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Alte Erinnerungen rütteln wach

Ausstellung mehrerer Schulen zu „Hitlerjunge Adolf“ bis Mitte April im Reitstadel - 24.03.2013 07:00 Uhr

Die Schüler der Maximilian-Kolbe-Schule haben den Unterschied zwischen Stadt- und Landleben von Frauen im Dritten Reich betrachtet. © Fritz Wolfgang Etzold


„Rechtsextremismus“ und „Neumarkt zur Kriegs- und Nachkriegszeit“ lauten die Themen, zu denen die Schulen verschiedene „Audioguides“ bespielt haben, die die Besucher durch die Ausstellung führen sollen.

Willibald-Gluck-Gymnasium

In der Erwin-Lesch-Schule spielten die Schüler alte Brettspiele aus der NS-Zeit. © Fritz-Wolfgang Etzold


Die Schüler-Arbeitsgemeinschaft (AG) „Wir Gegen Gewalt“ des Willibald-Gluck-Gymnasiums unter der Leitung von Ethiklehrer Thomas Kraus wird in der Ausstellung das Thema „Rechtsextremismus – und was wir dagegen tun können“ präsentieren.

Diese Realschülerinnen recherchierten im Stadtarchiv. © Hubert Bösl


Hierfür verwenden sie Interviews mit Zeitzeugen und Material, das sie in den vergangenen Jahren im Rahmen dieser AG bereits erarbeitet haben. Schwerpunkt werden rechtsextreme Aktivitäten und Tendenzen in Neumarkt sein. Dabei bekommen die Leute einen Überblick zum Beispiel über das Auftreten der Rechten und den NPD-Kreisverband.

Das WGG ist eine „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage.“ © Linke


Außerdem werden zwei Beispiele für gesellschaftliches Engagement ge-gen die rechte Szene dargestellt. Zum einen ist es das Aktionsbündnis „Vielfalt tut gut“, zum anderen das Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Dazu zeigen sie einige konkrete Beispiele zu diesen Netzwerken wie die Unterstützung der Arbeit von Schulen, Zeitzeugengespräche mit Opfern des Nationalsozialismus und einen Flashmob gegen rechtsextreme Aktivitäten.

Erwin-Lesch-Schule

Die Knabenrealschüler befragten ihre Verwandten und Bekannten als Zeitzeugen.


Einen ganz anderen Ansatz haben die Schüler der 7/8h der Erwin-Lesch-Schule von Rotraut Siede gewählt. Neben ihrer Präsentation „Als man nichts hatte – Jugend 1945“, in der das Leben einer Flüchtlingsfamilie veranschaulicht wird, und dem Bericht des ehemaligen FOS-Lehrers Baldauf als Zeitzeuge über das Leben als Jugendlicher im Dritten Reich, wird es einen Spieletisch geben. Dort können die Besucher Spiele, wie es sie zur NS-Zeit gegeben hat, ausprobieren. Zum Beispiel gibt es ein original erhaltenes „Fang den Hut“ oder das Spiel „Pachesi“, wie es früher hieß, heute bekannt als „Mensch ärgere dich nicht“. Die Skripte mit den Spielregeln haben die Jugendlichen selbst erstellt. Diese und noch mehr Spiele von damals haben sie auch schon bei einem Besuch im Seniorenheim mit den Bewohnern gespielt, die dabei auch von ihrer Jugend in der Nachkriegszeit erzählten. Dazu haben sie verschiedene Hörbeispiele mit Augenzeugenberichten aufgenommen, unter anderem „Einmarsch“ und „Flucht“.

Knabenrealschule

Die Mittelschüler von der Weinbergerstraße führen durchs Stadtmuseum. © Hubert Bösl


„Schüler befragen Zeitzeugen – Interviews mit Verwandten und Bekannten zur Kriegs- und Nachkriegszeit“ heißt das Thema der Klasse 10c der Knabenrealschule. Fünf Zeitzeugen haben die Schüler von Heike Hierl gefunden. Begonnen hat die Klasse ihr Projekt mit einer Stadtführung durch Neumarkt, um sich Hintergrundwissen über das Kriegsende und die Nachkriegszeit in Neumarkt zu erarbeiten.

