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Erst am vergangenen Samstag ist ein Rentner im Landkreis Passau beim Schneekehren vom Dach gestürzt. Er fiel fünf Meter hinab in seinen Garten, wo der allein lebende Mann erfror. Erst am Mittwoch entdeckte ein Nachbar die Leiche des 69-Jährigen.
Ein drastischer Fall sicherlich, doch Ewald Kreuzer, Landesinnungsmeister der bayerischen Dachdecker und in Neumarkt zuhause, nimmt ihn als Warnung: Hausbesitzer, aber auch Hausmeister und gar die Freiwilligen Feuerwehren begeben sich, so sagt er, in größte Gefahr, wenn sie Schnee von Dächern räumen. Auch von Flachdächern: In der Nähe der Umrandung schippe man ebenso am Abgrund.
Dass der Dachdecker wegen bedenklicher Schneelasten zu Hilfe gerufen wird, ist in Kreuzers Heimatstadt „nicht üblich“. Anders das Bild südlich des Weißwurstäquators, wo man freilich mit ganz anderen Schneemengen zu kämpfen hat: „In Oberbayern ist ein Dachdecker, der Schnee vom Dach schaufelt, ein gängiges Bild.“
Natürlich möchte der Landesinnungsmeister auch für seine Zunft werben. Die hat im Winter naturgemäß nicht viele Aufträge, da finden es die Handwerker umso ungerechter, dass auch bei kleineren Dächern gleich nach Feuerwehr und THW gerufen wird. Immerhin hat Kreuzer ein überzeugendes Argument: „Der Dachdecker geht bei der Befreiung von Dächern vorsichtiger zu Werke, weil er sich dort oben besser auskennt und sich vorher auch kundig macht, etwa ob irgendwo Lichtkuppeln unterm Schnee sind.“
Die Räumtrupps des Neumarkter Bauhofes bleiben deshalb auf dem Boden. Auch gestern waren sie, Sturmtief Petra war es geschuldet, pausenlos im Einsatz, um die Straßen und Gehwege in der Jurastadt in einen passierbaren Zustand zu versetzen. Handtrupps schaufelten unter anderem auch Ampelübergänge frei.
Feuerwehr und Technisches Hilfswerk rücken nun aber nicht bei jedem kleinen Reihenhäuschen mit überbordenden Sahnehäubchen aus, sondern nur, „um Gefahren abzuwenden“, wie man bei der Neumarkter Feuerwehr erfährt. „Wir sind ja kein Räumtrupp.“ In der Regel räumen die Roten und die Blauen bedrohte Dächer öffentlicher Gebäude, häufig von Sporthallen. Vor einer Woche war das der Fall gewesen überm Foyer der Hauptschule West, unter der Woche schaufelte das THW Neumarkt mit 25 Mann, verteilt auf zwei Nächte, Schnee vom Flachdach der Regensburger Ikea (wir berichteten).
Für dieses Wochenende sei noch kein Einsatz in Sicht, sagt THW-Zugführer Wolfgang Meier. Seine Mannschaft ist bei diesen Wetterverhältnissen aber immer auf dem Sprung. Ebenso die Neumarkter Feuerwehr, die am heutigen Samstag auch einen Job übernehmen wird. Eine reine Vorsichtsmaßnahme: Im Auftrag des Landratsamtes wird sie einige schneeverwehte Ecken auf dem Dach des Hallenbads frei räumen. Das Bad selbst bleibt geöffnet; und auch die Turnhalle des Willibald-Gluck-Gymnasiums, die am Vorwochenende noch gesperrt werden musste.
Die Stadt Neumarkt hat gestern noch einen prüfenden Blick auf die weiß gepuderten Dächer ihrer Gebäude geworfen. Stadtsprecher Franz Janka gibt Entwarnung: „Auf den Jurahallen gibt es zwar ein paar Schneeverwehungen, doch beträgt die Last dort nicht mehr als 50 Kilo pro Quadratmeter. Bis zu 150 sind zulässig.“
Während die Kommunen die Dienstleistung der Freiwillige Feuerwehren umsonst in Anspruch nehmen, werden private Hausbesitzer und Unternehmen der freien Wirtschaft fürs Dachräumen zur Kasse gebeten. So auch das schwedische Möbelhaus in Regensburg. Dieses rechne aber, so Hilfswerker Wolfgang Meier, die Kosten über eine Versicherung ab, die in Notfällen wie diesen einspringt.

