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Die meiste Arbeitszeit verbringt der 2008 gewählte Bürgermeister zwar im Büro der Verwaltungsgemeinschaft mit Pilsach und Berngau in Neumarkt, aber gelegentlich zieht er sich in sein spartanisch eingerichtetes Amtszimmer in Sengenthal zurück. Von hier aus, im zweiten Stock, hat er eine gute Aussicht über den Hauptort am Hang.
Von den drei Windkraftanlagen auf dem Berg ist nichts zu sehen. Sie sind hinter Bäumen versteckt, was Brandenburger in gewisser Weise beruhigt.
Nicht, dass er nicht stolz darauf wäre, dass in der Gemeinde fast 60 Prozent der 21 Millionen Kilowattstunden elektrischer Energie (davon 15 Millionen für die Sonderkunden Bögl und Holzammer) bereits „grün“ erzeugt werden. Ihren Teil dazu bei tragen zahlreiche Photovoltaikanlagen auf gemeindlichen Dächern, wie dem des Kindergartens und auf Privathäusern und auch drei bescheidene Wasserkraftwerke. Wenn das vierte Windrad demnächst steht, werden 100 Prozent des Stroms ökologisch erzeugt.
Er habe 2008 von seinem Vorgänger Josef Meier ein gut bestelltes Haus übernommen, sagt Werner Brandenburger, der als Parteifreier die Bürgermeisterwahlen gewonnen hatte. Die Prokopfverschuldung sei moderat gewesen und er habe sie noch etwas drücken können, auf derzeit 74 Euro pro Nase. Das lasse Raum für Investitionen, zumal sich die Kommune als Industriestandort nicht über mangelnde Gewerbesteuer beklagen müsse.
Ein Riesenbetrieb wie Bögl bringe zwar auch Nachteile mit sich, aber eben auch viele Vorteile. Dass die Firmeninhaber sich völlig unprätentiös ins Gemeindeleben einbringen und noch nie eine Extrawurst gebraten haben wollten, komme dazu.
Bögl, mit der als Badesee tolerierten Sandgrube im Süden und das ehemalige Zementwerk im Norden dominieren optisch. Die Türme und Silos im Besitz von Heidelberger Zement ärgern Brandenburger nicht. „Die sind nicht schön, aber markant und sie halten wohl die nächsten 1000 Jahre.“ Die Gemeinde könne dieses Areal nicht erwerben, das würde sie überfordern.
Brandenburger hat nach seiner Wahl den Focus auf andere Dinge gerichtet: Die energetische Sanierung von Kindergarten und Schule, die wie die kirchlichen Einrichtungen vom Hackschnitzel-Kraftwerk geheizt werden und die Neugestaltung des Ortskerns von Sengenthal mit Brunnen und kostenfreier Strom-Tankstelle.
In Forst wurden Kapelle und Kapellenplatz gebaut und gestaltet (es gab den Staatspreis dafür), in Reichertshofen wurde der Friedhof saniert, ein Baugebiet erschlossen und das Gewerbegebiet erweitert, in Buchberg soll ein Ortsmittelpunkt entstehen und an einer Hangwiese ein Kneippbecken mit Matschspielplatz daneben.
Alle fünf Ortsteile sind mit DSL erschlossen, nur ein paar Weiler und Einzelgehöfte warten noch darauf. Dass keines der Dörfer im ausgedehnten Gemeindegebiet zu kurz kommt, das ist Brandenburger wichtig.
Diese frühere Haltung „links oder rechts vom Kanal“ gebe es so nicht mehr. Es habe sich, meint Brandenburger zu verspüren, ein Gemeinschaftsgeist eingestellt, „obwohl die Menschen in jedem Dorf ein Schlag für sich sind“.
Die kräftigen sozialen Strukturen sind sicher auch ein Grund mit dafür, dass die von ihm ins Leben gerufene Nachbarschaftshilfe nur gelegentlich in Notfällen einspringen muss. Ansprechpartner ist sein Vorgänger Josef Meier, den Brandenburger auch als Seniorenbeauftragten eingespannt hat. Die beiden Aufgabenbereiche überschneiden sich nämlich.
Sehr zufrieden ist das Gemeindeoberhaupt mit der Grundstückspolitik der letzten Jahre. Das Bauland sei verkauft, nun könne der Gemeinderat dran gehen, das Baugebiet Kirchenweg II in Angriff zu nehmen. Auf dass sich das Volk in Sengenthal weiter vermehre. 31 Geburten wurden 2011 verzeichnet. Denen stehen nur 14 Todesfälle gegenüber.

