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Dienstagabend im Haus der Selbsthilfegruppen in Pölling: Das Licht des Deckenfluters ist gedämpft. Auf dem Tisch in der Mitte des Gruppenraumes flackern Kerzen. Die Uhr an der Wand läuft, tickt aber nicht. Zeit scheint keine Rolle zu spielen. „Mir geht es soweit gut, ich habe die Woche überstanden“, sagt eine Teilnehmerin und reicht den kleinen bunten Ball in der Runde weiter.
An diesem Abend sitzen 15 Teilnehmer in einem der drei Gruppenzimmer des Freundeskreises und berichten von den alltäglichen Ereignissen und der momentanen Stimmungslage. Alle reden sich mit Vornamen an. Anonymität gibt es hier nicht, jeder kennt jeden und das teilweise seit Jahren. Manche haben sich entspannt in die gepolsterten Stühle zurück gelehnt, andere wippen mit den Füßen oder drehen Däumchen.
Beppo Meier, Leiter des Freundeskreises, sitzt mit in der Runde. Am 12. April 1982 hat der heute 66-Jährige die Gruppe gegründet. „Nach einer mehr als schweren Zeit“, berichtet er. Seine Alkoholsucht hätte nicht nur beinahe Ehe und Familie zerstört, sondern sein Leben. „Als ich am 23. September 1981 mit dem Zug nach Friedrichsdorf im Taunus fuhr, um eine Langzeittherapie zu beginnen, hatte ich beste Absichten. Und zwei Promille Alkohol im Blut.“ Weit unter seinem damaligen Level, wie er sagt.
Auf die Idee, den Freundeskreis zu gründen, brachte ihn seine damalige Therapeutin. Und Meiers Vorhaben fand schnell Befürworter. Zum zweijährigen Jubiläum hatte der Freundeskreis 35 feste Mitglieder. 13 Jahre später sollten es 125 Menschen sein, die gemeinsam gegen den Teufelskreis aus Sucht und Verzweiflung kämpften. 2004 zählte der Freundeskreis um die 4700 Selbsthilfegruppenbesuche.
„Da waren wir nach vielen Stationen endlich in unserem Haus in Pölling angekommen“, sagt der Vorsitzende stolz. Die Räume habe man selbst gestaltet und eingerichtet. Viel Schweiß habe das gekostet.
Dem Gruppenraum, in dem sich die 15 Teilnehmer nach der Befindlichkeitsrunde austauschen, sieht man Handarbeit und Liebe zum Detail an. Die weiße Wand ist mit warmen Farbstrichen verziert. Im Regal stehen die Bibel und Bücher mit Titeln wie „Bittere Medizin“ und „Ich fang nochmal zu leben an“. An der Wand hängen Poster mit idyllischen Szenen: Ein Sonnenuntergang am Meer, ein Vater mit Kind im Arm. Über allem thront eingerahmt und hinter Glas ein Gebet: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Das Gespräch dreht sich mittlerweile um den Durchbruch, den eine Teilnehmerin erzielt hat. Es habe „Klick“ gemacht. Der Schalter habe sich endlich umgelegt, weil ein Gruppenmitglied in der vergangenen Sitzung davon sprach, an sich selbst zu glauben. Vielen helfe der Austausch, das bloße Zuhören, Abhängigen ebenso wie Angehörigen. Die seien von der Sucht genauso betroffen wie der Betroffene selbst, wenngleich viele das nicht wahrhaben wollen, sagt Meier.
„Mir haben sie damals auch gesagt, dass sei mein Problem. Schließlich sei ich die Säuferin“, bestätigt eine Teilnehmerin, die sich schon vor Jahren von ihrer „guten Freundin Chantré“ verabschiedet hat. Die Gruppe habe ihr geholfen.
Am 31. März feiert der Freundeskreis sein Jubiläum. Meier: „Das Amt als Vorsitzender gebe ich nach drei Jahrzehnten weiter, aber vorher wird gefeiert.“ Es werden mit Sicherheit die Gläser klirren. Aber ohne Alkohol.
www.freundeskreis-fsg-neumarkt.de

