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Tadano Faun stellt Erweiterung in Neunkirchen vor

300 neue Jobs sollen auf dem Areal geschaffen werden - 31.05.2017 13:00 Uhr

Bei Tadano Faun in Neunkirchen arbeiten nach eigenen Angaben rund 800 Beschäftigte. Der Kranhersteller will am Standort wachsen, das Schulholz liegt in direkter Nachbarschaft. © Andreas Kirchmayer


Über 100 Bürger waren am Dienstag in die Aula der Neunkirchener Grundschule gekommen, um sich über die Pläne für die Erweiterung des Tadano-Areals zu informieren. Unter den Zuhörern waren neben Anwohnern und Kritikern auch eine Reihe von Mitarbeitern des Kranproduzenten. Auf einem Großteil des 15 Hektar großen benachbarten Waldstücks möchte sich der bislang größtenteils auf Laufer Gebiet am Faunberg ansässige Kranhersteller zukünftig ausbreiten. Dabei äußerten sich neben Alexander Knecht, Vorsitzender der Geschäftsführung der Maschinenbaufirma, auch die Neunkirchener Bürgermeisterin Martina Baumann, der Landschaftsarchitekt Guido Bauernschmitt vom Planungsbüro Team 4 und der Pfarrer Josef Renner.

Pfarrer gibt „grünes Licht“

Das Waldstück zwischen dem bestehenden Tadano-Werk im Westen, der B 14 im Süden, der Kläranlage Schnaittachtal im Osten sowie der Bahnlinie und einem Wohngebiet im Norden gehört der katholischen Kirche. Pfarrer Renner begründete die Bereitschaft, das Areal an Tadano Faun zu verkaufen, mit einer „Güterabwägung“. Der Schutz der Natur stehe dem Schutz von Arbeitsplätzen gegenüber. „Die Kirchenverwaltung hat sich dafür entschieden, für den Erhalt der Arbeitsplätze einzustehen“, brachte der Geistliche das Ergebnis zum Ausdruck. Implizit meinte er damit: Den Wald aufzugeben sei besser als in Kauf zu nehmen, dass die Firma umzieht. Er gebe „grünes Licht“.

Knecht erläuterte, wie flächenintensiv die Produktion von Kränen sei, vor allem, weil das Laufer Werk in die Großkranfertigung einsteigen wolle. Darunter seien Kräne mit einem Gewicht von 600 Tonnen, die entsprechend Platz brauchten. Für den sogenannten „ATF 600“ müsse unter anderem eine größere Lackiererei gebaut werden, denn das Vehikel passe nicht in das bestehende Gebäude. Auch mehr Lagerflächen und neue Kapazitäten für Stahlbau und das Reparaturgeschäft seien vonnöten. Ohne eine Erweiterung gehe es nicht.

Der konkrete Platzbedarf in dem 15 Hektar großen Areal wurde auf der Veranstaltung nicht angesprochen. „Wir bräuchten auf jeden Fall zehn bis zwölf Hektar“, so Knecht im Gespräch mit der PZ. Für Planung, Kauf des Grundstücks und Ausbau aller Gewerke sind laut dem Tadano-Faun-Geschäftsführer rund 50 Millionen Euro eingeplant. Knecht rechnet damit, dass es fünf bis sieben Jahre dauern wird, ehe das neue Werksgelände fertiggestellt ist.

Dann dürften laut dem Firmenchef 300 bis 350 neue Arbeitsplätze in allen Bereichen entstehen, „im Stahlbau, in der Montage, im Finish-Bereich, also Abnahme und Lack, in der Verwaltung“. Dass der Kranhersteller auf halber Strecke einen Rückzieher macht, sei ausgeschlossen. „Wir haben hier schon sehr viel investiert, die Firma entwickelt sich sehr positiv“, so Knecht. „Das Gesamtvorhaben ist intensiv mit dem Mutterunternehmen abgestimmt.“ Interessierte Bürger lud er zu einer Werksbesichtigung Ende Juni ein.

„Tadano Faun hat eine Anfrage zur Erweiterung gestellt, die Kirche und der Gemeinderat stehen dem Projekt offen gegenüber“, so Baumann. Die Gemeinde sei bereit, einen Plan für ein Gewerbegebiet zwischen B 14 und Bahn aufzustellen. In einer nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung zu diesem Thema habe sich keiner der Räte gegen das Vorhaben positioniert, so die Bürgermeisterin im Gespräch mit der PZ.

