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Luchse in Bayern: Kampf gegen das Verschwinden

Tiere benötigen sehr ausgedehnten Lebensraum - Ansiedlung am Populationsrand - 13.06.2017 05:57 Uhr

In Bayern gibt es im südlichen Oberpfälzer und im Bayerischen Wald 15 bis 20 erwachsene Luchse. © Ebener/dpa


Immer wieder kommt es zu illegalen Luchs-Tötungen im Bayerischen Wald. Ende 2015 etwa war ein Luchsjunges im Landkreis Freyung-Grafenau erdrosselt und neben einer Straße abgelegt worden. Es sollte wie ein Verkehrsunfall aussehen. Andere wurden erschossen oder vergiftet. Die meisten Luchse aber verschwinden spurlos. Sie werden wohl einfach verbuddelt.

"Wir haben jedes Jahr 20 bis 25 Jungtiere in der grenzüberschreitenden bayerisch-böhmisch-österreichischen Luchspopulation. Eigentlich müssten sich die Luchse ausbreiten. Stattdessen stagniert die Population“, verdeutlicht Wölfl. Sie ist überzeugt, dass die meisten Luchse eines unnatürlichen Todes sterben. "Die hohe Mortalität, der häufige Wechsel von territorialen Luchsen ist nicht normal“, betont sie.

Luchse benötigen einen sehr ausgedehnten Lebensraum. Weibchen haben ein Territorium von 80 bis 200 Quadratkilometern, Männchen sogar von 150 bis 400 Quadratkilometern. In einer Nacht können die Tiere ohne Probleme 30 bis 40 Kilometer zurücklegen. "In den Nationalpark Bayerischer Wald passen 2,4 Luchse“, verdeutlicht Wölfl die Bedeutung des aktiven Schutzes der Tiere auch außerhalb des Nationalparks.

Baldige Ansiedlung nicht wahrscheinlich

In Bayern gibt es im südlichen Oberpfälzer und im Bayerischen Wald 15 bis 20 erwachsene Luchse, mit Heranwachsenden und Jungtieren dürften es 30 Individuen sein, schätzt Wölfl. Die gesamte Population, vor allem im Böhmerwald, aber auch im österreichischen Mühlviertel summiert sich auf 60 bis 80 selbstständige Tiere.

Der Luchs bevorzugt struktur- und wildreiche Gebiete mit ungestörten Rückzugsflächen, Felsen, Dickungen und sonnigen, witterungsgeschützten Stellen. "Er könnte auch gut im Nürnberger Reichswald leben. Da würden zwei bis drei Luchse reinpassen“, ist Wölfl überzeugt.

Wahrscheinlich ist eine baldige Ansiedelung trotzdem nicht. Denn der Luchs zieht nicht einfach wie der Wolf hunderte Kilometer weiter. "Zwei Tiere sind zum Beispiel kürzlich in den Deggendorfer Raum gewandert, haben keine Artgenossen gefunden — und sind dann wieder zurückgewandert“, erzählt Wöfl.

Der Luchs siedelt sich stattdessen eher am Populationsrand an, er will Kontakt zu seinen Artgenossen. Von dort könnte er sich immer weiter verbreiten und schließlich auch im Reichswald landen.

Dass Wölfl so viel weiß über die Population und die Individuen liegt vor allem an den 40 bis 60 Fotofallen, die sie im Wald platziert hat. "Ich versuche, die Tiere beidseitig zu fotografieren“, sagt sie. Dadurch ist die eindeutige Identifizierung möglich. Denn jeder Luchs hat ein individuelles Fleckenmuster.

Wölfl kennt mittlerweile die Wege, die Luchse häufig nutzen. Wobei "häufig“ heißt: alle sechs bis acht Wochen. Doch nicht nur Wölfl kennt diese Wege, sondern auch Jäger und Wilderer. Das macht die Luchse verletzlich. "Für einige Jäger ist der Luchs ein gefühlter Konkurrent, ein Wilderer in ihrem Gebiet“, erklärt Wölfl die Feindseligkeit mancher Waidmänner.

Luchse erlegen und fressen etwa 50 Rehe pro Jahr. Doch tun sie das nicht in einem einzigen Jagdrevier, sondern auf einer Fläche von 100 Quadratkilometern, rund 30 menschlichen Jagdrevieren. "Diese Großräumigkeit ist für viele Menschen nicht zu begreifen. Nur ein Reh pro 100 Hektar geht im Schnitt an den Luchs verloren — das sollte ein ökologisch denkender Jäger verkraften können“, meint Wölfl. 

Martin Müller

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