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Narren müssen immer tiefer in die Tasche greifen

Steigende Kosten stellen Karnevalsgesellschaften vor Probleme - 16.01.2016 05:58 Uhr

Beim Hummelremmidemmi in Pleinfeld (hier ein Foto von 2015) gehen Ehrenamtliche mit Sammelbüchsen herum, um die steigenden Kosten decken zu können.

Beim Hummelremmidemmi in Pleinfeld (hier ein Foto von 2015) gehen Ehrenamtliche mit Sammelbüchsen herum, um die steigenden Kosten decken zu können. © Markus Steiner


Versicherung und Gema-Gebühren, Toilettenwagen und Absperrdienst, Straßenreinigung und Ordner: Hinter den beliebten Faschingsumzüge steckt nicht nur jede Menge ehrenamtliche Arbeit, die Publikumsmagneten haben auch ihren Preis. Obendrein sind die Ansprüche an das bei Kindern beliebte Wurfmaterial gestiegen. „Für Billigbonbons bückt sich niemand mehr“, sagt ein Karnevalist.

„Es geht meist Null auf Null auf, aber es wird immer schwieriger“, bekennt Markus Armbruster von den Brucker Gaßhenkern. Dank städtischer Unterstützung, Spenden und Einnahmen aus dem Verkauf von Buttons kommen die aktiven Erlanger Narren für den mit rund 100 Gruppen und bis zu 150.000 Zuschauern größten Faschingsumzug in der Region jedes Jahr gerade so über die Runden. Für Wagen mit Musikbeschallung der Zuschauer müssen die betreffenden Vereine selbst für die Gema-Gebühr aufkommen - aber wenigstens nichts für die Teilnahme am Faschingszug bezahlen.

Das ist nicht überall so. In Nürnberg werden pro Wagen oder Gruppe 100 Euro fällig. „Alles wird teurer. Es ist ein wahnsinniger Kostenaufwand“, wirbt Angelika Wimmer um Verständnis für die Abgabe. Obendrein müssen die Teilnehmer des Remmidemmi-Zugs für Gema-Gebühr und Versicherung selbst aufkommen.

Wimmer ist Vorsitzende im Festausschuss Nürnberger Fastnacht, der Dachorganisation von 16 Karnevalsgesellschaften in der fränkischen Metropole. Ihrer Schätzung zufolge muss beim Faschingszug mit Ausgaben zwischen 18.000 und 20.000 Euro gerechnet werden. Ohne einen Zuschuss der Stadt, ohne Sponsorengelder und die Einnahmen aus dem Verkauf von Pins wäre der finanzielle Kraftakt nicht zu schultern, sagt Wimmer.

Aufruf zum Boykott

Faschingsgesellschaften in anderen Kommunen stöhnen ebenfalls über den Kostendruck. In Karlstadt am Main wird zum ersten Mal eine Teilnahmegebühr erhoben - fast obligatorisch gab es via Facebook böse Stimmen und einen Boykottaufruf. In Allersberg (Landkreis Roth) geht es mit Hilfe der Marktgemeinde noch ohne Abgabe. „Wir wollen eine Gebühr für die Mitwirkenden unbedingt vermeiden, weil hinter dem Faschingszug so viel ehrenamtliche Arbeit steckt“, erläutert Bastian Schöll, erster Vorstand des örtlichen Faschingskomitees.

In Pleinfeld bei Weißenburg gehen Ehrenamtliche beim Hummelremmidemmi am 24. Januar mit der Sammelbüchse herum, um die Unkosten zu decken. Als weitere Einkommensquelle dient der Essens- und Getränkeverkauf bei dem ganztägigen Faschingstrubel. Die Verantwortlichen wollen ohne Teilnahmegebühr nicht draufzahlen, denn allein die originellen, von weit her anreisenden Guggenmusikgruppen bekommen jeweils Pauschalen zwischen 300 und 500 Euro, erläutert Hans Koller von den Pleinfelder Hummeln.

In Spalt (Kreis Roth) wird erwartet, dass die Zuschauer für einen Euro einen Aufkleber erwerben und dann sichtbar an der Kleidung tragen. Auf eine Teilnahmegebühr für Gruppen und Vereine wird (noch) verzichtet, ganz im Gegenteil: Die Aktiven bekommen sogar einen Gutschein für Getränke. 

Horst M. Auer

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