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Sie heißen „Schneewittchen“, „Giraffen-Leiter“, „Entdeckung der Langsamkeit“, „Du willst es doch auch“ oder „Zu schwer, um schön zu sein“ – einige der Routen im Kletterzentrum mit einem Schwierigkeitsgrad zwischen 3 und 10 haben Namen. Bevor man auf ihnen bis ganz nach oben kommt, steht aber viel Arbeit an. Etwa 20 Mitglieder schraubten in den vergangenen Wochen alle rund 6000 Griffe ab. Vor allem die Älteren kümmerten sich zunächst darum, Magnesium- und Schweißrückstände mit einem Spezialmittel abzuwaschen.
Dabei kontrollierten sie auch, ob das Material Risse aufweist oder an den Kanten beschädigt ist. Danach wurden Griffe und Schrauben sortiert und teilweise ersetzt. Tom Brenzinger, erfahrener Kletterer und nationaler Routenbauer aus Velden, gab vor allem den Neuen unter den Helfern bei einem Einführungskurs Tipps zur Gestaltung der neuen Wege durch die Kletteranlage. So erklärte er zum Beispiel, welche Schraube für welche Griffe am besten geeignet ist. Gemeinsam mit seiner Partnerin legte er anschließend selbst zirka 50 Routen an, besonders im höheren Schwierigkeitsgrad. Den Rest der insgesamt 120 übernehmen die Mitglieder, darunter viele jüngere.
Beim Profi ging das natürlich viel schneller als bei den Nachwuchskletterern, hat Wolfgang Stolzenberg, 1. Vorsitzender des DAV Sektion Feucht, beobachtet. „Da steckt viel an Erfahrung dahinter.“ Schließlich sollen die Routen nicht nur rechts und links wie beim Treppensteigen verlaufen, sondern möglichst abwechslungsreich sein. Wenn alle bis Anfang September fertig sind, steht das „Probeklettern“ an, bei dem dann einzelne Griffe noch mal ummontiert werden. Daneben werden auch Verschönerungs- und Reparaturarbeiten erledigt. Über einem Fenster wird ein Holzgitter montiert, an einer Stelle, an der ein Seil entlang schrammt, wird ein Kantenschutz aufgebracht, Kisten für Material werden gefertigt, eine moderne Kasse eingebaut. In dieser Woche wird ein Statiker die gesamte Anlage in der Wilfried-Brunner-Halle überprüfen.
Regelmäßige Kontrollen führten die Mitglieder bereits während der Saison durch. Einmal pro Monat überprüften sie sämtliche Griffe, zogen bei Bedarf die Schrauben nach und dokumentierten dies alles. Andere übernahmen den Kassendienst, füllten Getränke auf oder machten sauber. „Wir haben immer genügend Leute für die Betreuung des Kletterzentrums gehabt“, berichtete Stolzenberg nicht ohne
Stolz. Extrem arbeitsreich war bereits das vergangene Jahr verlaufen. Der Markt Feucht ließ den Anbau an die Wilhelm-Baum-Halle errichten. Dann begannen die DAV-Mitglieder mit dem Innenausbau. „Über 6000 Stunden haben wir allein hier investiert“, informiert der 1. Vorsitzende. Während der ersten Klettersaison von November bis Ende April kamen über 1400 Stunden hinzu. Für die Schulen und weitere, teils vereinseigene Gruppen war die Anlage bis Mitte Juli nutzbar, ehe sie überarbeitet wurde.
Für den Verein hat das lang ersehnte Kletterzentrum den erhofften Mitgliederzuwachs gebracht, gerade bei Zehn- bis 17-Jährigen. 30 bis 40 kommen regelmäßig und bringen sich auch bei den Arbeitsdiensten mit ein. Bei der Familiengruppe tut sich ebenfalls einiges. „Rund 250 Leute sind eingetreten, das ist mehr, als wir erwartet hatten“, berichtet Stolzenberg, der jetzt einem Verein mit gut 920 Mitgliedern vorsteht. Über 8000 Personen nutzten die Anlage mit 600 Quadratmetern Kletterfläche, die im Nürnberger Land einmalig ist. Sie weist eine Kletterhöhe von bis zu 13 Metern und eine maximale Kletterlänge von 18 Metern vor. An den vier Öffnungstagen pro Woche war der Andrang manchmal so groß, dass kaum alle Besucher ihr Geschick zeigen konnten. Sie kamen aus dem gesamten Großraum Nürnberg nach Feucht. „Darauf sind wir schon sehr stolz. Zwischendurch haben wir uns aber auch mal gedacht: Was haben wir uns da für Arbeit aufbürdet“, gibt Wolfgang Stolzenberg zu. Denn schließlich läuft parallel das übliche Sektionsprogramm mit Wanderungen und Bergtouren.
Am 1. Oktober beginnt der Betrieb der zweiten Wintersaison. Die Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 17 bis 21.30 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Klettermaterial wird auch verliehen.