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„Die vierte Generation ist da und seit zwei Jahren im Haus, und irgendwann wird es den kompletten Wechsel geben“, sagte Thomas Dehn auf Anfrage der Neumarkter Nachrichten am Rande einer Betriebsbesichtigung der Wirtschafts-Staatssekretärin Katja Hessel. Die Geschäftsführung wird ausschließlich an Gesellschafter Philipp Dehn, ein promovierter Betriebswirt, und an Dr.-Ing. Peter Zahlmann übergehen.
Die Stabübergabe an seinen Sohn sei „langfristig geplant“, doch über den Zeitpunkt seines Rückzugs aus dem Tagesgeschäft wollte Thomas Dehn nichts sagen. „Wie lange die Überlappungsphase sein wird, werden wir kurzfristig entscheiden.“ Die Weichen seien innerbetrieblich gestellt, versicherte Thomas Dehn.
Der Noch-Chef will dann aus der Geschäftsführung in den Firmenbeirat wechseln und in dieser Funktion „das Unternehmen begleiten, aber nicht mehr operativ und nicht 24 Stunden lang“. Der Beirat ist eine Art Aufsichtsrat, dem Familienmitglieder und Externe angehören.
Befriedigt stellte Thomas Dehn fest, dass in dem Unternehmen der Generationswechsel gut vorangekommen sei, während er in vielen familiengeführten Firmen nicht funktioniere. Seinem nachfolgenden Sohn attestierte er eine „vernünftige Ausbildung“ und die Qualifikation, die er schon in leitender Funktion in fremden Unternehmen unter Beweis gestellt habe.
Der Blitz- und Überspannungsschutzspezialist Dehn+Söhne ist mit 1200 Mitarbeitern (über 1500 weltweit) in Neumarkt der größte Arbeitgeber. Wegen akuter Platzprobleme ist gerade die Aussiedlung des Lager- und Logistikzentrums nach Mühlhausen im Gange. Dort investiert Dehn rund 30 Millionen Euro. Nach dem Richtfest im ersten Vierteljahr soll die neue Betriebsstätte im Januar 2014 ihrer Bestimmung übergeben werden. Die freiwerdenden Gebäude am Hauptsitz in der Kreisstadt Neumarkt werden von anderen Betriebsabteilungen bezogen werden. Der Umzug sei erforderlich geworden, weil es nicht gelungen sei, innerhalb der Stadtgrenzen ein genügend großes und geeignetes Gelände für die Expansion zu finden, heißt es im Unternehmen.
Die nachhaltigen Wachstumspotenziale sieht Firmenchef Thomas Dehn im Ausland. Angesichts des demographischen Wandels werden seiner Ansicht nach die inländischen Märkte die angestrebten Zuwächse irgendwann nicht mehr hergeben. Zahlen und Zielmarken nannte er zwar nicht, aber er versicherte, dass das Unternehmen „kontinuierlich dabei ist, im Export zu wachsen“.
Die Exportorientierung habe bei Dehn schon Anfang der 80er Jahre begonnen. Mit Erzeugnissen des Überspannungsschutzes sei es damals gelungen, Wachstum auf ausländischen Märkten zu erwirtschaften — auch mit „Durchhängern“, wie Thomas Dehn bekannte. Die starke Konjunkturabhängigkeit des Geschäfts erweise sich an einigen Problemländern. „Spanien ist im Moment tot“, bedauert der Neumarkter Unternehmer.
Während viele Unternehmen der gewerblichen Produktion längst in Billiglohnländern fertigen lassen, steht die einzige Dehn-Fabrik mit rund 800 Mitarbeitern in Neumarkt. Die vier Auslandsbüros in Moskau, Melbourne, Budapest und Prag sowie die elf Auslandsgesellschaften sind reine Vertriebskanäle. In der russischen Hauptstadt wird das seit 2007 bestehende Dehn-Büro in eine eigene russische Gesellschaft umgewandelt. Zwei weitere Firmengründungen des Neumarkter Blitzschutz-Spezialisten im Ausland sind in der Planung, aber Thomas Dehn wollte die Standorte nicht nennen.
In den großen Boom-Staaten der wirtschaftlichen Schwellenländer ist Dehn+Söhne längst vertreten: So bearbeiten die Oberpfälzer bereits den chinesischen Markt; Ende 2011 ist dann in Indien eine eigene Vertriebsgesellschaft gegründet worden.
Firmenchef Thomas Dehn war gerne Gastgeber für das Kabinettsmitglied. Bei einem Messebesuch habe man Wirtschafts-Staatssekretärin Katja Hessel kennengelernt. Und im Wahljahr habe diese gerne die Einladung nach Neumarkt angenommen. Das Wirtschaftsministerium in München könne hin und wieder bei der Anbahnung von Kontakten im Ausland hilfreich sein, berichtete Thomas Dehn. In Bezug auf die gewählten Volksvertreter äußerte sich der Unternehmer allerdings distanziert: „Die meisten Parlamentarier wissen viel zu wenig, was in der Wirtschaft gespielt wird.“


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