Die Zeitzeugen, oft die eigenen Großeltern der Schüler, berichteten über den Alltag als Jugendliche zu dieser Zeit, über Bomberangriffe und den Luftkrieg. Zu den Plakaten, auf denen unter anderem die Zeitzeugen vorgestellt werden, wird es Tonaufnahmen mit Interviewausschnitten geben, die die Besucher durch den Ausstellungsteil der Knabenrealschule führen werden. Dafür hatte die Klasse einen Projekttag, bei dem die Schüler lernten, die Interviews selbst zu schneiden.

Mittelschule Weinbergerstraße

Zwei Schulklassen der Mittelschule an der Weinbergerstraße spannten den Bogen von Zeitzeugenberichten zu der Frage: „Was davon bewegt Jugendliche heute?“ Dazu befragten die Schüler eine Zeitzeugin, die viel aus ihrer eigenen Jugend während des Krieges erzählte. Zudem stellten die Klassen ein Hörbuch zusammen, in dem die Schüler erzählen, was sie bei dem Interview mit der Zeitzeugin besonders berührt hat und versuchten, das mit dem eigenen Hintergrund zu verknüpfen und sich in die Situation hineinzuversetzen.

Doch mit der Ausstellung im Reitstadel ist dieses Projekt für die betreuende Lehrerin Angelika Mühlhans nicht abgehakt. Die beiden Klassen bieten eine Führung für andere Schulen im Stadtmuseum Neumarkt an.

Maximilian-Kolbe-Schule

Mit Neumarkt und dem Umland in der Nachkriegszeit beschäftigte sich ein Geschichtsseminar der 13. Klasse der Maximilian-Kolbe-Schule. Der Schwerpunkt liegt hierbei vor allem auf dem Verhältnis und den Erwartungen der Neumarkter gegenüber den Alliierten. Dazu stellen sie die Biografie von sechs Zeitzeugen kurz vor und präsentieren deren Erzählungen auf Plakaten. Ein Beispiel ist der Unterschied zwischen dem Stadt- und Landleben der Frau.

Auch erzählten die Zeitzeugen meistens über eine schwere Kindheit, was Schule oder auch oft das Aufwachsen ohne Vater, der sich im Krieg befand, betrifft. Auf ihren Audioguides fassten sie die Interviews zusammen und hinterlegten sie mit Musik. Die betreuenden Lehrer sind sich einig: Am wichtigsten sei hierbei der emotionale Faktor und die persönliche Beziehungsebene. Geschichte hautnah mitzuerleben, wenn während der Interviews auch mal die Stimme anfängt zu zittern. Die Interviews und Schilderungen der Befragten fließen auch in das Musical mit ein, verriet der leitende Lehrer Ferdinand Fink.

Mädchenrealschule

Sechs Schülerinnen der 10. Klasse der Mädchenrealschule gestalteten freiwillig außerhalb des Unterrichts Material zur Hitlerjugend und dem Hitlerjugendheim Neumarkt. Naheliegend, denn schließlich war ein Teil ihres heutigen Schulgebäudes damals das Neumarkter Hitlerjugendheim.

Im Stadtarchiv haben die Schülerinnen Zeitungen nach Hintergrundwissen gewälzt. Außerdem verwendeten sie bereits vorhandene Videos und Audioaufnahmen aus dem Schuljahr 2007. Damals hatten Hans Obermüller, als Junge in der Hitlerjugend, und Anni Lang, die beim „Bund deutscher Mädel“ war, Interviews gegeben.

Das sei natürlich total interessant, wenn man plötzlich Leute auf den Videos sieht, die zu Zeiten Hitlers schon hier waren, so ihr Lehrer Gunder Wießmann. Das ist Geschichte direkt vor der Haustüre. Auf vier Plakaten stellen sie unter anderem die Entwicklung des ehemaligen Gebäudes des Hitlerjugendheims bis heute und die Umtriebe der Hitlerjugend in Neumarkt vor. 

VON DANIELA BALDA

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