Dienstag, 20.11.2018

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Spende für "animal emotion": Pferdetherapie für Blinde

Rotary Club unterstützt Projekt mit 3000 Euro - Pferde als Medizin - 20.05.2018 14:56 Uhr

Matthias Benk übergibt die Spende der Rotarier an Mechthild Gahbler. © Mock


Chinasa und Lilli sind aufgeregt. Sie jauchzen, freuen sich auf die Pferde. Die gummierten Räder ihrer Rollstühle knirschen auf dem festen Schotterboden des Reiterhofes, als sie sich zusammen mit ihrer Wohngruppe aus dem Rückersdorfer Blindeninstitut auf den Weg zur Koppel machen. Aber mit dem Rollstuhl zum Pferd? Kann das funktionieren? Reittherapeutin und Erzieherin Jessica Bayer ist davon überzeugt. Sie hat einen neuen Ansatz für junge Menschen entwickelt, denen es aufgrund ihrer mehrfachen Behinderung nicht möglich ist, selbst aufs Pferd zu steigen.

"Mein Projekt ‚animal emotion‘ umfasst die Reittherapie für sehr schwache und nicht mobile Kinder, die fast immer im Blindeninstitut leben und kaum Freizeitaktivitäten außerhalb haben", erklärt sie ihr Vorhaben. "Für die Kinder ist es eine super Abwechslung zum Alltag." In dem Projekt nehmen sie Kontakt zum Pferd auf, beobachten und streicheln es. Putzen, Füttern und Führen gehören ebenfalls zum Programm. Das regelmäßige Zusammensein mit Tieren fördere die soziale, körperliche und geistige Entwicklung der Jugendlichen und bedeute eine Verbesserung ihrer Lebensqualität, sagt Bayer.

Keine Kassenleistung

Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für therapeutisches Reiten nicht. Eine dauerhafte Förderung der Spezialtherapie übersteigt jedoch die finanziellen Mittel des Blindeninstituts und der Eltern. Dass "animal emotion" trotzdem startet, ist den örtlichen Rotariern zu verdanken. Die Spende von 3000 Euro des Vereins an das Blindeninstitut ermöglicht es der Schule, ihr Angebot um die neue Reittherapie zu ergänzen. "Das liegt mir sehr am Herzen", sagt der aktuelle Präsident des Rotary Clubs Nürnberger Land Matthias Benk bei der Übergabe der Spendenurkunde. Aufgeräumt schüttelt er die Hand von Institutsleiterin Mechthild Gahbler, die die Spende dankend entgegen nimmt.

Lilli kümmert nicht groß, was sich Geschäftliches hinter ihr abspielt. Sie ist beschäftigt und glücklich. Das große braune Pferd, das sie am Führstrick hält, ist ganz sanft und vorsichtig in ihrer Gegenwart. Jeder, der die beiden beobachtet, kann keine Zweifel haben: Reittherapie funktioniert ganz ausgezeichnet, auch wenn der Betreffende im Rollstuhl statt im Sattel sitzt. 

Magdalena Mock

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