Dienstag, 18.12.2018

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Das Tor seines Lebens

Ex-Klosterer Dominik Stolz trifft gegen AC Milan im Giuseppe-Meazza-Stadion - 06.12.2018 20:30 Uhr

Die 39. Minute im Mailänder Meazza-Stadion: Nach einer Ecke von links drischt Dominik Stolz (re.) die Kugel über Pepe Reina hinweg in den linken oberen Winkel. „Der Mann hat’s in Seligenporten gelernt“, schwärmt der TV-Kommentator. Foto: Miguel Medina/afp


Dominik Stolz nach seinem Tor: „Ich wusste nicht, wo ich hinrennen sollte, um mein Tor zu feiern.“ Links ärgert sich Gonzalo Higuain. © F.: Medina/afp


"La frappe – et l'égalisation – Dominik Stolz, qui est peut-être en train d'écrire l'histoire!" So ein französischer Kommentator des Euro-League-Spiels. Was übersetzt heißt: Der Schuss – und der Ausgleich – Dominik Stolz, der gerade vielleicht Geschichte schreibt. Dies aber nicht in der luxemburgischen BGL Ligue, sondern in keinem geringeren Stadion wie dem San Siro, das inzwischen Giuseppe-Meazza-Stadion heißt, und gegen keinen geringeren Verein als den dreimaligen Champions-League-Sieger AC Mailand.

Eine linke Ecke der Düdelinger kurz vor der Pause, der Favorit führt 1:0. Vom Rücken des Milan-Spielers Simic gelangte die Kugel zum 28-jährigen Windsbacher, der einige Jahre mit dem SV Seligenporten in der Regionaliga spielte. "Ein Pflichtspiel in San Siro, das ist schon was Besonderes", versicherte Stolz noch Mitte September den NN. Aber ein Tor in Mailand, das hätte er sich wohl nicht ausmalen können.

Aus elf Metern suchte Stolz volley und direkt den Abschluss, traf die Kugel satt und ließ dem AC-Keeper Pepe Reina mit einem Schuss ins linke Kreuzeck keine Chance (39.).

Gegenüber der luxemburgischen Zeitung L’essentiel sagte Stolz nach dem Spiel: "Ich kann nicht sagen, was in meinem Kopf passiert ist, ich wusste nicht, wo ich hinrennen sollte, um mein Tor zu feiern." Tatsächlich wusste Stolz nicht wohin. Zunächst breitete er die Arme aus, als wolle er fliegen. Den Blick und die Laufrichtung gen eigenes Tor gerichtet, drehte er sich dann aber einmal im Kreis, ballte beide Fäuste und lief in Richtung der Eckfahne. Einen kleinen Freudensprung inklusive. "So ein Tor schießt man wohl nur einmal im Leben", schwärmte der Ex- Klosterer.

Auf DAZN folgte nach seinem Treffer der Kommentar: "Der Mann hat’s in Seligenporten gelernt und macht jetzt den Ausgleich in der Europa League." Tatsächlich hatte es Stolz im beschaulichen Klosterdorf zu einem Top-Regionalligaspieler gebracht. Und nun der Ausgleichstreffer im Giuseppe-Meazza-Stadion – irgendwie märchenhaft.

Mit dem 1:1-Unentschieden ging es für Stolz’ Düdelinger in die Pause, der AC Mailand wirkte angeknockt. Das sollten die Gäste aus Luxemburg auch eiskalt nutzen. "Und angetrieben von Stolz auch im zweiten Durchgang der Underdog", sollte es später in der Spielzusammenfassung heißen. Einen langen Diagonalball von Teamkollegen Marc-André Kruska erlief Dominik Stolz kurz vor der Torauslinie und flankte das Leder in die Mitte zu Stürmer Dave Turpel. Milan hatte das Leder eigentlich schon geklärt, über Umwege landete das Runde nochmals bei Turpel, der aus spitzem Winkel und zwölf Metern zur 2:1-Führung für Düdelingen einschoss (49.).

Das Wunder, es lag in der Luft. Was folgte – ein Sturmlauf der Italiener. Dominik Stolz war fast ausnahmslos als eine Art zweiter Rechtsverteidiger beschäftigt. Aber eine Chance sollte der 28-Jährige noch bekommen. Sein Schuss aus 17 Metern zischte knapp am Pfosten des AC-Tors vorbei.

Innerhalb von 14 Minuten drehte Milan die Partie, gewann am Ende mit 5:2. Auch wenn F91 Düdelingen weiter Schlusslicht der Gruppe F bleibt und immer noch punktlos ist, wurden Stolz und Kollegen an diesem Abend letzten Endes unter Wert geschlagen. Aber ganz sicher hat Dominik Stolz Geschichte geschrieben: Ein Tor eines ehemaligen Klosterers hat es in einem europäischen Wettbewerb noch nie gegeben. In dieser magischen 39. Minute, als Stolz für kurze Zeit abhob und nicht mehr genau wusste wohin. 

FRANZ HABLE

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