Donnerstag, 17.01.2019

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Bairischer Dialekt wird salonfähig gemacht

„Dialektpapst“ Ludwig Zehetner brach im Maybach-Museum eine Lanze für die Muttersprache - 25.02.2013 11:01 Uhr

Die Aufführung des Erfolgsstücks „Mei Fähr Lady“ im Maybach-Museum geriet zu einer humorvollen Lehrstunde in Sachen Dialekt. © Sophia Meyer


Denn dort gastierte das Regensburger Turmtheater mit seinem Erfolgsstück „Mei Fähr Lady“ samt dem „Dialektpapst“ Ludwig Zehetner, der an der Universität Regensburg Honorarprofessor für Bairische Dialektologie ist und zu den renommiertesten Experten des Bairischen zählt.

„Mei Fähr Lady“ ist eine Anlehnung an die Geschichte des Musicals „My Fair Lady“, das seit den 60er Jahren Musical-, aber auch Sprachliebhaber begeistert. Und so sollten auch die rund 400 Zuschauer im Maybach-Museum ihre Liebe zu ihrer eigentlichen Muttersprache, dem bairischen Dialekt, aufleben lassen – und nebenbei einiges lernen.

Mittelpunkt des Geschehens ist das Büro des bairischen Dialektprofessors Ludwig Zehetner (spielt sich selbst), der mittels eines Crashkurses versucht, der Chinesin Mei Ding (gespielt von Eva Sixt), dem Franzosen Jean-Jacques und einem preußelnden Manager (beide gespielt von Titus Horst) das Bairische näher zu bringen. Komische Szenen sind da programmiert – welcher Nicht-Bayer versteht schon den Sinn von Dreifachverneinungen, wie etwa bei „I hob scho ewig nimma koan Schnaps net drunka“ oder dass der Zwielaut „ei“ bei „ich weiß“ zwar zu „oa“ „i woaß“ wird, die Farbe „weiß“ aber „weiß“ bleibt. Von den Ortsangaben „auffi, auffa, fire, hindre und owi“ ganz zu schweigen.

So wird den drei „Zuagroasten“ und auch dem Publikum schnell klar, dass der Dialekt keine Schwundstufe des Hochdeutschen darstellt, wie zum Teil propagiert wird, sondern ein komplexes, eigenständiges und ganz und gar nicht defizitäres Sprachsystem ist.

Der Dialekt kommt nicht nur den angesprochenen Zwielauten wie „ie“ oder „ei“ anders bei, auch die Konjugationen werden anders gebildet. Die eifrige Mei Ding, die sich nach und nach zur Musterschülerin entwickelt, kann ein Lied davon singen, denn nicht nur einmal kämpfte sie mit der Konjugation der bairischen Konjunktive „daad“ und „daadad“. Für viel Verwirrung sorgte auch der zum Teil missverständliche Wortschatz des Bairischen: „Do verreck“ ist ein Ausruf des Staunens, „Pfiaddeich“ bedeutet so viel wie „Behüte euch Gott“ – und der Franzose Jean-Jacques musste am eigenen Leib erfahren, dass „a hariges, hantiges, haudiges Weibsbild“ nichts mit schönen Haaren, Händen und einer samtweichen Haut zu tun hat. Da rauchte nicht nur den drei Schülern auf der Bühne manchmal ganz schön der Kopf.

Am Ende konnten dann alle doch ganz zufrieden sein: Mei Ding wurde auf der Regensburger Dult zur Dirndlkönigin gewählt, Jean-Jacques rappt auf bairisch und auch der preußelnde Manager weiß jetzt mit seiner bayrischen Nachbarschaft umzugehen. Und sie können von sich behaupten, mehrsprachig zu sein – denn Dialektsprecher besitzen eine so genannte „innere Zweisprachigkeit“. Wer Bairisch beherrscht, ist also nicht dumm, sondern im Gegenteil sogar richtig g’scheit.

So war der Theater-Abend im Maybach-Museum nicht nur eine humorvolle Lehrstunde in Sachen Dialekt, sondern auch eine Hommage an das Bairische: Das ist mittlerweile „ein sprachliches Biotop, das immer mehr austrocknet“. Die versteckte Aufforderung von „Mei Fähr Lady“ ist damit, das Dialektsprechen nicht aufzugeben und sich auf keinen Fall dafür zu schämen. Denn nicht nur Ludwig Zehetner fände es sicherlich schade, wenn in 100 Jahren wirklich niemand mehr verstünde, dass das Derblecken am Aschermittwoch mit den Worten „derb“ und „lecken“ nun wirklich nichts zu tun hat. 

som

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