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„An den ,Worst Case‘ will niemand denken“

Hohenfels befürchtet mit dem Abzug von US-Truppen wirtschaftliche Einbußen — Arbeitsplätze gefährdet - 17.01.12

HOHENFELS  - Die Amerikaner müssen sparen: Zwei ihrer vier Kampfbrigaden will die US-Armee in absehbarer Zeit aus Europa abziehen. Die Hälfte dieser Einheiten mit zusammen rund 10000 Soldaten befindet sich in der Oberpfalz, in Vilseck und Grafenwöhr. Von einem Abzug indirekt betroffen wäre auch Hohenfels, einer der größten Truppenübungsplätze Deutschlands.

Der Truppenübungsplatz in Hohenfels wird vorwiegend für die Manöver der US-Streitkräfte genutzt.
Der Truppenübungsplatz in Hohenfels wird vorwiegend für die Manöver der US-Streitkräfte genutzt.
Foto: Böhm
Der Truppenübungsplatz in Hohenfels wird vorwiegend für die Manöver der US-Streitkräfte genutzt.
Der Truppenübungsplatz in Hohenfels wird vorwiegend für die Manöver der US-Streitkräfte genutzt.
Foto: Böhm

Bernhard Graf möchte „den Teufel nicht an die Wand malen“. Doch das Gemeindeoberhaupt beobachtet die strategische Neufokussierung der USA, mit militärischer Ausrichtung auf den asiatischen Raum, sowie die wirtschaftliche Entwicklung mit großer Sorge. „Die Amis können sich die große Army einfach nicht mehr leisten“, sagt er kurzum. Graf bestätigt, dass sich mit einem Abzug amerikanischer Truppen die Situation in der östlichsten der Neumarkter Landkreisgemeinden rapide verschlechtern könnte.


Zwar ist auf dem 160 Quadratkilometer großen Truppenübungsplatz in Hohenfels keine eigene Brigade stationiert, doch beherbergt die 16000 Hektar umfassende Fläche ein internationales Trainingszentrum, in dem Soldaten der US-Streitkräfte und Nato-Truppen auf ihre Auslandseinsätze vorbereitet werden. Fallen europaweit Tausende amerikanische Soldaten weg, sinkt zwangsläufig auch die Zahl der in Hohenfels durchgeführten Manöver. Was langfristig einen Abbau des Personals nach sich ziehen könnte. „Da hängt ein ganz schöner Rattenschwanz mit dran“, klagt Graf, der damit nicht nur die zivilen Beschäftigten meint, die vor Ort in Lohn und Brot stehen.

Einbußen in allen Bereichen



Die US-Armee ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde. Von den genau 703 angestellten Zivilisten aus dem gesamten Landkreis stammen allein 137 Personen aus Hohenfels. Bereits Ende vergangenen Jahres erreichte die Belegschaft eine Schreckensnachricht, als die US-Armee den Abbau von zunächst 59 Stellen verkündete. 30 Arbeitnehmer wurden seitdem mit Abfindungen zur Unterzeichnung von Auflösungsverträgen bewogen.

20 Stellen werden laut Bernhard Graf intern aufgefangen, doch wie der Hohenfelser Bürgermeister befürchten muss, erwartet voraussichtlich neun Arbeitnehmer die Kündigung.

Ein Rückgang der Aktivitäten am Truppenübungsplatz hätte auch Auswirkungen auf die Privatwirtschaft. Hiesige Baufirmen hängen ebenso am Stützpunkt wie Handwerksbetriebe und Dienstleister in der Region. Ein Wegfall der US-Army, im ungünstigsten Fall, wäre ein herber Schlag für die sonst strukturschwache Region.

„Mehrere Firmen treiben mit den Amerikanern blühende Geschäfte“, sagt Graf. Erst Mitte vergangenen Jahres bezifferte der Kommandeur der Garnison, Lieutenant Colonel Kevin Quarles, den Sanierungsbedarf mehrerer Wohnblöcke im Truppenübungsgelände auf knapp 21 Millionen US Dollar.

51 Projekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 19 Millionen Euro waren zum damaligen Zeitpunkt unter verschiedenen Bauleitungen in Ausführung. Graf sieht zukünftige Projekte, etwa die Sanierung von Wartungshallen und Lagergebäuden, auf der Kippe stehen, sollten die Amerikaner strikte Sparmaßnahmen vorantreiben.

Betroffen wäre dann auch der lokale Wohnungsmarkt. Zwar ist mit rund 1000 Amerikanern ein Großteil der US-Belegschaft auf dem Platz heimisch. Rund 550 Personen wohnen jedoch außerhalb des Stützpunktes, weil sie die Nachbarschaft „draußen“ schätzen oder froh sind, nach der Arbeit Abstand zum amerikanischen Hoheitsgebiet zu gewinnen.

Abhängig vom Stützpunkt

Nicht zuletzt hängt die kommunale Finanzlage stark vom Stützpunkt ab. Der Gemeindehaushalt von rund 6,5 Millionen Euro profitiert jährlich von Schlüsselzuweisungen des kommunalen Finanzausgleiches sowie von Einnahmen durch Umsatz- und Gewerbesteuer. „Von ein paar 100000 Euro reden wir da schon“, gibt Graf zu.

An den „Worst Case“, den schlimmsten Fall, wolle derzeit niemand denken. „Das steht nicht zur Debatte.“ Dennoch wartet die Gemeinde gespannt auf die Verabschiedung des US-Haushaltes in den kommenden Wochen. Erst dann werden die Vereinigten Staaten das endgültige Stationierungskonzept verkünden. 



VON TOBIAS STICH

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