Freitag, 16.11.2018

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Theatergruppe Spies begeistert mit historischem Stück

Laientheatergruppe führte Spiel zu Zeiten des 30-jährigen Krieges auf - 06.06.2018 18:04 Uhr

Die Laientheatergruppe begeisterte mit einem lebendig gespielten Stück. © Udo Schuster


Initiator Markus Böse ist stolz auf seine Truppe, der er einiges Abverlangte. Man spürte in den Auftritten das Herzblut der jeweiligen Akteure von Anfang bis zum Ende. Das Stück hätte mehr Aufmerksamkeit und Gäste verdient.

Die Idee dazu hatte Markus Böse der auch im Arbeitskreis der historischen Geschichte der Stadt Betzenstein sehr aktiv mitarbeitet. Er, der auch die Texte verfasste, sich um die Inszenierung kümmerte, Regie führt und gleichzeitig als Markgraf mitspielt, hat durch sein fundiertes geschichtliches Wissen ein lebendig gespieltes Stück in den altehrwürdigen Burgstall gebracht.

Wer in Heimatkunde nicht so stark bewandert ist lernte dabei auch kleinere Orte wie beispielsweise Reingrub kennen. Bereits auf dem Weg zum Burgstall findet der Besucher an sechs Säulen Eckdaten und Geschichtliches aus den angrenzenden Orten um den vor 400 Jahren entstandenen Krieg.

Truppendurchzüge in Franken

Die Handlung spielt im Jahr 1632; es war der Beginn von unzähligen Truppendurchzügen in Franken. Höhepunkt war die Belagerung Nürnbergs durch die Schweden und die anschließende Schlacht an der Alten Veste bei Zirndorf. Exzesse von Söldnern, Plünderungen von marodierenden Truppenteilen oder Deserteuren und vor allem Krankheitsepidemien, die Typhus, Fleckenfieber oder die Pest brachten, sorgten für ein lang andauerndes Leiden der Bauern in Franken.

Anfänglich ein Krieg, der sich an den gegensätzlichen Interessen der katholischen Liga und der protestantischen Union entzündet. Beginnend mit dem Prager Fenstersturz und dem böhmischen Aufstand, erfasst dieser Flächenbrand halb Europa. Auch die Spieser und die Bevölkerung aus den umliegenden Dörfern leiden massiv an Truppendurchzügen von Söldnern aller Herren Länder.

Aus den Erfahrungen vieler erlebter Plünderungen verstecken sich die Bewohner der umliegenden Orte auf der Ruine Spies. Meistens wird zwar nur im Dorf geplündert, aber einzelne Streiftrupps kommen auch immer wieder auf die Burgruine. Nur glückliche Umstände sorgen dafür dass die Schutzsuchenden immer wieder davonkommen.

Unter der Aufsicht von Ursula (Annette Böse), einer Spieserin, die in den Kriegswirren ihre komplette Familie verloren hat, verbringen die Dorfbewohner die meiste Zeit in ihrem Versteck unter ständiger Angst vor den Soldaten. Da ist Michael (Georg Fenzel), ein ausgedienter Söldner und Margaretha (Maike Gubitz), eine junge Frau aus dem Dorf. Auch Catharina (Kerstin Hofmann) eine Frau, die von allen am meisten erdulden musste und seitdem etwas einfältig ist, sowie die Kinder Thomas und Anna (Moritz u. Emily Bammler), deren Eltern an der Pest gestorben waren.

Zuflucht auf Ruine

Selbst Maria (Katja Hofmann), eine Frau aus dem bayerischen Reingrub, die dort vor der Rekatholisierung der Rothenberger Truppen geflohen ist, hat auf der Ruine Zuflucht gefunden. Unbestrittener Liebling der Ruinenbewohner ist aber Elisabeth (Evi Schnurrer). Diese kennt alle Pflanzen und Kräuter der Gegend und versteht daraus herrliche Speisen zu zaubern und wird somit zur Lebensretterin der Anderen.

In ihrer Not sammelt sie Haselnußblätter und kocht diese und mit Birkenrinde auf. Und der Ruf als Wunderköchin, den Elisabeth hat, verbreitet sich. So bringt Henning von Wilmersdorf (Wolfgang Schleifinger), Amtmann auf Riegelstein, der einen Auftrag beim Markgrafen in Bayreuth hat, seine Frau Maria Elisabeth (Anne Grubmüller) auf die Ruine, da er sie in der Ortschaft Riegelstein nicht in Sicherheit weiß. Nur leider passt die vornehme Amtmännin so gar nicht zu den Ruinenbewohnern. Nur Michael scheint von ihrer Anwesenheit begeistert und beginnt auch gleich, seine ganzen Erlebnisse zum Besten zu geben. Dies wiederum missfällt Ursula und so kommt es zu Spannungen unter den beiden Frauen.

