Donnerstag, 15.11.2018

|

Bund Naturschutz: Sandgrasheide und Sulzbürg in Gefahr

Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen in Breitenloh und um Sulzbürg sollen bebaut werden - 14.07.2018 15:12 Uhr

Für beide geschützten Areale seien Anträge von der Gemeinde gestellt worden, um die Abgrenzungen zu verändern, schreiben die Naturschützer in einem Pressetext. Dem Naturdenkmal solle eine Fläche entnommen werden, damit im direkten Anschluss ein Wohngebiet ausgewiesen werden kann. Um dieses Wohngebiet zu realisieren, müsse ein kleiner Wald am nördlichen Ortsausgang vollständig gerodet werden, und zehn wertvolle geschützte Waldameisenkolonien würden ihren Lebensraum verlieren.

Auf dem zukünftigen Baugebiet sei aktuell das Vorkommen des Aufrechten Fingerkrauts (Potentilla recta) festgestellt worden, eine selten gewordene Pflanze, die in Bayern zu den Rote Liste-Arten gehört. Als Ausgleich biete die Gemeinde einen Feldweg neben dem Naturdenkmal an, von dem die Humusschicht entfernt werden soll. Der Bund Naturschutz lehnt dieses Vorhaben entschieden ab.

Die Sandgrasheiden gehören zu den in der FFH-Richtlinie aufgeführten Biotoptypen, so der Text weiter. Sie hätten sich über Jahrhunderte entwickelt und seien Lebensraum für Silbergras oder Sandgrasnelke, Bergsandglöckchen oder Schaf-Schwingel, für seltene Moose und Flechten und für besondere Insekten (Ödlandschnecke, Trugameise, Sandbienen, Ameisenlöwen) und Schmetterlinge.

Direkter Bezug zm Kanal

Das Naturdenkmal habe einen direkten Bezug zum LDM-Kanal, weil einige Libellenarten ihre Eier im lockeren Sandboden ablegen. Bei den vorhandenen Schwingelgräsern handele es sich um eine Kleinart des Schafschwingels, in Teilen gebe es wenige Exemplare des Raublättrigen Schwingels. Beide Gräser sind Arten der Sandgrasheiden und weisen auf einen noch recht guten Zustand des Naturdenkmals hin.

Die überregionale Bedeutung sei auch daran zu ermessen, dass sogar im Planfeststellungsbeschluss zum Neubau der B 299 die neue Trasse so gewählt wurde, dass der Verkehr vom geschützten Areal "abgerückt" wurde, um negative Beeinträchtigungen auszuschließen. Für das Überleben dieses in der Oberpfalz einmaligen Biotops sei auch der Erhalt der Randvegetation entscheidend: Zwergstrauchgebüsche, Geißklee- und Ginsterbüsche sowie der Kiefernwald bildeten mit dem offenen Sandrasen eine enge syndynamische Verbindung.

Im Landkreis Bamberg gibt es noch ein größeres Vorkommen der Sandgrasheide in Pettstadt, das nicht nur unter Naturschutz gestellt wurde, sondern auch bestens gepflegt und sogar touristisch genutzt wird. "Es kann nicht nachvollzogen werden, warum derartige Kleinodien im Landkreis Neumarkt offenbar nicht die Wertschätzung erhalten wie in anderen Landkreisen", heißt es weiter.

Droht Hangrutsch?

Das Landschaftsschutzgebiet "Sulzbürg mit Schlüpfelberg" soll um zehn Prozent seiner Fläche, also um über 74 Hektar, reduziert werden, der kleinere Teil sei bereits bebaut, der größere Teil zur Bebauung freigegeben werden. Besonders kritisch sieht der Bund Naturschutz dabei die Freigabe der Ortschaft Sulzbürg für weitere Bauvorhaben. Hier habe es 1982 einen dramatischen Hangrutsch gegeben.

Der relativ instabile Sandstein ruhe auf einer Schicht von Opalinuston. Nach anhaltenden Regenfällen im Herbst 1981 geriet der Hang Richtung Körnersdorf ins Rutschen und verursachte Schäden an Gebäuden, die sogar in einigen Fällen zum Abriss führten. Um den Hang einigermaßen zu stabilisieren, mussten damals 2,5 Millionen DM ausgegeben werden. Als Ursache für den Abrutsch des Erdreichs wurde von der Landesgewerbeanstalt Nürnberg vor allem die Belastung durch die Bebauung festgestellt.

Die Zeugenberge, insbesondere der Sulzbürger Schlossberg, seien in einer Gefahrenhinweiskarte vom Landesamt für Umwelt als stark gefährdet für Erdrutsche ausgewiesen. Deshalb sollte Sulzbürg unbedingt im Landschaftsschutzgebiet bleiben, um so eine behutsame zusätzliche Bebauung sicherzustellen. Außerdem sei eine geologische Untersuchung vor weiteren Baumaßnahmen ratasm.

Daneben sieht der BN aber auch den immer mehr abnehmenden Respekt vor den Schutzrichtlinien und verweist auf eine Aussage von Professor Holger Magel, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum: "Wer seine Heimat liebt, der schont ihre Landschaften und hält sie von unnötiger Verbauung frei." 

nn

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Mühlhausen