Mittwoch, 21.11.2018

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Rallye von Hamburg bis zum Nordkap und zurück

Ein Pärchen aus Schnaittachtal macht bei "Baltic Sea Circle" mit - 27.02.2018 11:56 Uhr

Mario Grummt und Franzi Pirner auf ihrem Chevrolet Suburban, der hier noch nicht komplett umgestaltet ist. Mit dem SUV wollen die beiden von Hamburg zum Nordkap und zurück fahren. Auch übernachtet wird im Auto. © Schug


Bei bis zu Minus 25 Grad Celsius im Auto schlafen, 7500 Kilometer in zehn Ländern ohne Navi auf Landstraßen zurücklegen – Franzi Pirner aus Schnaittach und Mario Grummt aus Simmelsdorf stellen sich einer besonderen Herausforderung. Die Rallye "Baltic Sea Circle", die von Hamburg über Skandinavien bis zum Nordkap und über Russland und das Baltikum wieder zurück in die Hansestadt führt, gibt es zwar schon ein paar Jahre. Allerdings im Juni, wo die Temperaturen um den Polarkreis rund zehn Grad Celsius wärmer sind als jetzt. Das Paar aus dem Schnaittachtal macht bei der "Winter Edition" der Rallye mit, die am 24. Februar startete.

Als große Abenteurer sind der 37-Jährige und die 28-Jährige bisher nicht in Erscheinung getreten. Pirner ist Friseurin und Inhaberin von "Rock your Hair" in Schnaittach. Ihr Partner hat zumindest beruflich etwas mit Autos zu tun. Er ist kaufmännischer Leiter eines Nürnberger Autohauses. Seine Leidenschaft gilt US-Autos.

Partnerin war sofort von der Idee begeistert  

Über Bekannte erfuhr Grummt von der außergewöhnlichen Rallye und war sofort Feuer und Flamme für die Idee. Auch seine Partnerin konnte er schnell für den außergewöhnlichen Trip begeistern. Auf Grummt und Pirner kommen anstrengende zwei Wochen zu. Das Paar muss in schwierigen Situationen als Team funktionieren. "Fahrer und Beifahrer müssen ständig zusammenarbeiten", sagt Grummt. Mit dem Fahren wollen sich beide abwechseln, der andere muss jeweils Karten lesen. "Das wird der erste große Test. Wir können uns ja nicht aus dem Weg gehen", sagt Grummt und lacht. Das Paar ist erst seit etwa einem halben Jahr zusammen.

Hilfe via Navi ist während der Reise tabu

Die Rahmenbedingungen haben es in sich: Nach dem Start in Hamburg geht es Richtung Norden durch Dänemark und Schweden, nach Lofoten und das Nordkap in Norwegen, ehe auf dem Rückweg Finnland, Russland samt St. Petersburg, die baltischen Staaten und Polen durchquert werden. Die Route ist zwar nicht haargenau festgelegt, die rund 7500 Kilometer dürfen aber nicht auf Autobahnen zurückgelegt werden.

Technische Hilfe via Navi ist tabu. Grummt findet das gut. "Das ist Auto fahren ohne Helferlein, zurück zur Basis." Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, an bestimmten Punkten Aufgaben zu erfüllen. Zum Beispiel muss man sich vor einem Denkmal fotografieren lassen. Bis 10. März müssen die Teilnehmer wieder in der Hansestadt sein.

Auto muss "Mindestalter" vorweisen

Das verwendete Auto muss mindestens 15 Jahre auf dem Buckel haben. Dabei gilt für die insgesamt 50 Teilnehmer nicht der Wettbewerbsgedanke, sondern eher die olympische Idee: Dabei sein ist alles. Gefahren wird in Grüppchen von drei bis fünf Autos. Das sei sicherer, sagt Grummt. Schließlich könne es schon einmal passieren, dass jemand wegen technischer Probleme nicht weiterkommt. Und dann alleine mitten im verschneiten finnischen Nirgendwo festzusitzen, kann bei Dauerfrost gefährlich werden.

Sich gegenseitig zu helfen sei Ehrensache. Der Wettbewerbsgedanke soll dann in den Hintergrund treten. "Es geht um das Erlebnis", sagt Grummt. Die anderen Teilnehmer kommen aus der ganzen Republik, andere auch aus Nachbarländern. Nicht nur Paare treten an, manche gehen auch mit Freunden auf Tour. Alleine fahren darf keiner. Mindestens zwei Personen pro Auto sind Pflicht.

Ungewöhnliches Auto für ungewöhnliche Reise 

Auto komplett umgebaut Für die ungewöhnliche Reise braucht es auch ein besonderes Auto. Seinen Chevrolet Suburban, einen amerikanischen SUV Baujahr 1999 mit 187 PS, hat Grummt komplett umgestaltet und "wintertauglich gemacht" wie er es ausdrückt. Aus einem Siebensitzer ist ein Schlafwagen geworden. Eingebaut hat er neben einer Liegefläche auch Dämmmaterial und eine Standheizung, um die kalten Nächte ohne Frostbeulen zu überstehen, einen Motorvorwärmer, um den Diesel auch bei eisigen Temperaturen zum Laufen zu bringen, spezielle Winterreifen, die sogar mit Spikes ausgestattet werden können, und Zusatzscheinwerfer. Zwar darf man laut Reglement auch in Hotels absteigen, das Paar will aber die meisten Nächte im Auto verbringen.

Der SUV ist vollgepackt mit Ausrüstung und Proviant. Decken, Schlafsäcke, zwei Ersatzräder, Werkzeug, Schneeketten, Abschleppseile, Fertignahrung, Brot, Kaffee, dazu "viel Red Bull, Schokolade und Dextro Energy", wie Grummt sagt. Etwa 500 Kilogramm Zusatzgewicht dürften es sein, schätzt der 37-Jährige. "Wir sind gut ausgerüstet und haben vollstes Vertrauen ins Material", bilanziert er. Und einen Vorteil haben auch die niedrigen Temperaturen: Einen Kühlschrank für Schinken und Co. brauchen die Teilnehmer nicht.

Warum auch ein Baseballschläger an Bord ist

Auch einen Baseballschläger haben die beiden eingepackt. "Wir versuchen, Gefahren zu vermeiden, indem wir in der Gruppe fahren", sagt Grummt. Die meisten Sorgen hat er nicht vor wilden Tieren oder Dieben, sondern davor, dass die Technik streikt oder das Auto im Schnee stecken bleibt. Doch sicher ist sicher. Die Tour kommt übrigens einem guten Zweck zugute. Jedes teilnehmende Team muss mindestens 750 Euro generieren, die gespendet werden. Die Hälfte des Betrags geht an die Arche. So will es der Veranstalter der Rallye.

Wer die restlichen 50 Prozent erhält, darf jedes Team selbst entscheiden. Pirner und Grummts Spenden gehen an den Nürnberger Ableger der Streetbunnycrew – Motorradfahrer, die in rosa Hasenkostümen soziale Projekte und Einrichtungen unterstützen. Aktuell läuft der Antrag auf Gemeinnützigkeit. Gesammelt wurde in Pirners Friseursalon – ein Euro pro Kunde ging in die Spendenkasse – und unter Grummts Kontakten in der Auto­branche.

Vergangenen Donnerstag sind die beiden nach Norddeutschland aufgebrochen, am Samstag fiel dann der Startschuss auf dem Hamburger Fischmarkt. Grummt und Pirner fieberten schon vorher dem Abenteuer entgegen. "Ich kann es kaum erwarten, loszufahren", sagte der 37-Jährige vor der Abfahrt. 

Andreas Kirchmayer

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