Bürger sollen mitreden

Die Bürgermeisterin betonte, dass sich die Gemeinde dafür entschieden habe, die Bürger „einzubinden, noch bevor der erste Strich für einen Entwurf gezeichnet wurde“. Dafür stehe nicht nur der Informationsabend selbst, sondern auch eine sogenannte Planungswerkstatt: Am 7. Juli, einem Freitag, treffen sich Verwaltungsmitarbeiter der Gemeinde, Kirchenvertreter, Bürger und möglichst auch Vertreter des Bund Naturschutz. Neunkirchener, die sich für eine Teilnahme interessieren, können sich bei der Gemeinde melden. Sollten es zu viele Interessenten geben, wird gelost.

Guido Bauernschmitt vom Planungsbüro Team 4 aus Nürnberg, das von der Gemeinde für das Projekt beauftragt worden ist, erklärte die Vorgehensweise bei Bauvorhaben. Er betonte, dass es sich um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan handele, also ausschließlich für die Firma Tadano Faun geplant werde. Das heißt: „Wenn das Vorhaben nicht realisiert wird, entfällt der Bebauungsplan wirkungslos“.

Lärmschutz durch Hallen?

Der Landschaftsarchitekt pflichtete Knecht bei, dass eine Erweiterung des Firmen­areals des Kranherstellers nur auf dem Schulholz-Gelände möglich sei. Auch auf die rechtlichen Vorschriften ging er ein, etwa den Lärmschutz, der seitens der Firma gewährleistet sein müsse. So sollen lärmintensive Tätigkeiten in dem künftigen Gewerbegebiet eher nahe der B 14 ausgeführt werden. Umgekehrt könnten durchdacht platzierte Hallen mehr zum Lärmschutz von der B 14 beitragen, als es aktuell der Wald tue, so der Landschaftsarchitekt. Ein Teil des Waldgebietes, so Bauernschmitt, solle aber in jedem Fall erhalten werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab Martina Baumann das Wort an die Bürger weiter. Unter anderem wurde die Frage gestellt, wie viele der aktuell rund 800 Mitarbeiter von Tadano aus Neunkirchen kämen. Über die Hälfte der Belegschaft sei aus dem Umland, also Neunkirchen, Lauf, Schnaittach und Umgebung, so Vorstandsmitglied Rolf Sonntag. Die Zahl der Neunkirchener schätzte er auf 50.

Und wo würden Ausgleichsflächen für die Abholzung des Waldes entstehen? Das stehe noch nicht fest, so Landschaftsarchitekt Bauernschmitt. Eine Aufforstung müsse „nicht zwingend“ in Neunkirchen stattfinden. Der in Frage kommende Verdichtungsraum gehe bis Nürnberg oder Hersbruck. Auf Nachfrage der PZ versicherte Bürgermeisterin Martina Baumann, dass sie sich zumindest zum Teil für Aufforstungen im Gemeindegebiet einsetzen werde.

Ein Mitglied des MC Frankenjura erkundigte sich, ob das mitten im Waldstück gelegene Trainingsgelände des Motorradclubs erhalten werden könne. Er wurde enttäuscht. Es sei maximal denkbar, dass das Areal im Schulholz verlagert wird.

Auch Peter Birkel, ein Neunkirchener, der sich vor rund 20 Jahren erfolgreich gegen Pläne für ein Gewerbegebiet an gleicher Stelle eingesetzt hatte, äußerte sich. Er bezog sich auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2000, das das Waldstück damals vor der Abholzung bewahrte. Ein Anwohner hatte gegen die Pläne der Gemeinde geklagt.

Er kenne den Vorgang, so Tadano-Faun-Geschäftsführer Knecht. Damals seien Verfahrensfehler und Formfehler des Bebauungsplans dafür verantwortlich gewesen, dass das Gewerbegebiet scheiterte. Baumann sprang ihm bei und betonte, deshalb habe man mit Guido Bauernschmitt vom Team 4 einen Experten im Boot, der sich in rechtlichen Fragen sehr gut auskenne. Der Planer selbst äußerte sich optimistisch, dass das Vorhaben notfalls auch vor Gericht standhalten würde. Birkel wiederum kündigte an, dass erneut ein Anwohner gegen das Vorhaben klagen könne.

Zur Planungswerkstatt am Freitag, 7. Juli, um 14 Uhr kann man sich per Mail an info@neunkirchen-am-sand.de, telefonisch unter 09123/971724 oder persönlich im Rathaus im Vorzimmer der Bürgermeisterin anmelden. Bei mehr als 30 Interessierten werden die Plätze verlost. Anmeldeschluss ist der 9. Juni 2017. Die Firma Tadano Faun lädt am Samstag, 24. Juni, um 8.15 Uhr zu einer rund zweistündigen Werksbesichtigung ein. Eine schriftliche Anmeldung ist notwendig. Bögen für die Werksführung liegen im Rathaus im Einwohnermeldeamt aus. 

Andreas Kirchmayer

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