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„Was? Am Freitag soll ich schon nach Hause?“ Nicht jeder Patient freut sich über eine vorzeitige Entlassung. Gerade ältere, alleinstehende Menschen gewöhnen sich rasch an die Rundum-Betreuung im geregelten Klinikbetrieb. Die Rückkehr ins eigenverantwortliche Handeln ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden, stellt sie vor eine fast unlösbare Aufgabe.
Einkaufen, Hausarzt kontaktieren, Medikamente besorgen und regelmäßig einnehmen — die Erledigungsliste ist quälend lang. In dieser Situation sind Helfer wahre Engel. Sie begleiten, hören zu, ermutigen, übernehmen Arbeit und führen den Patienten Schritt für Schritt wieder zurück in den Alltag.
Gestern stellte das Klinikum Neumarkt vor, wie es solche „Engel“ entsenden will. „Klinikpaten“ heißen diese. Vom Klinikum aus sollen die Einsätze der ehrenamtlichen Klinikpaten koordiniert werden. Möglich wird dies durch eine Kooperation der Kliniken des Landkreises Neumarkt und des Diakonischen Werks Neumarkt. Spenden sollen die Finanzierung langfristig ermöglichen.
Kaum hatte Dietmar Wittek, Leiter der Ethikkommission am Neumarkter Klinikum, bei der gestrigen Pressekonferenz das Projekt beworben und von den unzähligen Gesprächen berichtet, die hierfür nötig gewesen seien, gab es überraschende Wortbeiträge.
Sowohl Dekan Monsignore Richard Distler als auch Markus Friedl, Leiter des sozialen Dienstes beim Bayerischen Roten Kreuz, äußerten ihr Unverständnis darüber, dass es bei ihnen, weder bei der Caritas noch beim BRK, keine Anfragen wegen einer Kooperation gegeben habe.
Beide Einrichtungen betonten, dass die „Klinikpaten“ ein unterstützenswertes Projekt seien, an dem sie sich gern beteiligt hätten. Auf der aktuellen Info-Broschüre steht jedoch lediglich das blau-lilafarbene Logo der Neumarkter Diakonie.
Während Landrat Albert Löhner an dieser Stelle feststellte, dass es sich hier wohl um einen „chaotischen Beginn“ handele und dass er sich schon zu Beginn der Konferenz beim Blick in die Runde gewundert habe, „wie sich dieser Kreis zusammensetzt“, waren die Klinik-Verantwortlichen um schnelle Schadensbegrenzung bemüht.
Man begrüße den Kooperationswunsch und werde die beiden Einrichtungen mit ins Boot holen, habe aber jetzt die Diakonie „als Anstellungsträger“ gewählt. „Damit das Ding zum Fliegen gebracht wird“, ergänzte Diakonie-Geschäftsführer Detlef Edelmann. Zur Vertragsunterzeichnung wurden die Vertreter der Einrichtungen mit aufs Pressefoto gebeten.
Ebenso Landrat Albert Löhner und OB Thomas Thumann: Landkreis und Stadt Neumarkt unterstützen das Projekt mit einer Anschubfinanzierung von je 1000 Euro.
Weitere Unterstützung kann das neue Projekt auf jeden Fall vertragen, denn noch fehlen die ehrenamtlichen Helfer. Die sollten volljährig und zeitlich flexibel sein. Weil ihre Aufgabe keine einfache sein wird, sollen sie vor ihrem Einsatz am Klinikum Neumarkt in einem zweitägigen Kurs vorbereitet werden. Zur Jahreshälfte sollen die ersten Patienten begleitet werden.
Am Dienstag, 28. Februar, um 18 Uhr findet ein Info-Abend zur „Klinikpatenschaft“ statt. Wer die Patenschaft finanziell unterstützen will: Diakonisches Werk Neumarkt, Spendenkonto: 143430, BLZ 76069553, Raiffeisenbank Neumarkt, Verwendungszweck: Klinikpaten. Kontakt: klinikpaten@klinikum.neumarkt.de oder (09181) 420-5050.

