter des Laufer Bauhofs. Verwandelt sich der Regen nämlich in Schnee oder gefriert er auf der Straße, dann sind sie und ihr Salz wieder gefragt.

