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Und selbstverständlich wurde man bei einer solchen Gelegenheit zunächst vor allem musikalisch: Das Heidenheimer Bläserensemble unter der Leitung von Reinhard Mosch, der noch zu Weigels Heidenheimer Zeiten unter diesem, wenn man so will, gedient hatte, eröffnete den Festtag mit einer funkelnden Fanfare. Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg wünschte dem Jubilar nicht nur „viele weitere gute Jahre“, sondern konstatierte im Hinblick auf die bereits absolvierten Jahre auch: „Die sieht Ihnen kein Mensch an.“
Bernhard Ilg würdigte im Anschluss Helmut Weigel als einen Menschen, der sich auf seinen vielen Stationen, ob in Rothenburg, München oder Radolfzell bequem eingerichtet habe, sondern den Dynamik und der Wille zur Veränderung ausgezeichnet hätten. Dank dieser Eigenschaften habe Weigel während seiner 20 Jahre als städtischer Musikdirektor in Heidenheim von 1964 bis 1984 viel anstoßen und bewirken können. Dass sich Heidenheim heute nicht nur Festspielstadt nennen könne, sondern dieser Begriff auch mit Bedeutung und Leben erfüllt werde, „diesen Weg haben Sie uns gewiesen und dafür haben Sie die Wurzeln gelegt“. Es sei der Verdienst von Helmut Weigel, dass das Schloss Hellenstein ein Ort der Betrachtung ist und im Sommer vor musikalischem Leben vibriert.
Ehe das Rothenburger Stadtoberhaupt Walter Hartl das Wort ergriff, erklang Helmut Weigels opus 37, die „Toppler“-Fanfare, die an einen berühmten Amtsvorgänger erinnert, der im Spätmittelalter wirkte und es 1989 zum Helden eines Romans gebracht hat und dem das Toppler-Theater ein eigenes Stück widmete.
Walter Hartl charakterisierte den in Schrobenhausen geborenen Helmut Weigel als „Impulsgeber und Vorbild für viele“, dem Rothenburg viel zu verdanken habe. „Deshalb gehe ich gern mit ihrem Beispiel hausieren, wenn in Zeiten unsicherer Finanzlagen wieder die Diskussion darüber geführt wird, ob überhaupt oder in welchem Umfang man sich Kultur leisten solle.“ Rothenburg, aber auch Heidenheim hätten dank Helmut Weigel erfahren, wie wichtig Kultur für die Wohn- und Lebensqualität in einer Stadt sei. Angesichts der Vitalität des Jubilars und der damit einhergehenden Vermutung, dass Musik jung halte, meinte Hartl: „Ich spiele kein Instrument, ich kann nicht singen, vielleicht sollte ich Unterricht nehmen.“
Anschließend drehte sich auf dem Plattenteller der vom Geburtstagskind vor geraumer Zeit mit den Nürnberger Symphonikern eingespielte erste Satz aus Dvorˇáks „Neunter“. Helmut Weigel erinnerte an einige Sternstunden seines Heidenheimer Wirkens und dankte „meinem Schöpfer dafür, dass er mich den langen Weg einigermaßen aufrecht hat gehen lassen“. Das Festessen wurde vom Städtischen Blasorchester mit Weigelschen Kompositionen umrahmt. Spätestens am 6. Juli will Helmut Weigel wieder nach Heidenheim kommen: zur Premiere von George Bizets „Carmen“ bei den Opernfestspielen.