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Wolfgang Pöschl kommt aus der Praxis. Als gelernter Tischler hat er Anfang der 1970er Jahre den elterlichen Betrieb geleitet und dabei seine Liebe zur Gestaltung entdeckt. Die Architektur als Wissenschaft steckte in der Alpenrepublik noch in den Kinderschuhen. Als Pöschl 1980 an der TU Innsbruck sein Diplom abschloss, war der Lehrstuhl gerade einmal elf Jahre alt. „Architektur galt als politisches Instrument und wurde vom Publikum argwöhnisch beäugt“, berichtet der Architekt und bezeichnet es als sein Glück, bei Koryphäen wie Josef Lackner und Peter Lorenz gelernt zu haben: „Lackner hat in den sechziger Jahren die Konzilgedächtniskirche in Wien errichtet und Lorenz in Innsbruck das erste neue Haus in der Stadt."
Derart gerüstet, hat er sich mit mutigen und unkonventionellen Lösungen einen Namen gemacht – wie dem betont konstruktivistischen Hallenbad eines Hotels in Serfaus. Den behördlichen Segen erteilte der Bürgermeister mit den Worten: „Macht mal was, was ich mir nicht vorstellen kann.“ In Kooperation mit Rainer Honold entstand eine Art gläsernes Zelt mit der Optik eines Basislagers für Expeditionen, mit aufschiebbaren Glasflächen und einem federnd gelagerten Steg über dem Pool. Dieser Mut hat ihm zahlreiche österreichische Bauherrenpreise eingebracht.
Mit vielen ähnlich unkonventionellen Entwürfen hielt Wolfgang Pöschl jahrelang Architektur-Wettbewerbe in Atem, bis ihn Anfang der neunziger Jahre der Ruf der M-Preis-Kette ereilte. Das 1920 gegründete Tiroler Familenunternehmen betreibt mehr als 200 Volldiscount-Märkte, die ihre standortübergreifende Identität über das Firmenlogo und ihre durchweg hochwertige Produktpalette erzielen. „Im Gegensatz zu den branchenüblichen Gepflogenheiten verzichtet M-Preis auf die standardisierte Betonkiste und richtet sich mit individueller Architektur nach den Gegebenheiten des Standortes“, so Pöschl.
1992 hat er in Lienz seinen ersten Markt gebaut, es folgten bis zum heutigen Tag zahllose weitere Gebäude, unter anderem Ende der neunziger Jahre eine neue Großbäckerei für die Kette. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Kollegen war seine Leistung vor allem bei Großprojekten mit entsprechender Dominanz gefragt. „Im Endeffekt hat M-Preis dafür gesorgt, dass Architektur in Tirol zum Alltagsbild gehört und sie salonfähig gemacht“, resümiert Pöschl.
Dieses Individualität passt ins Bild des Unternehmens, dass seine Wurzeln im Lebensmittelhandel und im Bäckerhandwerk hat. Hansjörg Mölk, der heute in dritter Generation die Kette führt, hat die Gestaltung seiner Märkte zur Chefsache erklärt und tauscht sich persönlich mit den jeweiligen Architekten aus. Mehr als 30 sind es mittlerweile, unter anderem Kapazitäten wie der Franzose Dominique Perrault, Baumeister der Bibliothèque de France.
Die Beziehung zwischen Architekt und Bauherrn ist für Wolfgang Pöschl ein entscheidender Faktor für erfolgreiche Zusammenarbeit: „Sie hat empathischen Charakter und gleicht einer permanenten gegenseitigen Psychoanalyse. Daraus resultiert ein Lerneffekt für alle Beteiligten und eine entsprechende Qualität.“ In größeren Organisationen hält er auch den Kontakt zum Chef für entscheidend, damit keine Interpretationen den Prozess verfremden.
Und schließlich ist da noch die Rolle des Umfeldes: „Wer mit seinen Nachbarn kooperiert, das Einvernehmen mit den Behörden sucht und darauf achtet, dass seine Kunden gerne einkaufen, wird wenig Probleme haben.“ Mit einer ähnlichen Einstellung scheint übrigens auch die Tiroler Architektenszene durch das Leben zu gehen, denn in gegenseiter Lernbereitschaft und im Verzicht auf Standesdünkel sieht Wolfgang Pöschl den maßgeblichen Grund für die erfolgreiche Entwicklung von Architektur in Tirol.


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