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Schnaittachtalbahn: Die Strecke war eigentlich schon tot

Dominik Sommerer erzählt die Erfolgsgeschichte der IGE - 03.09.2017 15:08 Uhr

Der Schnaittacher Bahnhof ist der wichtigste Haltepunkt auf der Strecke ins Schnaittachtal. © PZ-Archiv


Sie war eine Bimmelbahn mit maroden Bahnhöfen und veralteten Zügen. Es ist das Verdienst der Interessengemeinschaft Schnaittachtalbahn (IGE), dass sich das geändert hat. Deren langjähriger Vorsitzender Dominik Sommerer hat nun ein Buch über die "Bahnrebellen" geschrieben.

1996 reichte es den Bewohnern des Schnaittachtals. Auf ihrer Bahnstrecke sollte ein bisher stets gut besetzter Pendlerzug aus Kostengründen gestrichen werden – und das, obwohl die Politiker erst ein Jahr zuvor, zum 100. Jubiläum der Schnaittachtalbahn, in ihren Festreden versprochen hatten, das Angebot sogar noch auszubauen.Stattdessen: ein Sterben auf Raten. Immer weniger Züge verkehrten bereits ab Mitte der Achtziger auf der Nebenstrecke.

Wer mit dem Zug zur Arbeit pendeln wollte, brauchte viel Zeit und starke Nerven. "Zwei Drittel der Fahrgäste wollten nach Nürnberg, aber alle Züge endeten erst einmal in Neunkirchen, wo Umsteigen angesagt war", erinnert sich Dominik Sommerer, der direkt gegenüber der Endstation in Simmelsdorf aufgewachsen ist. Vor allem am Morgen und am Abend herrschte Enge in den veralteten Zügen. Die Bahnhöfe verfielen.

Schnaittachtalbahn: Die Geburt der IGE

Schon in jungen Jahren engagiert: Dominik Sommerer © Privat


Eine Bürgerinitiative wollte das nicht länger hinnehmen. Die Interessengemeinschaft Schnaittachtalbahn (IGE) war geboren, sie hatte sieben Gründungsmitglieder. Sommerer war damals zwar erst 15 Jahre alt, aber hochengagiert. Als Gymnasiast pendelte er jeden Tag nach Lauf und bekam die Zustände so hautnah mit. Heute ist er 36 Jahre alt, Verkehrsfachwirt, und berät Eisenbahn­unternehmen. Ein Bahn-Enthusiast also, der bereits mit zwölf Jahren Briefe an den Konzern schrieb.

In seinem Ende Juli erschienenen Buch ("Die Bahn-Rebellen vom Schnaittachtal") blickt Sommerer zurück auf die Entwicklung seit Gründung der IGE. Der 36-Jährige, der inzwischen in Heroldsberg wohnt, zieht eine Erfolgsbilanz: Heute fahren zumindest wochentags stündlich Züge von und nach Nürnberg. Ohne Umsteigen gelangt man so in gerade einmal 35 Minuten zum Hauptbahnhof.

Noch vor zwanzig Jahren dauerte die gleiche Fahrt 50 Minuten. Die Züge wurden modernisiert, die Bahnhöfe im Rahmen des Konjunkturprogramms hergerichtet. Auch der historische Schnaittacher Bahnhof hat inzwischen einen neuen Besitzer gefunden und soll zu einer Bankfiliale umgebaut werden. Damit wäre der letzte "Schandfleck" beseitigt. Sommerer: "Eine unendliche Geschichte geht langsam zu Ende."

Zweites Gleis ist Geschichte

Nicht verhindern konnte die IGE allerdings, dass das zweite Gleis in Simmelsdorf und Schnaittach abgebaut wurde. Mehr als der jetzige Stundentakt ist damit nicht möglich, weil eine Ausweichmöglichkeit im Begegnungsverkehr fehlt. "Wir konnten aber erreichen, dass die Trasse freigehalten wird", sagt der frühere IGE-Vorsitzende Sommerer. Das sei wichtig, sollte die Schnaittachtalbahn an das Nürnberger S-Bahn-Netz angeschlossen werden. Eine Zukunftsperspektive? "Wichtiger ist mir, wie das Angebot aussieht", sagt Sommerer.

Für eine S-Bahn bis nach Simmelsdorf gibt es daneben eine zweite wichtige Voraussetzung: die Elektrifizierung. Auf der Hauptstrecke rechts der Pegnitz von Nürnberg nach Marktredwitz, auf der bislang Dieselloks fahren, ist diese im aktuellen Bundesverkehrswegeplan bereits als vordringlich eingestuft.

Doch für die Schnaittachtalbahn ist nicht der Bund, sondern der Freistaat zuständig. Er müsste mitziehen. Sommerer wirbt schon einmal dafür. Die Kosten für den Dieselbetrieb seien viel höher, die Elektrifizierung lohne sich also.

Dominik Sommerer: Die Bahn-Rebellen vom Schnaittachtal. Books on Demand (BoD), 176 Seiten, 95 Abbildungen. ISBN-Nummer: 978-3-7448-1765-3. Auch als E-Book erhältlich (ISBN-Nummer: 978-3-7448-6255-4). 

Andreas Sichelstiel

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