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Historisches Theaterstück begeistert Publikum in Spies

Das Stück "Birkenrinde auf Haselnussblättersud" der Laientheatergruppe Spies feierte Premiere. Es spielt zu Zeiten des 30-jährigen Krieges, als auch der kleine Ort bei Schnaittach von Truppendurchzügen und Krankheiten gebeutelt wurde.


Zu allem Überfluss wird Barbara (Erika Erber), die Bäuerin aus Riegelstein, die Henning und seine Frau zur Ruine gebracht hat, auch noch krank. Erschwerend kommt hinzu, dass die Soldaten- und Söldnerdurchzüge anhalten. Meistens wird zwar nur im Dorf geplündert, aber einzelne Streiftrupps kommen auch immer wieder auf die Ruine. Nur die Weltgewandtheit von Michael und den Frauen ist es zu verdanken das die Soldaten immer wieder von der Ruine abzogen.

Und es gibt noch Heinz (Michael Lades), einen der letzten verbliebenen Bauern in Riegelstein. Heinz beschließt, sich den markgräflichen Soldaten anzuschließen, um wenigstens etwas Geld zu verdienen. Wenn der Krieg zu Ende ist, möchte er damit zusammen mit seiner Liebsten, der Wunderköchin Elisabeth, eine Familie gründen. Doch die möchte nicht, dass ihr Heinz Soldat wird und an all den Exzessen, die sie so oft erleben, teilnimmt. Heinz sieht aber keine andere Wahl und so wird er Soldat.

Zwischenzeitlich versucht Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth (Markus Böse), Landesherr der Spieser, sein kleines Land durch die Kriegswirren zu steuern. Lange schaffte er es, neutral zu bleiben. Doch kaum hat er sich auf die Seite des protestantischen Schwedenkönigs Gustav Adolf geschlagen, wird Wallenstein wieder zum kaiserlichen Feldherr ernannt. Und dann liegen sich derer beider Heere bei Nürnberg gegenüber, was auch fatale Auswirkungen auf das markgräfliche Amt Spies hat, denen der Markgraf nur hilflos zusehen kann.

Zweiteilige Bühne

Die Laienschauspieler aus Spies und einigen benachbarten Orten versetzten das Publikum durch dieses historische Spiel, auch durch die Kulisse im wild romantischen Felsenhof der einstigen Burg, problemlos in die Zeit des 30-jährigen Krieges hinein. Es gibt eine zweigeteilte Bühne. Die Ruine Spies, die Not und Elend der Landbevölkerung zeigt und daneben die Schreibstube, in welcher der Markgraf versucht die politische Situation zu meistern.

Im Sommer haben die Schauspieler ihre Texte erhalten und in den letzten Wochen vor der Prämiere folgten viele Proben. Kleider mussten genäht werden, Schminkpläne erstellt und vieles weiter notwendige veranlasst werden. Die Stunden dafür darf man nicht zählen, berichtet Böse, der fast das ganze Dorf - inklusive der eigenen Familie - mit eingeplant hat. Sei es bei der Technik oder am Imbiss viele helfende Hände waren nötig.

In den Reihen des Publikums fanden sich einige Stadträte aus Betzenstein, aber auch Markträte samt dem zweiten Bürgermeister Karlheinz Lang aus Schnaittach. Letzterer, der zum ersten Mal diese Örtlichkeit am Schloßberg betrat, war genauso wie Brigitte Anders, Vorständin von der Hüttenbacher Theatergesellschaft, begeistert von dem Laienspiel. "Für mich ist dies historisch erstklassig arrangiert", sagt der Schnaittacher Bürgermeister.

Mit einer Radtour von Speikern nach Spies verbanden Christine und Ernst Melchner ihr Theatererlebnis. "Unglaublich was die Theatertruppe hier zum Besten gab. Das muss man einfach gesehen haben", schwärmt der Speikerner. Die älteste im bunt gemischten Publikum war die 84-jährige Spieserin Hanna Hahn die stolz war das ihre Enkelkinder hier Theaterrollen übernahmen. Bei Eintritt der Dunkelheit war ein beleuchteter Weg hinunter ins Dorf auch für die Seniorin hilfreich.

Weitere Aufführugnen folgen

Der Eintritt ist frei. Eine Spende für die Theatergruppe, welche dadurch auch ihre Unkosten zum Teil mit finanziert, ist erwünscht. Zu Beginn und in der Pause werden Getränke und ein kleiner Imbiss angeboten. Die kleine Naturbühne ist im Burgstall zu finden und liegt nur wenige Meter oberhalb des Spieser Spielplatzes am Berg. Hier besteht auch eine Parkmöglichkeit. Nur noch am nächsten Wochenende finden Aufführungen statt. Freitag 8.Juni, Samstag 9.Juni, Sonntag 10.Juni. Beginn ist Freitag und Samstag jeweils um 19.00 Uhr. Am Sonntag beginnt die Vorstellung bereits um 16.00 Uhr. 

Udo Schuster

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