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"Roll over Bellhofen": Weit über 1000 Menschen mit dabei

Veranstalter sprechen von "vollem Erfolg" - Inklusion steht im Vordergrund - 20.09.2015 20:54 Uhr

1000 Menschen waren bei der neunten Auflage von "Roll over Bellhofen" am Großbellhofer Sportplatz dabei. © Udo Schuster


Das Festival, das keinen Cent Eintritt kostet, war wiederum ein voller Erfolg, so das Resümee von Hauptorganisator, Erwin Walter, der sich hauptsächlich um die Musikbands gekümmert hat. Die Integration vom Menschen mit Handicap stand bei diesem Open Air im Vordergrund. Unter Federführung von "Vereint e.V." war dieses Event gut durchorganisiert. Dies bemerkten auch die Männer vom Großbellhofener Gesangsverein die traditionsgemäß zur Eröffnung am Mittag ihr Liedgut stolz und mit kräftiger Stimme sangen.

Mit der Band "Headphone" standen gleich drei junge Musiker aus dem Nürnberger Land auf der Bühne. Ihre Stücke erinnerten an Größen in der Szene wie einst beispielsweise Rory Gallagher. Mit dem ersten Sound, "Love try", ging es gleich mal zur Sache. Im richtigen Leben haben die Bandmitglieder immer schon mit Menschen zu tun. Jochen , am Schlagzeug ist Erzieher, Kerstin (Bass) als Sozialpädagogin und letztlich Simon (Gitarre) arbeitet im Rettungsdienst. Seit November 2011 spielen sie eine fesselnde Mischung aus Eigenkompositionen mit ehrlichen, erdigen Rock 'n' Roll, bluesgetränkt und kraftvoll.

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"Roll over Bellhofen": Gelebte Inklusion dank Musik

Zum bereits neunten Mal fand "Roll over Bellhofen" an diesem Wochenende statt - und zum neunten Mal bezeichnen die Verantwortlichen die Veranstaltung als vollen Erfolg. Dort treffen Menschen mit und ohne Handicap aufeinander, musizieren und feiern gemeinsam.


2012 gewannen sie so den Bandwettbewerb des Kreisjugendrings Nürnberger Land. Zuvor standen sie aber auch schon auf der Rockbühne der Nürnberger Nachrichten. Angelockt durch diesen Musikstil  wurde eine Wandergruppe von ehemaligen Schulkameraden aus Nürnberg die auf dem Frankenweg unterwegs waren. Die  Mitvierziger folgten kurzer Hand dem Sound der auch auf dem Reisberg zu hören war. Eigentlich wollten die Männer noch Hersbruck erreichen jedoch hat das Festival ihren Zeitplan erheblich durcheinander gebracht. "Prima Organisation und Manni (ein Heimbewohner aus Simmelsdorf) war auch nett", sagte Frank der sich später noch eine CD von den Mädels gekauft hatte.

Neben den heimischen Gästen aus nah und fern, wie auch von der Lebenshilfe Lauf oder vergleichbaren Einrichtungen aus der Umgebung besuchte auch eine Gruppe aus Tschechien diese besondere Spätsommerparty auf dem Großbellhofener Sportplatz. Die Moderatoren des Nachmittages, Lydia Taylor und Peter Gail, den alle nur unter „Banana“ kennen kündigten den mit Spannung erwarteten Auftritt der Heimbewohner aus dem Schnaittachtal an.

Mit spielerischer Leichtigkeit und so mancher Überraschung

Eine Tai-Chi Vorführung die Rüdiger Schramm mit den Bewohnern aus dem Oberland einstudiert hat war vor allem für die Akteure ein Highlight. Einige aus der Gruppe waren so aufgeregt und hatten Lampenfieber das diese erst überredet werden mussten nun doch mit zu machen. Der öffentliche Auftritt ist schon ein Höhepunkt für diese Menschen die zum Teil seit Jahrzehnten im Heim leben.

Mit Carina Schwertner und Anne Stabe stand "Oh Lonesome Me" auf der Bühne. Die beiden jungen Berlinerinnen zeigten dem Publikum wie Klangwelten entstehen können. Mit ihrer spielerischen Leichtigkeit zusammen mit der vielseitigen Instrumentierung und einem harmonischen Gesang zeigten sie das da noch einiges möglich sein wird um für Überraschungen zu sorgen.

"Der Gedanke der Integration war in Großbellhofen deutlichst zu spüren"

Dies gefiel Bernhard Höllerer der vor über 40 Jahren als Zivildienstleistender in einer Behinderteneinrichtung seine Dienstzeit freiwillig verlängert hatte. "Der Gedanke der Integration war in Großbellhofen deutlichst zu spüren, dies ist für Menschen die ansonsten wenig Kontakte um Umfeld haben enorm wichtig", meint der Osternoher.

In der Region und darüber hinaus gut bekannt ""Cisco Pikes" aus Nürnberg. Mit British Punkrock aus den späten 70er Jahren holten 5 gestandenen Musiker die Londoner Szene nach Bellhofen. In der Ankündigung durch Banana, "sie spielen sich selbst an die Wand", konnte man schon erwarten das nun eine nicht alltägliche Band folgt. Frontman Mark Lee aus England, nun aber mit fränkischer Verbundenheit, perfektionierte den Auftritt der Band die in dieser Zusammensetzung erst seit einem Jahr besteht.

Mit Vladiwoodstok trifft Polka auf Beat, eine eigenwillige jedoch herzliche Mischung aus Pop, Punk und Walzer. Bei Vladiwoodstok fließt fränkischer Humor in traumhaft lockere englische Texte die der gewichtige Frontman Vladi Iglu Hautawekk in seiner eigenen Art vermittelt. Vladiwoodstok spielt Ompa Twang Polka. Vor der Bühne erlebte man soziale Inklusion wie es hautnaher nicht sein konnte, die Melodien gingen ins Ohr und die Rhythmen in die Beine.

Das Festival will über den musikalischen Anspruch hinaus die Integration von Menschen mit geistiger Behinderung fördern und dies ist wiederum gelungen. Vielleicht half ja auch der Dirigent der Loewschen Einrichtung, Guido Winter, mit seiner unverkennbaren Schirmmütze.
  

Udo Schuster

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