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Verspätete S-Bahnen frustrieren die Ottensooser

Peter Gebhard protokolliert seit einem Monat S-Bahn-Verspätungen - 26.02.2016 15:14 Uhr

Das Warten auf die verspätete S1 ist für viele Ottensooser laut den Aufzeichnungen von Peter Gebhard in den ver­gangenen Wochen fast schon zur Normalität geworden. © Horst Linke


Peter Gebhard ist frustriert. „Das ist Leistungsverweigerung“ sagt er und meint damit eine ganze Reihe von Verspätungen und Ausfällen der S-Bahn-Linie 1 am Ottensooser Bahnhof. Oft fünf, zehn, aber auch bis zu 40 Minuten zu spät kämen die Nahverkehrszüge, zwei- bis dreimal pro Woche fielen S-Bahnen ersatzlos aus.

Gebhard weiß das, weil er die Verspätungen eine Woche lang intensiv protokolliert hat, weil er sich mit Bekannten über deren Erfahrungen ausgetauscht hat und auch im Internet recherchiert hat. Über die Verspätungen hat er eine detaillierte Excel-Tabelle angelegt. „Das zieht sich seit Wochen und Monaten“, vor allem zwischen 6.40 und 7.40 Uhr, sagt er. Dann also, wenn die S-Bahn für Pendler wichtig ist, um zur Arbeit, zum Ausbildungsplatz oder zur Schule zu kommen. Zumindest sollte es so sein.

Gebhard sammelt die Zugverspätungen nicht für sich. Der 45-Jährige ist Rettungsassistent in Lauf, für seinen Arbeitsweg nach Heuchling nutzt er sein Auto, das ist praktischer. Es geht ihm um seine Kinder.

Die 17-jährige Tochter hat erst kürzlich eine Ausbildung als Krankenschwester in einer Klinik in Nürnberg begonnen, sie ist noch in der Probezeit. Bereits zwei Mal kam sie wegen verspäteten oder ausgefallenen S-Bahnen zu spät, ihr Arbeitgeber hat angekündigt, dass das nächstes Mal Konsequenzen haben könnte. „Es geht um ihren Ausbildungsplatz“, sagt Gebhard. Zwei Mal konnte er die Tochter wegen Verspätungen noch mit dem Auto nach Nürnberg fahren, aber wenn er selbst Tagschicht hat, geht das nicht.

Der 13-jährige Sohn besucht die Laufer Realschule, er ist auf die S-Bahn angewiesen, einen Schulbus von Ottensoos gibt es nicht. Vor kurzem musste sich Gebhard gegenüber der Sekretärin der Realschule dafür rechtfertigen, dass sein Sohn zu spät kam. Aber was könne er denn dafür?

„Das sind untragbare Zustände für alle, die darauf angewiesen sind. Ich möchte ein sicheres und zuverlässiges Verkehrsmittel, das meine Kinder rechtzeitig zur Schule und zum Ausbildungsplatz bringt“, formuliert Gebhard seinen Wunsch. Jeder Betrieb müsse sich darum kümmern, dass die Kunden zufrieden seien, nur die Bahn genieße „Narrenfreiheit.“ Eine telefonische Beschwerde beim Unternehmen sei im Sand verlaufen. Daraufhin sammelte Gebhard Unterschriften in Ottensoos, kontaktierte den Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel und den Ottensooser Gemeinderat.

Dieser hat in seiner Sitzung in der vergangenen Woche beschlossen, die Bahn zur Rede zu stellen. Wir sehen ein öffentliches Interesse“, sagt Bürgermeister Klaus Falk. Er nehme das Thema ernst. „Wir haben die DB Regio schriftlich dazu aufgefordert, diese Missstände zu prüfen“, so Falk. Die Bahn solle dafür sorgen, „die Ursachen für diese Leistungsminderungen schnellstmöglich zu beseitigen“, steht in dem Schreiben.

Auf Anfrage sagte ein Bahnsprecher, es handele sich „um einzelne kleine Verspätungen, aus unserer Sicht nichts Auffälliges.“ Die Bahn wolle aber weitere Untersuchungen anstellen.
 

  

Andreas Kirchmayer

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